Aufsatz 
Nassauische Chronisten des Mittelalters / vom Gymnasiallehrer Dr. Widmann
Entstehung
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Derselbe war Bischof von 1127 an und starb am 9. Jan. 1132 zu Köln ¹). Vielleicht war er der Pate unseres Eckbert; 2) des Bruders ihrer Mutter, Theodorich genannt. II. 19. 3) des Bruders ihres Vaters, Helid(ebenda und 20), dessen Charakter uns die Seherin in einer ergreifenden Vision schildert: er sei zwar gottesfürchtig gewesen, aber er habe oft unnötige Scherzreden im Munde geführt; dafür leidet er jetzt im Reinigungsort; böte ihm jemand einen Trank, er würde erlöst, es sind heisse Thränen.

Von Kindheit an so erzählt unser Biograpn habe sich Eckb. durch seinen Verstand aus- gezeichnet und seine Altersgenossen an Kenntnissen übertroffen, gleichwohl habe ihn nie Eitelkeit und Ehrgeiz vom rechten Pfad abgelenkt; in der Welt habe er seine Unschuld unbefleckt bewahrt und sei andern das Muster von Beständigkeit des Charakters gewesen,lascivientatem(1), quam alii amabant, declinans, So dass nicht nur die ihm Nahestehenden ihn innig liebten und ehrten, sondern dass der Ruhm seiner Tugenden selbst Leute aus der Ferne herbeilockte, ihn zu sehen. Als seine Schwester die ersten Visionen hatte, 11⁵52, bekleidete er ein Kanonikat am Stifte St. Cassius und Florentius zu Bonn unter dem Probst Gerhard II, Graf von Ahr(urkdl. 1126 67 vorkommend). Aber er war, wie wir erst von dem Biogr. erfahren, zum grossen Leidwesen seiner Schwester nicht Priester, sondern nur Diakon. Als solcher kam er auf deren Bitte öfters nach dem Kloster Schönau. Ihm, welchen ElisabethPre ceteris suis familiaribus singulari dilectione sibi artius astrinxerat, erzählte und diktierte sie ihre Gesichte und Offenbarungen, welche sie teils in latein., teils in deutscher Sprache, teils auch halb lat., halb deutsch mitteilte. Erst nach dem Tode der Schwester stellte Eckbert, wie er selbst im Prolog bezeugt, die Revelationen zusammen, und zwar schrieb er alles auf lateinisch, nach Tritheims Ausdruckin zierlicherem Stile;nichil mea presumptione adjungens, sagt er selbst im Prolog,nichil favoris humani, nichil terreni commodi querens. Fügen wir das Urteil des Biogr. hinzu:ea que fidelium utilitati congruere videbat, conscripsit; ea vero que legentibus non prodesse sciebat, omnino reticuit. So oft aber Plisabeth ihren Bruder sah, ermahnte sie ihn, sich die Priesterweihe erteilen zu lassen. Aber stets schützte er verschiedene Gründe der Furcht vor, welche ihn abhielten, den schweren Stand des Priestertums zu wählen. In einer Vision wurde Plis. aufgefordert, den Zaghaften mit den Worten zu ermutigen:noli timere, fac quod facturus es ²), et redde rationem de servitio meo quod mihi facere debueras et non fecisti.(v. I. I, c. 59.) Hier hat Eckbert verschwiegen, dass er selbst derquidam familiaris ist, um welchen es sich handelt; keinenfalls aber hat er sonst ein Hehl daraus gemacht, dass diese Vision für ihn entscheidend war. Nebe und die anderen Biogr., welche unsere Vita nicht kannten, konnten dieselbe natürlich nicht auf Eckbert deuten, da er nach ihrer Annahme schon Priester war. Eckberts Bedenken waren beseitigt. Da er nach dem Bericht seines Schülers mit mehreren Genossen eine Wallfahrt nach Rom geplant hatte, wollte er auch dort die Priesterweihe empfangen. Er trug Papst Hadrian sein Anliegen, seine Bedenken vor und liess sich auf dessen Rat zum Priester weihen. Diese Reise fällt in das Jahr des ersten Römerzuges und der Kaiserkrönung Friedrichs Barbarossa. Nach Ostern 1155 (27. März) kehrte der Neopresbyter aus Rom zurück, war also nicht bei der Krönung des Kaisers gegen- wärtig(18. Juni). Zur unsäglichen Preude seiner frommen Schwester feierte er am Feste Christi Himmel- fahrt(5. Mai) im Kloster Schönau das hl. Messopfer, während dessen Elis. in Ekstase geriet. Schon in der Abwesenheit ihres Bruders hatte sie eine Vision gehabt, welche ihr einen deutlichen Wink gab, dass sie denselben zum Eintritt in das Kloster ermahnen sollte. Am Pfingstfeste(15. Mai) erschien ihr abermals der Engel des Herrn und befahl ihr, Eckbert zu raten, dass er der Welt entsage. Weil sie glaubte, der fein erzogene Mann werde sich schwer in den harten Stand der Mönche finden(quia sciebat eum ab infancia delicate educatum), scheute sie sich eine Zeit lang, ihm hiervon Mitteilung zu machen. Vom Boten Gottes streng zur Rede gestellt, teilt sie demselben ihre Befürchtung mit, erhält aber die Versicherung, dass Gott ihm beistehen werde. In der That bedurfte es bei Eckbert keiner langen Ueberredung. Ohne Zögern entschloss er sich zum Eintritt ins Kloster, nach seiner eigenen Aeusserung,dei mirificentia attractus, obwohl ihn, wäre er in seiner bisherigen Stellung verblieben, grosse Ehren erwartet hätten. Wie schon erwähnt wurde, begab er sich nochmals nach Bonn, um seine Angelegenheiten zu ordnen. Die Abmahnungen, die Vorstellungen seiner Verwandten, denen er mit der innigsten Liebe zugethan war, vermochten nicht, ihn. von seinem Vorhaben abzubringen. Er blieb fest bei seinem Entschlusse und beeilte möglichst den Eintritt in das Kloster Schönau. Als Mönch erbaute er bald alle durch seinen Eifer. Der Ruf von seiner Weisheit

¹) S8. Godefr. Colon. bei Böhmer font. III. S. 420. Erhard Regesta hist. Westf. II. S. 81 ff. u. Zeitschr. f. Gesch. u. Alterthumskde Westf. III. 1840. S. 227 ff. Mooyer, Auszüge aus dem Totenbuch des Hildesheim. Hochstifts. Hannover. 1840. S. 7. Sonderabdr. aus d. Vaterld. Archiv. ¹) Nebe übersetzt ganz falsch:mach', was Du willst, während es doch offenbar heisst:thu, was Du im Begriff bist zu thun!