Aufsatz 
Nassauische Chronisten des Mittelalters / vom Gymnasiallehrer Dr. Widmann
Entstehung
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desselben. 3) Auch die Originalhandschrift der deutschen Bearbeitung ist verloren; die Abschriften sind nicht viel schlechter als diese war. 4) Möglich wäre, dass die deutsche Uebertragung auf ein Konzept oder eine kürzere Bearbeitung des lateinischen Originals zurückgeht.

Erzählung des Minoritenbruders Werner von Saulheim über die Stiftung des Klosters Clarenthal bei Wiesbaden. 1314.

Ein Jahrhundert etwa liegt zwischen der Lebensbeschreibung Ludwigs von Arnstein und dieser schlichten deutschen Erzählung vonder Stiftung, dem Bau und der Begabung des Klöosters Clarenthal, unstreitig einer der wichtigsten Quellen für die Familiengeschichte des Grafen Walram II. von Nassau. Der Verfasser nennt sich in der Erzählung selbstbroider Wirnher von Saulnheym(am Schluss Wernher) myner broider ordens und schrieb seinen Bericht, wie er angiebt, im Jahre 1314,darvmb das die dynge die myr mit augen han gesiehen vnd sie wissentlichen bekennen, unszer nachkomelynge eyentlich geware werden vnd leren dorch die schrifft ¹), das dardorch yre gemudt erwecket werde, got zu loben und yn vor die selben stiffter andechtentlichen zu bieden(bitten). Bruder Werner ist also Zeitgenosse der Stifter des Clarenklosters, des Königs Adolf und seiner frommen Gemahlin Imagina. Die Stiftung desneuen Klosters, wie es zum Unterschied von demreichen Clarenkloster zu Mainz von Werner und später gewöhnlich genannt wurde, fällt in das Jahr 1296; doch sind die Stiftungsurkunden erst zwei Jahre später ausge- stellt2). Von Werner haben wir nur noch wenige Nachrichten, die eine von seinem Todestag im Nekrol. von Clarenthal ³):d. Barnabe apostoli(11. Juni) obiit frater Wernherus de Sauwelnheim Confessor noster. Das Jahr des Todes fehlt. Aber wir erfahren aus dieser kurzen Notiz wenigstens Näheres über die Beziehungen Werners zum Kloster: er wohnte als Beichtvater der Nonnen in Clarenthal. In derselben Stellung finden wir ihn noch zweimal als Zeuge erwähnt und zwar 1) in dem Fragment einer Verkaufsurkunde eines Hofesin terminis villarum Appinheim et inferiori Hilbersheim an das Kloster, von welcher Friedemann eine Abschrift(s. Urkden des Kl. Clarenth. im Staatsarch. zu W. 5) angefertigt hat. Das Original selbst ist nicht mehr vorhanden. Nach Angabe Friedemanns diente es zum Einband eines Güterverzeich- nisses von Clarenthal und stammte der Schrift nach aus dem Ende des 13. oder dem Anfang des 14. Jahrh., war also aller Wahrscheinlichkeit nach selbst nur Kopie. Da der obere Theil abgeschnitten war, fehlt das Jahresdatum 4). Der Anfang lautet jetztdicto Jagelin, sculteto Bertoldo dicto Beydichin etc. Die Werner betreffende Stelle heisst:presentibus sculteto et scabinis prenotatis nec non religiosis viris fratribus Wernhero de Sauwilnheim, presbytero, confessore sororum Abbatissae et conventus monasterii supra- dicti, et Gerhardo laico ordine minorum. 2) In einer Urkunde vom 22. Aug. 1317, durch welche Ritter Konrad Schelm von Bergen oder von Wiesbaden und seine Frau dem Kloster Clarenthal ihr Gut verkaufen, das siebi demme selben closter ligende hatten, findet sich unter den Zeugen auchder bihter fon demme clostere bruder Wer.(nher) fon Saulnheim unde sine gesellen bruder Tilman fon Flanheim unde brude(1) Gerhart fon Ymensheim unde des closters buder(1), bruder Heinman fon Randecke 5).(Hdschr. auf d. Staatsarch. Kl. Clar. No. 14.) Das ist alles, was wir wissen; im übrigen sind wir auf Vermutungen angewiesen. Unsere Hoffnung, dass diekurtz gefaste Historie von dem Kloster Clarenthal, vom Archiv- rath Molitor. Ms. saec. XVIII.6), welche sich in dem Habel'schen Nachlass befindet, eine oder die andere Notiz aus verlorenen Archivalien enthalte, war vergeblich. Herr Pfarrer a. D. Conrady hatte die Güte, uns mitzuteilen, dass diesekurtz gefaste Chronik weiter nichts ist als eine Abschrift des Berichts in Schencks Geschicht-Beschreibung der Stadt Wissbaden. Frankfurt 1758, S. 391 417, und dass der Verfasser Archivrath Molitor nur eine Erfindung Bodmanns ist, während in der Schrift mit Bleistift die Bemerkung steht:verfasst vermutlich von Herrn Registrator Molitor. Auch in sämtlichen Moguntinis des Miltenbergischen Archivs findet sich nichts.

Als im Jahre 1303 oder 4⁷) die ersten drei Nonnen, nämlich König Adolfs Schwester Richarde), die erste Aebtissin, seine Tochter Adelheid und Agnes von Siegersberg ihren Einzug in Clarenthal hielten,

¹) Vergl. die Einl. der vita Lud. ²) Schlieph. IV, S. 41. ³) Kremer or. II, S. 416.) Der Verkauf des Hofes des miles Theodoricus fiel ohne Zweifel in die ersten Jahre des Bestehens von Clar., viell. 1309. ) Auf der Rückseite ist die Urkde von späterer Hand mit der Archivnummer A XVI. versehen, unter welcher sie sich im Kopialbuch des Klosters fol. 8 verzeichnet findet.) 8. die archiv. Sammungen auf Schloss Miltenberg, von Dr. L. Götze. Separat-Ahdr. aus der Arch. Zeitschr. Bd. II, S. 44. ⁷7) S8. Wadding. Ann. minorum VI. S. 56. No. 41. und Mone, Ztschr. f. Gesch. d. Oberrheins Bd. XV, S. 74. Schlieph. IV, S. 45.) Jo. rer. M. II, 930. 28. Juli 1311. Kremer, or. II, S. 417. Schenck. Gesch.-B. S. 400.