Aufsatz 
Nassauische Chronisten des Mittelalters / vom Gymnasiallehrer Dr. Widmann
Entstehung
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hist. etc. II. 1731, S. 34 44. Friedemann schloss aus der Angabe des Herausgebersrestituimus ex autographo, dass derselbe A benutzt und die schwer verständliche, weil schwer zu interpungierende Stelle sequitur bis perfectus, ganz willkürlich ausgelassen habe. Da aber M, welche Friedemann nicht kannte, sowohl am Schluss, sowie sonst mit der Hugo'schen Ausgabe übereinstimmt, so ist damit bewiesen, dass Hugo nicht A, sondern M vor sich hatte, und dass nicht er, sondern wahrscheinlich Abt Heinrich gekürzt hat. Mitunter freilich hat Hugo korr., z. B. in der Bibelstelle Cant. Cantic. I, 3(Böhm. S. 332) hat. Hugo in odorem statt odore; Böhm. S. 331 hat M wie A in ecclesia beate Marie Magdeburg., Mugd liest Magdeburgi wie C, B in Magdeburg. Noch einige Lesarten ver- dienen bemerkt zu werden: A, B, C, M haben statt der v. Böhm. vollständig gegebenen Bibelstelle aus Isai. 13, 21. S. 330 nur ubi pilosi saltabant prius; B, C, M: et syrene, A syrenes. A und B Primma wie Böhm. S. 334, M und C Primmam; A, B, C, M ambularent; C, dolose; A, B, C, M habita circa deum reverentia non abusus statt cura circa deum(B. S. 335). A incircumscripti spPs, B spc, C spüs, M spiritus. Böhm. S. 338 sepins nach Kremer(?). Am Schluss KA voluerint, B, C und M volunt, M non enim reclamabunt ad limam que doctioris expectant, B und GC reclamabit B que expectat(Böhmer qui wie C); in A musste der ganze Schlussabsatz von accipe iam lector an wegen Raummangels zusammengedrängt werden, und es ist daher in diesem fast bei jedem Wort eine Abbreviatur angewandt; der betreffende Satz ist also in A folgendermassen geschrieben: éei reclamabt ad lims d doctio'is ingenii calamũ is expectat: so erklären sich die beiden Lesarten. A, B, C und M haben auch die Psalm 76, 11 entlehnte Stelle nec mutatio dextere excelsi vere, aber nicht vor provocans, wie Böhmer S. 330 irrig angiebt, sondern nach voluntate vere; durch das doppelte vere konnte leicht ein Schreiber die dazwischen stehenden Worte übersehen. Hinter der Ueberschrift folgt bei A und M das Wort Prologus und nach crassitudo die Ueberschrift Vita, in beiden rot, wie bei M die Anfänge der Abschnitte, das Epitaphium(auch in A) und die wichtige Stelle von der Freiheit des Klosters Böhm. S. 333: Nullus advocatus Archiepiscopus.

Die Untersuchung über die Hdd. kann nicht als geschlossen betrachtet werden. Es muss die Londoner Hd. verglichen werden, die vielleicht das Original ist.

Deutsche aus Arnstein stammende Hdd. der Vita sind im Staatsarchiv zu Wiesbaden drei. Die jüngste ist 1753 von einem Klosterbruder geschrieben, Archivnummer B 21, Titel: das Leben des seligen Ludovici Grafen, Stiffter und Layen zu Arnstein, 6 Bl. Es ist keine Abschrift der älteren deutschen Fassung, sondern eine freie, kürzere Bearbeitung des Lebens nach dem latein. Text und hat ganz den Charakter der Legende. Hier ist d. Geburtsjahr Ludwigs auf 1109, d. Tod 25. Okt. 1185 angegeben. Derselbe Bruder verfasste auch eine Lebensbeschreibung der Gräfin Guda: B 22. Als Probe seiner Uebersetzungsweise wollen wir hier seine Verdeutschung des Epitaphs mitteilen:

Nicht der Tod, sondern das Leben Diese Blum gemehet hat; Ob die Thumb schon Schmertz thut geben, Doch ein jeder Hoffnung hat Dass mit Seraphinenflügell Wie ein schön Frühlingsross Sitze auf des Himmels Hügell Ludwig ahn Verdiensten gros Tausend hundert fünf und achtzig Nach der Welterlösungs Zeit Glücklich Ludwig aufwerts macht sich Und erwehlt die Seeligkeit.

Die zwei älteren deutschen Hdd. sind bezeichnet mit C 11 u. C 13. Vogels Abdruck in den Nass. Ann. Bd. II beruht auf C13(16 Bl. kl. 8° mit Pergamentumschlag). Vogel liess sich durch die grosse Buchschrift täuschen und setzte sie fälschlich ins 14. Jahrh. Die andere Handschrift, C 11, kannte er nicht. Sie enthält 20 Bl., auf den ersten 15 steht die Lebensbeschreibung, von 15 v. an folgt eine gereimte Legende des hl. Alexius,

Anfang: Van sent Allexius myrch woel Ich wyl vch eyn gedechtennyss geben Von des hellygen Allexius leben Schluss: Als myr von hynnen mussen schyden.

Die Schrift ist klein, aber leserlich. Beide Hdd. stammen aus der gleichen Zeit, aus dem letzten Drittel des 15. Jahrh. Die Fassung ist bei beiden dieselbe; die sachlichen Fehler sind gemeinsam. Abweichungen zeigen sich nur in einzelnen Wörtern und Formen und zwar hinsichtlich der Sprache in der Weise, dass C 13 mehr niederdeutsche Formen hat; C 11 enthält Eigenheiten der Schreibung und Korrekturen. Beide sind inkonsequent und müssen dieselbe Vorlage gehabt haben; diese hatte einen niederdeutschen Charakter. Die Schrift derselben muss undeutlich gewesen sein: nur so lassen sich einzelne Abweichungen beider Hdd. verstehen. Von den sprachlichen resp. orthographischen Unterschieden einige Beispiele: