Aufsatz 
Bemerkungen über einige pädagogische Zeitfragen
Entstehung
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erforderlichen 270: 420 Pharmaceuten. Forstwirte studierten in Deutschland von 1870 bis 1878: 373, 1881: 701. 1879 bis 1882 legten in Preufsen 407 Bauführer das Staatsexamen ab; in derselben Zeit erhielten aber nur 65 Anstellung als Bau- meister. Die angeführten Beispiele genügen wohl, um die Behauptung gerechtfertigt erscheinen zu lassen, dafs eine übergroſse Zahl von Leuten, welche unter Aufopferung der besten Jahre ihres Lebens und erheblicher Geldmittel sich eine hohe klassische Bildung und hervorragende Leistungsfähigkeit angeeignet haben, schon jetzt Jahre lang vergebens auf eine angemessene Anstellung warten müssen, und dafs in der nächsten Zukunft die Zahl in einer bedenklichen Weise steigen wird.

Die notwendige Folge dieses Umstandes ist wachsende Unzufriedenheit in den betreffenden Kreisen, vielfach unter dem Druck wirklicher Not; übermälsige Ver- zögerung der Familiengründung, was noch verstärkt wird durch die Steigerung der Lebensansprüche in den letzten Dezennien. Dazu wird eine groſse Zahl höher Ge- bildeter namentlich in Subaltern-Stellen herabgedrückt.

Daſs nun solche unzufriedene Elemente nicht nur ein beklagenswertes Schicksal haben, sondern auch ein gefährliches destruktives Ferment im Lande bilden, welches nur zu sehr geneigt ist, das Heer sozial-demokratischer Agitatoren zu vermehren; dafs sie aufserdem als Bleigewicht an den aufstrebenden wichtigsten Familien des Staates hängen, wird von niemandem geleugnet werden können.

Die Ursache zu jener Erscheinung, der UÜberwucherung eines gebildeten Proletariats, erblickt Prof. Conrad in Verschiedenem: Die Bevölkerung hat zuge- nommen, aber nicht in gleichem Maſse der Bedarf an höheren Beamten. Je dichter die Bevölkerung lebt, um so weniger Pfarrer, Arzte u. s. w. werden bei sonst gleich gebliebenen Umständen gebraucht. Unsere Bevölkerung besitzt nicht in gleichem Maſse wie die Engländer und Amerikaner Unternehmungsgeist und frühreife Selb- ständigkeit. Es liegt in der Richtung unserer Zeit, die geistige Arbeit der körper- lichen vorzuziehen und sie weit über dieselbe zu stellen, welches als die natürliche Folge unseres entwickelten Schulunterrichts anzusehen ist. Hiermit steht im Zu- sammenhang die auſserordentliche Bevorzugung der klassischen Bildung, welche eine Eigentümlichkeit Deutschlands ist, und die seit dem Beginn des Jahrhunderts von Seiten der Regierungen begünstigt und künstlich gefördert ist. Die klassische Bildung verschafft bei uns mehr als in irgend einem anderen Lande Ansehen und gesellschaft- liche Stellung. Kein Wunder, wenn das Streben überwiegt, die Söhne studieren zu lassen, wenn man sich scheut, sie einen Beruf ergreifen zu lassen, der nicht das volle Ansehen bringt. Hier sehen win einen bedeutsamen Punkt, wo bisher in der Volkserziehung gesündigt ist, und wo eine Umkehr uns von der höchsten Bedeutung erscheint. Die eigentümliche Gestaltung des Berechtigungswesens unserer Schulen beeinfluſst sodann das Urteil der Bevölkerung über die Bedeutung der einen oder anderen Schulbildung. Die Schulen, welche die Regierung nicht für voll ansieht, werden ihr Ansehen im Volke unmöglich auf die Dauer bewahren können. Die Folge davon ist die auſserordentliche UÜberfüllung namentlich der unteren Klassen der Gymnasien. Der dritte Teil der Gymnasiasten erlangt indessen noch nicht das Maturitätszeugnis. Alle diejenigen, welche aber die Schule nicht durchmachen, sondern den Kursus in der Mitte abbrechen, erlangen keine abgerundete, sondern nur eine halbe Bildung, mit oberflächlichem klassischen Anstrich.

Es erscheint uns überhaupt ecine Hauptaufgabe in unserer Zeit, das alte Vorurteil zu bekämpfen, dafs eine höhere Bildung mit idealen Anschauungen nur auf Grund der Kenntnis der alten Sprachen zu