Aufsatz 
Bemerkungen über einige pädagogische Zeitfragen
Entstehung
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Mann mit Stolz auf die Unterstützung blicken, sie wird ihn heben, während sie ihn jetzt demütigt und um so mehr bedrückt, je zarter sein Ehrgefühl, je höher sein sittlicher Standpunkt ist.

Prof. Conrad rekapituliert zum Schluſs und sagt unter anderem:Die UÜber- schätzung der klassischen Bildung für Nichtstudierende ist mit Entschiedenheit zu bekämpfen, um den Zudrang zu den Gymnasien und damit zu den Universitäten auf das richtige Mafs zurückzuführen. Dazu ist vor allen Dingen die Gleichbe- rechtigung der höheren Schulen für alle Beamtenstellen, zu denen ein Universitätsstudium nicht erforderlich ist, zu beanspruchen.

Aber Fichtes Wort an die deutsche Nation kommt ihm dabei in Erinnerung: Das Predigen bleibt ohne Wirkung, wenn die ganze Fühl- und Denkweise des Volkes nach anderer Richtung geht. Deshalb, so folgert Prof. Conrad, müfsten mehr als bisher die pädagogischen Aufgaben von Staat und Gesellschaft bei allen öffentlichen Maſsregeln im Auge behalten werden.

Doch sind es nicht nur organisatorische Fragen, welche die pädagogischen Kreise in Bewegung halten; auch didaktische beschäftigen sie in hohem Malse, und im Vordergrund der Besprechung steht ohne Zweifel der neusprachliche Unterricht. bezw. die Reform desselben. Gründe für diese Erscheinung liegen sehr nahe.

Die neuphilologische Wissenschaft, eine noch sehr junge, arbeitet mit Macht an einer Gleichstellung mit den übrigen Wissenschaften und hat bei ihren Forschungen Resultate aufzuweisen, welche gebieterisch Berücksichtigung im Schulunterricht fordern.

Der praktische Nutzen der modernen fremden Sprachen ist zwar nie ganz übersehen worden; aber die Leichtigkeit und Dringlichkeit der gegenwärtigen inter- nationalen Verbindungen und Beziehungen jeder Art, der gewerblichen, kaufmännischen, gesellschaftlichen und nicht zum geringsten der wissenschaftlichen, macht das Bedürfnis tüchtiger Kenntnisse in den hauptsächlichsten unter ihnen um so fühlbarer.

Man erkennt sodann an, wenn auch noch nicht allgemein, so doch in groſsen Kreisen und von spruchfähiger und maſsgebender Seite, dafs die modernen Sprachen nicht bloſs eine praktisch verwendbare Seite haben, sondern daſs ihnen auch als Unterrichtsmittel, wenn rationell betrieben, eine hervorragende geistbildende Kraft innewohnt.

Der Unterricht in den neuen Sprachen soll also, wie der Unterricht in den alten Sprachen, eine ernste geistige Gymnastik sein, daneben aber auch dem prak- tischen Leben dienen. Diesen Gesichtspunkten entsprechend, muſs das Unterrichts- verfahren sich gestalten.

In dem Maſse, in welchem die neuphilologische Wissenschaft erstarkte und sich emanzipierte von der altphilologischen, zeigte sich beim Unterricht in den modernen Sprachen das Bestreben, sich auch hinsichtlich der Methode auf eigene Füfse zu stellen und selbständig vorzugehen. Indessen muſs anerkannt werden, dals hier Hilfeleistung und Vorbildlichkeit durchaus auf Gegenseitigkeit beruhen. Jedes Gebiet benutzt die Forschungen und Fortschritte, welche auf dem andern gemacht wurden. Das rein grammatisierende Verfahren in den alten Sprachen hat dem neusprachlichen Unterricht zu gröſserer Vertiefung und Gründlichkeit verholfen, während umgekehrt nach verschiedener Richtung hin mehr Leichtigkeit, Frische, Anschaulichkeit und damit Gefälligkeit übertragen wurde. Das unendliche schriftliche Verfahren, insbesondere das