Aufsatz 
Nassauische Chronisten des Mittelalters / vom Gymnasiallehrer Dr. Widmann
Entstehung
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entriss der Tod den Mann seinem Wirkungskreis, als er eben wie wir oben angeführt haben sein Büchlein contra Jud. fast vollendet hatte. In herbe Klagen bricht sein Lobredner aus:

Quasi subito elapsa est a nobis margarita nostra, decidit vultus eius quasi lilium, quod, cum florem suum emiserit, cito marcescit et dolorem omnibus nobis intolerabilem de suo excessu reliquit. u. s. W. Er zweifelt nicht, dass er als Seliger in den Himmel eingegangen ist und bittet um seine Fürsprache bei dem Herrn des Himmels.Non erit equalis tibi non(darüber später korr. nunc), Sconaugia, ruft der Biogr. zum Schluss aus talis flos erat egregius, requiescat spiritus eius¹)

Als Todesjahr giebt Trith. Mon. Hirs. Chron. S. 149 das Jahr 1185 an, welches jedoch mit der Angabe des Biogr., dass Eckbert noch am Palmsonntag gelebt habe, nicht stimmt; denn 1185 fiel Ostern erst auf den 21. April, Palmsonntag auf den 14. April. Ebensowenig richtig kann Bucellins Angabe 1189 sein.(Germania topo-chrono-stemmatograph. II. 180, sub. tit. S. Florini); auch in den Jahren 1180, 1181, 1183, 1186, 1188 fällt Ostern zu spät. 1182 war am 28. März, 1187 am 29. März Ostern. Wäre aber Eckbert an Ostern selbst oder am Karsamstag gestorben, so würde dies der Biogr. wohl bemerkt haben. Am besten passen die einzelnen Umstände auf 1184, da der Palmsonntag auf den 25. März ffel. Eckbert wäre somit am Mittwoch nach Palmarum 1184 gestorben. Da er nach Trith. 18 Jahre lang dem Kloster vorgestanden hat, war er somit 1166 Abt geworden; er könnte, wenn man annimmt, dass er 1152 etwa 25 Jahre alt war, ungefähr 1127, also 2 Jahre vor seiner Schwester geboren sein und wäre im 57. Lebensjahr(satis matura) gestorben.

Es erübrigt noch, mit einem Wort der von Elisabeth und Eckbert vornehmlich veranlassten Ver- breitung der Legende von den 11,000 Jungfrauen ²) zu gedenken. Beide halten wie die hl. Hildegardis an dieser Zahl fest und zweifeln weder an der Authenticität der Gebeine noch der Inschriften. Den Geschwistern absichtliche Täuschung vorzuwerfen, kann nur dem einfallen, der von ihrem reinen Charakter keine Ahnung hat. Wir halten mit Stein) bei aller Verehrung für Elisabeth ihre Mitteilungen über diese Märtyrerinnen fürfromme Phantasiebilder, die ohne jeden geschichtlichen Wert sind.

Abt Emecho von Schönau 1184.

Henriquez erwähnt im Menologium 0. Cisterc. Antwerpen 1630, S. 200, zum 18. Juni einen Abt

Linicho von Schönau, der ein Buch zum Lob der sel. Elisabeth verfasst habe, während dies Molanus und Baronius einem Abt Einicho zuschreiben. Dieser Linicho oder Einicho ist nun kein anderer als der dritte Abt von Schönau, Eckberts Nachfolger, Rmecho oder Emicho. Tritheim spricht von ihm im catal. ill. vir. S. 142 fast mit denselben lobenden Ausdrücken, wie von Eckbert und nennt ihn Eckeberti quondam auditor et discipulus; derselbe habe viele hochberühmte kleinere Werke in Prosa und Poesie verfasst; das Werkchen vom Lobe der Jungfrau Elis.(de laudibus divae virg. Helis. Schon.), sowie viele Predigten und einige kleinere, aber nicht unwerte Schriftchen habe er gelesen; anderes, was derselbe geschrieben habe, sei nicht in seine Hand gekommen. Ein Hymnus Emechos auf Elis., beginnend

Salve, felix Elisabeth, odorifera

In Dei mirabilibus virgo satis famosa und schliessend Equalisque Spiritui sit gloria beato. Amen. ist bereits in der cit. Ausgabe der Revelationen von 1628 und in den AA. SS. Bolland. 18. Juni, III. S. 605 f. abgedruckt. Die Brigittenmönche in Köln erhielten das Gdedicht aus Schönau(s. d. Ausg. elogia qudedam No. VII), und es befindet sich auch heute noch in der Papierhandschrift der Visionen(15. Jahrh.) zu Wiesbaden. Wenn Nebe a. a. 0. S. 235 bezweifelte, dass sichirgendwo noch handschriftlich dies und das vorfände, so konnte er das nur sagen, weil er den Wiesb. Codex nicht kannte. Dieser enthält nämlich ausser den schon genannten Schriften noch

laudes S. Elisabethae von Emecho, wenn auch nicht gerade Gedichte: 1) einen Lobgesang in Prosa, überaus erhaben, auf 5 Blättern.

Ueberschrift: Hoc tibi carmen protulit Emecho mente fideli, Elisabeth felix, ad laudem cuncti potentis. Anfang: Te gloriosus apostolorum chorus, te prophetarum laudabilis numerus, te martirum candidatus laudat exercitus, tibi omnes electi voce confitentur unanimi, beata trinitas unus deus u. s. w. Der Sänger preist den

¹) Vielleicht stand statt erat urahr. erit, und es ist anders zu interpungieren. ²) S. Linde a. a. O. S. 84.

rr So.pieileg. S. 237. ³) Die hl. Ursula und'ihre Gesellsch. in Ann. d. histor. Ver. f. d. Niederrh. 26. u. 27.