Aufsatz 
Bemerkungen über einige pädagogische Zeitfragen
Entstehung
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F. Hornemann plaidirt in seiner bereits oben erwähnten Abhandlung, wie auch Steinmeyer, für Latein in der Bürgerschule. Beide sind Einheitsschulmänner, aber besonderer Richtung und ganz verschieden von Nohl u. a. Ihre Bürgerschule ist nicht etwa eine Vorschule zur höheren Einheitsschule, der Vorbereitungsanstalt für akademische Studien, sondern eine Parallelschule zu den unteren Klassen dieser mit eigenen Zielen und Zwecken: Vorbereitung fürs praktische Leben, Erziehung des gebildeten Mittelstandes, des höheren Gewerbe-, Kaufmannstandes etc. Diese Bürger- schule soll sechs Jahreskurse umfassen, neben Latein auch Französisch und Englisch als obligatorische Gegenstände haben. Zu Gunsten des Latein in einer solchen Anstalt, führt Hornemann unter anderem an:

1) Es muſs auch ihren Schülern das notwendige Handwerkszeug für jedes sprachliche Studium beschafft werden, nämlich die allgemeinen grammatischen Kategorien, welche zugleich IIlustrationen sind zu den einfachsten logischen Verhältnissen. Für diese Kategorien hat uun das Latein sinnlich leichter wahrnehmbare Zeichen als das Französische. A. a. O. p. 546 u. 547.

2) Mit der Einführung des Lateins in der höheren Bürgerschule wäre dem Wunsche der Behörden die teilweise bei ihren Subalternbeamten noch etwas Latein voraussetzen und dem Bedürfnis des leichteren UÜbergangs zum Gymnasium Genüge gethan; auch das praktische Leben würde nicht ohne Förderung bleiben, denn dem Handelsstand wird die Erlernung des Spanischen und Italienischen mehr und mehr Bedürfnis, und etwas Lateinisch bringt hier Erleichterung.

Das sind die Hauptgründe Hornemanns.Die Vielheit der Sprachen scheint ihm bei der Jugend der Schüler, welche nun einmal nach Abwechslung vexlangt, kein wesentliches Bedenken. Nur muls natürlich innerhalb der einzelnen Fächer nicht zu viel verlangt werden, sondern nur eine gewisse Fertigkeit der Lektüre, wie sie das praktische Leben bedarf. A. a. O. p. 562.

Offen gestanden, ich habe mich gewundert, die beiden letzten bedenklichen Sätze in der sonst so gediegenen Arbeit zu finden. Sie stehen vor allen Dingen in hellem Widerspruch mit No. 1 der für das Latein in einer Bürgerschule angeführten Gründe. Was diese selbst angeht, so ist keiner darunter stichhaltig. Leider muls ich es mir versagen, hier näher auf dieselben einzugehen. Nur einiges sei bemerkt. Die vom praktischen Leben geforderte, zum Verständniſs eines französischen Schrift- stellers, ferner zum Schreiben und Sprechen im fremden Idiom nötige Vertiefung in die allgemeinen grammatischen Kategorien wird weit zweckmälſsiger durch die bezüg- lichen sprachlichen Erscheinungen im Deutschen und Französischen angeeignet. Von einer groſsen Zahl Subalternbeamten wird Schulung durch Latein nicht mehr verlangt, und ein viel gröſseres Mafs von Weisheit wäre es, daſs für sämtliche Ver- waltungsressort jener Zwang aufgehoben würde, als daſs man dem ganzen bürger- lichen Mittelstande eine weitere Last auferlegte, und wäre es auch nurein Hineinlesen in Cäsars Bellum gallicum. Sollte einem in der französischen Sprache wohlgeschulten jungen Kaufmann nicht auch das Spanische und Italienische näher gerückt worden sein? Dient nicht jede gründliche Schulung in einer Disziplin als Vorbereitung für eine nachfolgende, besonders aber, wenn es sich um so verwandte Disziplinen wie die sprachlichen handelt?

Einen Hauptgrund für die Errichtung der Einheitsschule schöpft man aus der Berufswahl der Schüler und sagt, bei der jetzigen Gliederung der Schulen werde der Junge viel zu früh, und ehe man noch sicher entscheiden könne, gezwungen, sich