Aufsatz 
Nassauische Chronisten des Mittelalters / vom Gymnasiallehrer Dr. Widmann
Entstehung
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ein Beweis, dass das Lateinische das Original ist. Und dass es auch im Kloster als solches galt, beweisen die in C11 nach demselben vorgenommenen Korrekturen. Was heisst:der vorgenante graue lodewych nach synem claren blude vnd geburt haet er eyn huysfrauwe gehabt? Gar nichts. Im lateinischen Text heissen die entsprechenden Worte:erat comiti secundum seculum clari et alti sanguinis uxor= er hatte nach der Sitte der Zeit eine Gattin von edlem Geblüt; der Uebersetzer konstruierte also den Genitiv cl. sang. zu seculum statt zu uxor, während der Schreiber der Hd. B 21(v. J. 1753) richtig wiedergiebt: Cdilhildis ahn edlem geblüt und vornehmen Heerkommen in allem gleich. Warum fehlen in den deutschen Hdd. die Daten? Weil der Uebersetzer es nicht verstand, die lateinischen Kalenderausdrücke zu über- tragen. Wo er sie nicht auslassen konnte, beim Todestag des Grafen Ludwig, brachte er eine Ungeheuer- lichkeit zum Vorschein. Was mag sich wohl der gute Klosterbruder unter VIII kal. Novembr. gedacht haben, dass er übersetzte C13 des nuwen maendes yn dem achten tage, wofür in C 11 steht des nuwen maedach etc., während der Schreiber der Münchener Hdschr. offenbar nach nochmaliger Befragung des lat. Textesden XXVSten Novembris herausbringt, immerhin noch das beste. Das richtige Datum ist, wie wir schon angedeutet haben, V kal. Nov. Symonis et Jude, also der 28. Okt. ¹)In itinere Praemonstratensi feliciter obiit(auf der Prämonstratenser Reise, d. R. nach Prémontré) wird im Deutschen zuStarp uff dem wege premonstrey vnd wart begraben daselbst, wo sagt nur das Lat.apud Wadegozin. Aehnlich obiit in partibus transmarinis deutschstarbe uff dem meere.

Die Citate aus den Klassikern lässt das Deutsche weg. Vogel hält sie für Interpolationen im Lateinischen. Nun finden wir aber ausser den wenigen von Friedemann nachgewiesenen klassischen Citaten und Schriftstellen bei genauerer Prüfung eine so erstaunliche Masse von Anführungen und Reminiscenzen, weniger aus Klassikern als vornehmlich aus der hl. Schrift, dass das ganze lateinische Exemplar ein wahrhaft bewundernswert geschicktes Interpolationenmosaik und eine meisterhafte Uebersetzung wäre.

