Aufsatz 
Nassauische Chronisten des Mittelalters / vom Gymnasiallehrer Dr. Widmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

14. Calendas Julii: Beata Elisabeth Schonauiensis obiit an. M,PXXV. Zwischen M und dem zweiten Zeichen(etwa gleich der Abbrev. von per.) ist ein C eingeflickt von einer späteren Hand, welche über die lateinische Jahreszahl mit arabischen Ziffern schrieb 1175. Unter diese Notiz hat eine andere Hand bemerkt: Diss ist das uhralte Epitaphium zu Schonau vber dem stein so an der wand in der Höhe eingemauert. Der Abschreiber hat die hoch angebrachte Inschrift schwerlich genau gelesen. Die von den Bollandisten mitgeteilte Grabschrift ist sonst nirgends bezeugt(Nebe, S. 245).

Als der um das Kloster hochverdiente erste Abt Hildelin starb, wurde Eckbert einstimmig als der Würdigste zu dessen Nachfolger erwählt. Er nahm die Wahl an, obwohl sie mehr Last, als Vorteil ver- sprach. Früher hatte er eine ihm vom Erzbischof von Köln, wohl Reinald von Dassel, und dem Bischof von Utrecht, Gottfried von Rhenen 1156 78, angebotene Würde an dem Utrechter Domstift ausgeschlagen, und auch die Wahl zum Beichtvater für die Geistlichen dieser Kirche abgelehnt.(vita Eckb.) Hatte er doch seiner sterbenden Schwester das Versprechen gegeben, das Kloster nicht mehr zu verlassen. Wann Eckb. Abt wurde, ist nicht sicher. Hildelins Tod setzt Trith. ins J. 1167; als Sterbetag ist der 5. Dez. bezeugt durch das Arnsteiner Totenbuch, dessen Herausgeber Dr. Becker, Ann. d. Ver. f. Nass. A. u. G. XVI. S. 202, die Richtigkeit von Tritheims Angabe bezweifelt, da Eckb. schon 1163 als Abt fungirt habe. Er stützt sich hiebei auf die Nachricht von dessen Berufung nach Koblenz, welche Brower 1163, Trith. dagegen 1167 ansetzt. Das Jahr der Berufung ist unsicher; auf den in der Nachricht gebrauchten Titel Abt ist kein Gewicht zu legen, da derselbe hier ebenso gut gleichsam proleptisch gebraucht sein kann, wie von Trith. bei der Berufung Eckberts nach Köln 1163. Das Examen in Mainz nahm er als Abt vor. Sicher ist, dass Abt Hildelin beim Tode Elisabeths noch lebte(ep. de ob.). Eckbert selbst nennt sich in der ep. de ob. nur frater, während er sich z. B. im Prolog zu den Visionen schon als Abt bezeichnet: primum quidem monachus, deinde autem gratia dei ad abbatiam vocatus, conscripsi omnia hec. Somit kann Hildelin frühestens 1165 gestorben sein. Die Schrift adv. heres., welche, wie erwähnt, auf Hildelins Rat und zu seinen Lebzeiten von demprofessus monachus Eckbert verfasst ist, fällt, wie Nebe darlegt, nach 1163. Der Erzbischof Rainald, welchem sie gewidmet ist, starb am 14.(od. 13.) August 1167. Da er nur von Juli 1164 bis Anfang Oktober 1166 in Deutschland weilte, scheint die Schrift während dieser Zeit herausgegeben zu sein. Am ehesten möchte man 1165 für das Jahr der Abfassung halten. Der Biogr. Eckberts berichtet, Elisabeth habe am Himmelfahrtstage(13. Mai 1165) Abt Hildelins baldigen Tod vorhergesagt undnon post longum tempus sei derselbe eingetreten. Somit könnte 1165 auch das Todesjahr Hildelins sein, bei dem dehnbaren Begriff des Ausdrucksn. p. l. t. auch 1166, ja 1167. Sicheres lässt sich zunächst nicht ausmachen. Die beiden, wohl an Rainalds Nachfolger Philipp von Heinsberg(1167 91) gerichteten Briefe(Placius a. a. O. S. 588) schrieb Eckbert vermuthlich als Abt, schwerlich aber vor 1168, denn Philipp kam erst am 15. August 1168 nach Köln und wurde erst am 29. September geweiht.

Die Wahl des hochangesehenen Eckbert war für Schönau sicherlich von grossem Vorteil. Er stand offenbar in gleich guten Beziehungen zu den benachbarten weltlichen Fürsten und Herren, wie zu den geist- lichen Kurfürsten. Gräfin Beatrix von Laurenburg war bei dem Tode Elisabeths gegenwärtig, scheint dem- nach hohe Verehrung für sie gehegt zu haben. Ein Graf Rupert, nach dessen Seele die Seherin in vis. II, c. 21 fragt, und dessen Gattin sie raten darf für ihn zu beten, ist wohl kein anderer, als der Gemahl Beatricens ¹). Sie, wie ihre Söhne Rupert und Arnold, waren demnach auch wohl mit Eckbert befreundet. Gar manche Schenkung mag ausser den uns bezeugten von 1167 ²) und von 1170 ³), in welch letzterer auch Abt Eckbert und Graf Rupert als Klostervogt siegeln, durch seine Vermittlung dem Kloster zu teil geworden sein.

Eckbert starb am 28. März nach dem Arnst. Nekrol.(s. Becker S. 85). Schon zwei Jahre vor seinem Ende waren nach der Erzählung des Biogr. Zeichen geschehen, aus denen dasselbe hätte geahnt werden können. Noch kurz vor seinem Tode, am Palmsonntag seines Sterbejahres, ereignete es sich, dass, als Eckbert sich vor dem Kruzifix niederwerfen wollte, dieses ohne jede äussere Veranlassung vor seinen Augen herabfiel zu seinem und seiner Klosterbrüder nicht geringem Schrecken:unde nimis ipse et nos exterriti sumus admirantes, quid ista portenderent. Trotz anderer übeln Vorbedeutungen ahnten die Brüder nichts Schlimmes, da Eckbert noch kräftig war(adhuc in etate satis matura beatam vitam ducebat). Aber unerwartet :;;;OL=ẽõ;ꝛäe˖‿ qßꝛ‿-e¾O

)) S. über ihn Schliephake, Gesch. v. Nass. I, S. 182. 254 ff. ³) Hdschr. im Besitz des Ver. f. Nass. A. s. Annal. XV, 148. ³) Rettung derer Freyheiten und Rechte des Benedictiner-Klosters Schönau. 1753 fol.

Beil. S. 6. Wenck. hist. Abhandign. 1778. S. 181. Kremer, orig. II, 200. Görz, Mittelrh. Reg. II, 84. Schliephake. I. S. 278 f.