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chron. Hirs. S. 148 f. und de script. eccl. sowie de vir. ill. bietet. Aber auch dies geht grösstenteils auf die erste Quelle zurück. Freilich konnte er noch mehr wissen, als wir; er hatte Hülfsmittel in seinem Kloster, konnte auch von Schönau Erkundigungen einziehen, hat sich aber offenbar nicht sonderliche Mühe darum gegeben, da er sonst weit mehr Positives berichten müsste. Das Lob, welches er Eckbert zollt, ist dasselbe, welches die anderen berühmten Männer empfangen, und darum ziemlich wertlos. Prof. Nebe, welcher nur gedruckte Quellen benutzte, stellt allein das von diesen Gebotene zusammen. Hätte er die Hdd. zu Grunde gelegt, so wäre seinem Auge wohl schwerlich eine wichtige, zeitgenössische Quelle entgangen, eine vita Eckberti, welche von einem Mönch des Klosters Schönau bald nach des gefeierten Mannes Ableben verfertigt sein muss. Bei v. d. Linde a. a. O., S. 104, steht bei der Inhaltsangabe der Papierhandschr. (15. Jahrh.) noch angeführt:„opusculum istud de disputatione contra iudeos.“ Jedermann musste danach vermuten, die Hd. enthielte noch eine seither unbekannte Schrift wider die Juden. Aber dies Werkchen ist gar nicht im cod. vorhanden, sondern das scheinbare opusc. contra J. ist eben nichts anderes als eine vita Eckberti. Der Verfasser des Handschr.-Katalogs liess sich offenbar verleiten, die rot geschrie- benen Anfangsworte für eine Ueberschrift zu halten, was sie nicht sind. Sie lauten nämlich mit Auflösung der Abbreviaturen:
„Opusculum istud de disputatione contra iudeos de matre et filio etc. non perfecit auctor ipsius operis quia, heu, morte preventus est et non reliquit sui similem in hac vita qui conclusionem aptam huic operi posset invenire. Huius excessum multi et precipue illi, dui digni fuerunt eius magisterio erudiri et eius beate presencie feliciter interesse deflent.“
Dann folgt die Lebensbeschreibung Eckberts. Ueber den genaueren Titel des Schriftchens wider die Juden informiert uns der Biograph gegen den Schluss seiner Schrift durch die Worte:„cum enim libellum quendam contra iudeos de domino Jesu et eius pia matre edidisset et iam in finem conclusionem aptare deberet“ etc. Dass ein jüngerer Zeitgenosse die Vita verfasst hat, darüber kann kein Zweifel walten, denn er giebt sich, wie in den angeführten Zeilen, so öfters selbst als solchen und zwar als Schüler Eckberts kund. Offenbar hatte er seinen Nachruf an das von seinem teueren Lehrer geschriebene Büchlein c. Jud. angeknüpft; so erklärt sich der sonst unverständliche Ausdruck„opusculum istud“. Diese Arbeit aber stand in einer anderen als der uns erhaltenen Hd. des 13. Jahrh. Der Schreiber des Papier- codex liess das opusc. weg und fügte nur die Vita den Revelationen zu. Hiefür spricht der Umstand, dass an die Vita sich die sogenannten„Lobgedichte auf Elisabeth“ anschliessen, deren Verfasser REmecho man für den Autor der Vita halten möchte.(s. später.) 3
Was nun den Inhalt der Lebensbeschreibung angeht, so ist dieselbe zwar reich an Lob, aber karg an historischen Mitteilungen, wie sie der Wissbegierige wünscht. Sie hat mehr den Charakter einer Lobrede, ja einer Legende, als einer Biographie. Aber die wenigen Angaben, welche sie bietet, tragen den Stempel der Wahrheit, und so müssen wir dafür dankbar sein, zumal sie über manche Stellen der Revelationen trefflichen Aufschluss geben.
Ueber die Herkunft Eckberts, Ort und Zeit der Geburt, über seine Familie lässt uns der Biograph im unklaren. Nebes Vermutung, dass die Geschwister vom Mittelrhein stammen, hat viel für sich; doch berechtigen die freundschaftlichen Beziehungen, in welchen Eckbert zu dem Erabischof Arnold von Köln aus dem Geschlecht der Grafen von Wied stand, nicht zu dem Schluss, die Grafschaft Wied für seine Heimat zu halten. Vielmehr sind wir geneigt, Bonn für seine Vaterstadt anzunehmen, denn nach der Vita nimmt er vor seinem Eintritt in das Kloster nur dort von seinen Verwandten Abschied. Auch über seine Familienverhältnisse sind wir nicht unterrichtet. Nach den Aeusserungen seiner Schwester entstammen dio Geschwister einer nicht begüterten Familie. Leider bezeichnen beide ihre Verwandten nur mit den Vor- namen. Durch Eckberts Büchlein de obitu domine Plisabeth lernen wir drei ihm nah verwandte Nonnen des Klosters St. Thomas bei Andernach kennen: Gude(nicht Bude, wie Nebe a. a. O. 231 nach der Kölner Ausgabe von 1628¹) angiebt), Hadewig und Regelind(nicht Redelind), und ohne Namensangabe einen geistlichen Bruder(frater noster clericus religiose conversationis) und eine Schwester, welche beide aus der Ferne herbeigerufen waren. Anderer verstorbener Verwandten gedenkt— was Nebe entgangen ist— Elisabeth selbst in ihren Visionen: 1) des Bischofs Eckebert(Eggebertus geschr.) von Münster, des früheren Domdechants von Köln, als ihres mütterlichen Grossoheims(patruus matris tue. vis. I. II, 19. u. III, 11)
¹) Revelationes ss. Virginum Hildegardis et Elizabethae schoenaugiensis Ord. S. Ben. in martyrologium Romanum relatarum ex antiquis monumentis editae. Col. Agr. Bern. Gualtherus MDCXXIIX. fol.


