Aufsatz 
Nassauische Chronisten des Mittelalters / vom Gymnasiallehrer Dr. Widmann
Entstehung
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Ackerland oder Weide, unten pyrch; S. 139 G11 in dem dasz C 13 jn de dasz; C13 den nae den unverständl., C11 dar nae nach;(,13 hayt gekeret CIl umbgekert; S 141 C 13 darnach als, C11 darnach do, wie: vnd do er quam; G13 strengelichen vnd getruwelichen G11 strengklichen vnd getrulich; C13 gestiftet C 11 fundeyrt(lat. tundaverat), C13 vulde ergehen G11 wolde entgheen;(13 des nuwen maendes C11 maedach(lat. VII. kal. Novembr.), beides sinnlos s. u., C 13 begraffenysse C11 begraft wohl richtiger; C 13 dye baer koer, O11 barn korn; S. 142 C 11 fehltder stiftunck vordes cloysters; C 13 woel nemen G 11 nenen; G11 vnd zyt neyt, C13 vnder Zzyt(korr. vnder der zyt); im Epitaph C 1I statt graue graib, zayr st. zart, doe st. doet, heyr st. hyer.

Ausser diesen Wiesbadener Hdd. giebt es noch eine spätere(viell. aus d. 16. Jahrh.) in der Münchener Bibl., welche im vorigen Jahrh. in der kurfürstl. Bibl. zu Mannheim war ¹). Priedemann, Nass. Ann. IV, S. 424, hat sie verglichen und kommt zu dem Schluss, dass sie nach dem lat. Text selbständig übersetzt, dass aber dabei die niederdeutsche Fassung benutzt wurde. Wir stimmen dieser Ansicht bei und führen z. B. als Beweis an: Bei der Beschreibung der Lage von Arnstein übersetzt die Münch. Hd. noch die Stelle molendinisque et aliis usibus, während C 11 u. G 13 ein blosses etc. setzen.

Wir treten nunmehr an den schwierigsten Punkt der Untersuchung heran, an die Frage: Welcher Text ist der ursprüngliche, der gute lateinische oder der fehlerhafte deutsche?

Liest man zuerst den deutschen, so mutet derselbe anfänglich durch seinen warmen, volkstümlichen Ton überaus an. Die Erzühlung, kürzer als die lateinische, scheint den Stempel der Ursprünglichkeit zu tragen; es klingt so treuherzig:dar ynnen nycht wyrt geruret dan dye puer wayrheyt. Wir glauben einen schlichten Mönch zum Volke reden zu hören. Die lateinische Fassung dagegen ist man geneigt wegen der klassischen Stellen, mit denen sie gespickt ist, für eine Ueberarbeitung von kundigerer Feder zu halten. Dies Gefühl bewog auch Vogel, in derBeschreibung des Herzogtums Nassau S. 203 dem deutschen Text die Priorität zuzuerkennen, während er Nass. Ann. II, S. 123 noch schwankte. Andere erklärten die lateinische Erzählung für das Original, so Eberhard, Wenck, Friedemann, Böhmer, Schliephake, Gesch. von N., I, S. 157, Nebe, Nass. Ann., X, 152. Unter der stillen Voraussetzung, dass das Lateinische die Urschrift sei, sprach Eberhard die Vermutung aus, dass der Verfasser Luuand geheissen habe, und zwar auf Grund einer Notiz, welche sich in einer im vorigen Jahrhundert zu Arnstein noch vorhandenen Handschrift befand. Dieses Manuskript hielt Eberhard wegen mehrer chronikalischen Einträge für ein Jahrbuch., Der Anfang lautete:hoc anno MCLXXIII(nicht II, wie Priedem. a. a. O., S. 146 angiebt) scriptus est iste liber a quodam fratre nomine Luuando. Qui ergo legit, dicat: anima eius requiescat in pace. Die Hand, von welcher diese Notiz herrührt, schrieb die Bemerkungen bis 1215, dann folgte eine andere. Die erste Hand nun hatte nach Eberhards Angabe Aehnlichkeit mit derjenigen der Handschrift A unserer Vita. Der Grund ist schwach, da die Aehnlichkeit auf dem allen Buchschriften gemeinsamen Charakter beruhen kann; aus Aehnlichkeit der beiden Hände auf den Verfasser zu schliessen, ist gar kühn. Da nun aber die Hdschr. A erst aus dem 15. Jahrhundert stammt, die scheinbar ähnliche Hand imJahrbuch dem Ende des 12. und Beginn des 13. Jahrhunderts angehört, ist die ganze Annahme als unmöglich bewiesen. Vgl. auch Nebe, a. a. 0O. DiesesJahrbuch aber ist identisch mit demCalen- darium, welches Gercken im J. 1785 noch in Arnstein sah. S. Reisen, III, S. 434.Es ward mir weiter, so erzählt dieser,ein treflich altes Calendarium gezeigt, wo an dem breiten Rande ungemein viele historische Data geschrieben sind, und im 12. Jahrh. verfertiget ist. Eberhard hat leider nur einige Notizen mitgeteilt, Gercken begnügt sich mit der von uns angeführten. Von Wichtigkeit ist, dass letzterer Lunand las und Luuand einklammert. Wenck vervollkommnete dieses zu dem merkwürdigen Luwand. Der Germanist Roth in München machte Friedemann auf die erstere, allein mögliche Form Lunant auf- merksam, ohne von dieser Lesart Gerckens, ebensowenig wie Friedemann, Kenntnis zu haben.(Nass. Ann., IV, S. 415 Anm.). Den Namen Lunand fand ich noch imNicrologium eccl. B. Mariae et S. Joan. Evang. in Romersdorff, renovatum 1690(handschriftlich auf der Wiesbad. Bibl.) unter dem 7. Mai. Vielleicht ist aber Junant zu lesen; ein Klosterbruder dieses Namens findet sich im Arnst. Nekrolog. S. 110 z. 27. Mai.

Dr. Becker, der Herausgeber des Arnst. Nekrol., hält jenes Calend. für ein Nekrologium des 12. Jahrh.(S. 8), eine Ansicht, welche vieles für sich hat. Leider ist jede Spur dieses wertvollen Manuskripts verloren. Da aber sicher der Schreiber desselben nicht der Schreiber der Hd. A war, so ist auch der Schluss, dieser sei Verfasser der Vita und der noch weitere, der lateinische Text sei also deshalb der ursprüng- liche, hinfällig. Eine Entscheidung in dieser Frage ist nur möglich auf Grund gewissenhafter Vergleichung der lateinischen Fassung mit der deutschen. Diese ergiebt aber allerdings mit ziemlicher Evidenz, dass der

.¹) Vergl. Act. acad. Palat. III, 24 not. Z. Fischer, Garhlechtaregsster der Häuser Isenburg u. s. w. Mannheim 1775. S. 42 ff. Wenck, histor. Abhdlgn. 1. 1778. S. 25 Anm. Vogel a. a. O. S. 123.