Aufsatz 
Nassauische Chronisten des Mittelalters / vom Gymnasiallehrer Dr. Widmann
Entstehung
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Verwandte das Leben jener begnadeten Jungfrauen schilderten, eines Eckbert und Emecho von Schönau, eines Gebeno von Eberbach. Verdanken wir doch gerade dem ersteren die Kenntnis der merkwürdigen Visionen seiner Schwester, der heiligen Elisabeth.

Die Literatur über letztere s. von der Linde, die Handschr. d. Kgl. Landesbibl. zu Wiesb. S. 97 ff. Die ausführlichste Arbeit über ihr Leben und ihre Visionen, sowie über Eckbert publizierte Prof. Nebe in den Annal. d. Ver. f. Nass. A. u. G. VIII. S. 187 ff., der leider nicht die Handschriften zu Grunde legte. Vgl. ferner den Artikel von Kraus in d. Allg. d. Biogr. u. Potthast bibl. hist. medii aevi. Berlin, 1862, s. v. Elis. v. Sch.

Die wichtigsten Handschriften der Visionen sind zwei Wiesbadener Codices aus dem 13. und 15. Jahrh., welche v. d. Linde a. a. O. kurz beschreibt ¹); das vierte Buch der Vis. ist noch in einer Hd. des 13. Jahrh. der Münchener Bibl. erhalten: No. 324. Die beiden ersteren benutzen wir. Ein besseres Geschick hat über ihnen gewaltet, als über so vielen ihrer Genossen. Beide kamen 1803 nach der Säkularisation der Abtei Schönau mit anderen Hdd. nach Wiesb. Ehedem hatten sie dem Nonnenkloster in Schönau gehört. Als dieses aber 1607 von der Nassauischen Regierung aufgehoben wurde, wurden sie der Bibliothek des Mannsklosters überwiesen. Im Pergamentcodex(13. Jahrh.) steht auf der Innenseite des Vorderdeckels: iste liber pertinet monialibus(auf radierter Stelle) ad monast. Schonaugie, und auf dem ersten weissen Blatt des Papiercod.: 1549. Iste l. pertinet sororibus in Schonauw 0O. S. Ben. Treverensis diocesis in monasterio beatissime virginis Marie et SE. Eine spätere Hand fügte hinzu: nunc transeo ad monast. S. Florini in Schönauw sub Ac 1609 und auf der Rückseite: Liber S. Florini vulgo Schönauw. Anno 1651, 9. Octobris. Beide Handschriften wurden von den Mönchen als die grössten Schätze des Klosters gehütet. Schon am Anfang des 17. Jahrhunderts suchte sie der unter dem Abt von Schönau stehende evangelische Pfarrer von Weltrode, M. Johann Plebanus(Völker) ²) für die nassauische Regierung zu erwerben. Derselbe erzählt in seinem Bericht über das Kloster Schönau, welchen er 1634 für die nassauische Regierung verfasste und dessen Concept uns vorliegt(Mscr. B. 35. in 40 des Staatsarchivs), folgendes:

Dieses Buch(näml. die Vis.) ist zweimall in ipso originali(nicht richtig) in dem Kloster gewesen, einmall in Papier, dick in einem kleinen folio(es ist die Hd. 15. Jahrh.), dass andermall in Pergament; vnd diess ist dass vornembst. Auch die beste Antiquitet, so die Mönch in dem Kloster haben. Es sind Föso güldene Buchstaben darinnen, vnd liegt uff einem jeden ein rott leibferbiegt(= rot, leib- oder fleischfarben) daffet Pläcklein, wohl ein seidenes Läppchen zur Schonung, wovon jetzt keine Spur mehr vorhanden ist.

Anno superiore 1632 den 14. Januarii, da die Mönch aus dem Kloster entlauffen müsen, weill sie von den Schwedischen Reuttern höchlich bodranpt worden, vnd alles auffgeschlagen, verderbt vnd verwüstet wurd, hatt Nassauw-Sarbrückiescher Ambtman zu Nassauw Johan G.(Gottfried) Emmerich mich gebetten, dass ich mit Ihm in dass Kloster reitten, vnd weill mir die Bücher vnd Sachen bekant, daran sowoll der Obriegkeitt als den Mönchen gelegen wär, Ich besehen woll, ob noch ettwas zu bekommen vnd a totali interitu zu vindicieren wär, da hab uff der Abtei, da alle Bücher zerstreuwet auff der Erden lagen, Ich endlich dieses Buch, dass sonsten niemand geachtet hatt, oder vielleicht wegen der güldenen Buchstaben zerschnitten wär worden, cum gaudio uff- gehoben vnd Herrn Ambtman sartum tectum zugestellet, der es auch so woll alss Ich dem Abbati angezeigt.

Später wurden sie wohl dem Kloster zurückgegeben. Dem Brande von 1723 entgingen sie glücklich. Aber aus dem Pergamentcodex sind, wie aus einem Eintrag von 1701, 27. Juni hervorgeht, von einem homo Idiota mehrere Blätter herausgerissen und erneuert worden; ein neues Blatt stammt aus einem ver- lorenen Pergamentcodex des 13. Jahrh. in 80.

Die seither bekannten Nachrichten über Ecekbert) sind dürftig. Sie beruhen teils auf den von ihm selbst oder seiner Schwester beiläufig gemachten Bemerkungen, teils auf dem, was Trithemius in seinem

¹) Ausser den dort verzeichneten Hdd. enthält noch ein cod. des XIII. Jahrh, im Brit. Mus. 15723 die Bücher 1323 der Vis. s. Neues Archiv. 4. S. 354. ²) Joh. Plebanus, geb. zu Burgschwalbach 1581 14. 4, Sohn des dortigen Pfarrers Servatius Pl., 1602 Lehrer in Wehen und Pfarrer in Neubof, seit 1607 Pfarrer in Weltrod, seit 1618 in Miehlen. S. Vogel Taschenb. 1832. S. 197. Er hatte ein unstätes Leben und machte viel Not und Elend durch. Ueber die Jahre 1636 und 1637 führte er ein Tagebuch, welches schwer zu lesen ist, aber wegen seines interessanten Inhaltes einen Abdruck verdient. Keller, Drangs. d. n. Volkes hat einiges daraus mit- eteilt. In dem Tagebuche finden sich mehrere lat. Gedichte von ihm. Er war ein heftiger Ge ner der Katho- iken. Sein Bericht, bezw. seine zwei Berichte(denn es ist noch ein zweiter von 1613 abschrift ich vorhanden) zeigen ihn besonders thätig, um die Abtei für die Reformation zu gewinnen. 1613 führte er mit Hülfe der nass. Regierung den evang. Gottesdienst in Schönau ein und hielt die Kirche 9 Wochen in Besitz. Seine Mitteilungen uber das Kloster sind bei dem Mangel sonstiger Quellen von hohem Wert. ³²) In den Hdd. heisst er fast immer Eckebertus, selten Eggebertus. 8