Wir erinnern an das geflügelte Wort principiis obsta(Ovid), an die halben Verse languor capitis decurrit in artus monitis evicta frequentibus, in uxoris corpore molle femur. Das aures obturat ut aspis ist nicht, wie Friedemann meint, klassisches Citat, sondern aus Psalm 57, 5(vgl. Isai. c. 33, 15); zu qui dormit estate, mendicabit hyeme(B. S. 337) findet sich die Urstelle in Proverb. 6, 9 usquequo, piger dormis und 10, 5 stertit aestate Cpl roverb. 20, 4 mendicabit ergo aestate). Die nachgewiesenen Citate aus Klassikern sind Hor. sat. I, 58 epist. I, 1, 32 u. 45. Ovid. Epp. ex Ponto 4, 3, 49. Claudian. IV. Consul. Honor. 299. Nicht nach- zuweisen waren bis jetzt die Anführungen aus mittelalterlichen Dichtern. Bei dem Verzeichnis der benutzten Bibelstellen wollen wir ganz absehen von den allgemeinen Ausdrücken wie creditum talentum nach Matth. 25, vallis plorationis nach Ps. 83, 7.(in valle lacrimarum), wompletis diebus(S. 328) nach Dan. 1, 18, cantica graduum (S. 38) nach Ps. 119 u. ff., dem cingere baltheo, den Pharaonis milites, dem primitias domino Sabaoth, den bekannten Vergleichen wie dominicum ovile oder vinea domini u. a. Nur die wirklichen Citate und grösseren Stellen seien angeführt. Dass unsere Sammlung vollständig ist, wagen wir nicht zu behaupten; jedenfalls aber zeigt sie, dass Friedemanns und Böhmers Sammlung höchst unvollständig ist. Das Bild vas electionis(S. 328), welches auch Emecho in seinem Lobgesang von Elisabeth gebraucht, stammt aus Acta 9, 15, während vas fictile(S. 326) ein Wort des hl. Paulus ist 2 Cor. 4, 7. Der Ausdruck finis universae carnis venit ist aus Genes. 6, 13 entnommen. Die Stelle S. 329 letare sterilis bis venerunt tibi beruht auf Paul. Gal. 4, 27: scriptum est enim: letare sterilis, que non paris: erumpe et clama, que non parturis, quia multi filii desertae, magis quam eius, que habet virum (cit. aus Isai. 54, 1, vgl. Luc. 23, 29) und ist vermischt mit Isai. 60, 4 leva in circuitu oculos tuos, et vide: omnes isti congregati sunt, venerunt tibi: filii tui de longe venient, et filiae tuae de latere surgent; beides citierte der Verfasser aus dem Gedächtnis. Das ecce ego deus findet sich Isai. 8, 18. Aus Deuteron. 32, 10 sind die Ausdrücke locus horroris et vaste solitudinis entnommen, was der Uebersetzer gar nicht merkt; daher über- setzt er eyn Eruxsalgen staydt, eyn gewyltenysse. Das aptus ad praedam(bequeme zu rauben)= paratus ad praedam lesen wir Ps. 16, 12. lapis offensionis et petra scandali steht Isai. 8, 14. 1 Petri 2, 8, während

etra refugium herinaceis dem Psalm 103, 18 entnommen ist; ahnungslos übersetzt der Verf. des deutschen

extes: ein bergk vnd beheltenysse der egel vnde der leben, obwohl im lat. Original steht iuxta literam. Luc. 3, 14 lieferte die Wendung contenti stipendiis suis(S. 329), Abdias 4 si exaltatus fueris, u. s. w. Doch heisst es hier nicht super astra, sondern si inter sidera posueris nidum u. s. w. Auch 8. 330 ist fast aus lauter Citaten zusammengesetzt: Quis dabit etc. aus Paul. Rom. 4, 17 u. Ps. 54, 7. sicut 2an provocans ad volandum pullos suos aus Deut. 32, 11, das odor mortis in mortem, vite odor in vitam aus 2 Cor. 2, 16. ubi pilosi u. s. w. ist frei citiert nach Isai. 13, 21 und 22(s. S. 14), ebenso wie die Ausdrücke discurrebat u. s. w. nach Prov. 6, 3 von der Ameise: discurre, suscita amicum tuum. Ebenfalls in den Prov. 31, 10 findet sich mulierem fortem eius. In Mos. Gen. 2, 24 findet sich das duo in carne una. Das aures obturat ist schon bezeichnet. Der Satz quia vero per virum fidelem u. s. w. ist verändert aus sanctificatus est enim vir infidelis per mulierem fidelem, et sanctificata est mulier infidelis per virum fidelem 1 Cor. 7, 14, im Text steht für den zweiten Teil einfach et e converso- Philipp. 3, 14 enthält den Ausdruck ad bravium supernae vocationis Dei, Jacob. 1, 17 omne datum optimum et

¹) 8. Becker, Arnst. Nekrol. S. 185. Im Romersdorfer Nekrol. steht unter dem 27. Okt. F der Eintrag D. Ludovici comitis; aber derselbe ist wieder ausgestrichen; vermutlich ist mit diesem Grafen Ludwig der Stifter von Arnstein gemeint.

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