Aufsatz 
Bemerkungen über einige pädagogische Zeitfragen
Entstehung
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Artikel mit der Uberschrift:Die Gefahr eines gebildeten Proletariats in der Gegenwart. Dieselben enthalten so viel Beherzigenswertes, so manches, was mit meinen eigenen Ansichten über die Sache übereinstimmt, dafs ich sie am liebsten zum besten und zur Belehrung vieler Eltern hier vollständig zum Abdruck brächte. Doch mufs ich mich mit einem kurzen Referat begnügen.

Professor Conrad wendet sich vor allen Dingen gegen den gegenwärtigen übermäſsigen Andrang zu den akademischen Studien und macht auf die Gefahren auf- merksam, die daraus der Gesellschaft notwendig erwachsen müssen. Es ist nicht das erstemal, daſs dasPublikum diesbezüglichgewarnt wird, nicht nur von einzelnen sachkundigen Männern, sondern auch von den Regierungen. Geholfen hat das alles bis jetzt freilich sehr wenig, denn mit jedem neuen Semester wird von den meisten Universitätsstädten mit sichtlicher Freude weitere Vermehrung der Studirenden gegen das vorjährige Semester gemeldet. Unter diesen Umständen mufs ein neuer Warnungs- ruf, wie der des bekannten Statistikers Prof. Conrad, als sehr zeitgemäſs begrüſst werden.

Er leitet seine Auseinandersetzungen ein, indem er sagt:Von den vielen Gefahren, die uns heutzutage umgeben, steht wohl die einer Uberwucherung durch ein gebildetes Proletariat mit in erster Linie, und scheint uns weit bedeutsamer zu sein, als die Gefahr eines Massenproletariats, mit der man sich jetzt so allgemein und mit Vorliebe beschäftigt. Nachdem dann Prof. Conrad einen Blick auf die allgemeinen Bevölkerungsverhältnisse geworfen und dargethan hat, daſs dieselben vielfach zu Misverhältnissen sich herausgebildet haben, führt er der Hauptsache nach Folgendes aus:

In der neuesten Zeit ist nun das Misverhältnis zwischen Angebot und Nach- frage am extremsten zu Tage getreten und droht insbesondere einen noch weit schlimmeren Charakter in der Zukunft anzunehmen in den Berufszweigen, bei welchen klassische Bildung verlangt wird. Während sich in den 60er Jahren auf deutschen Universitäten nur rund 13,400 Studierende aufhielten, stieg die Zahl im letzten Sommersemester auf 28,089 und es ist kaum anzunehmen, daſs der Gipfel bereits erreicht ist. In den letzten fünf Jahren nahm die Zahl der Studenten um 5600 oder 26 Prozent zu, während die gesamte Bevölkerung kaum um 5 Prozent stieg. Allerdings beobachtet man auch in dieser Beziehung, sobald man gröſsere Perioden ins Auge faſst, eine Wellenbewegung, ein Auf- und Absteigen in der Frequenz, so gleich nach den Freiheitskriegen eine übermälsige Ebbe, darauf Ende der 20er Jahre eine gewaltige Flutwelle, um dann nach wiederholten Schwankungen und be- deutendem Fallen gegenwärtig eine noch nie dagewesene Hochflut zu erzeugen.

Es werden dann die Verhältnisse der verschiedenen Fakultäten untersucht, um nachzuweisen, wie in jeder einzelnen, mit Ausnahme der katholisch-theolo- gischen, eine über den wirklichen Bedarf hinausgehende, zum teil erschreckend weit hinausgehende Steigerung der Studierenden zu finden ist.In Preuſsen werden jetzt jährlich etwa 300 juristische Beamte neu angestellt; im Jahre 1885 bestanden aber 6 22 das Staatsexamen. In demselben Staate genügen 250 neu eintretende Arzte, um den bisherigen Bestand zu erhalten und noch etwas zu erhöhen; im letzten Jahr aber bestanden schon 431 das Staatsexamen und die in den letzten Jahren erfolgte Zunahme der Universitätsfrequenz kommt in diesen Zahlen natürlich erst in den folgenden Jahren zur Geltung. Dafs eine UÜberfüllung an Philologen, Mathematikern, Naturwissenschaftlern u. s. w. vorhanden ist, wird allgemein anerkannt. Andere Be- rufszweige, welche den eben besprochenen nicht ganz an die Seite zu stellen sind, zeigen ähnliche Misverhältnisse. Die Staatsprüfung bestanden 1884/85 statt der