Nassauische Chronisten des Mittelalters.
„Die nassauische Geschichte hat vor dem 16. Jahrhundert nur wenig besondere Schriftsteller gefunden, die für sie gearbeitet haben“, so urteilte Vogel 1826 in der Vorrede zu seiner Ausgabe der Limburger Chronik. Diese galt mit der Lebensbeschreibung des Grafen Ludwig von Arnstein und der Erzählung über die Stiftung von Clarenthal ehedem„als alles, was sich aufweisen lässt“. Die historiographische Thätigkeit in dem Umfang des ehemaligen Herzogtums Nassau wurde fast allgemein für gering angesehen, und so lag auch die Forschung über dieses Gebiet lange brach. Wenige hatten den Spaten angesetzt; der Boden schien hart, unfruchtbar. Er schien es anfänglich auch mir; aber beim Bebauen zeigte er sich bald ertrag- fähig, ja er bot weit mehr, als ich erwartet hatte. Das kleine Material, mit welchem ich begonnen, wuchs ausserordentlich. Es ward mir die Freude zu teil, manches Neue zu finden; aber dankbar benutzte ich auch das schon Vorhandene.
Auf folgende Schriftsteller, speciell- Chronisten bezw. Chroniken vom 12. Jahrh. bis zum Aus- gang des Mittelalters erstreckte sich meine Arbeit:
1) Priester Düdechin von Niederlahnstein 1147, 2) Abt Eckbert von Schönau c. 1160, 3) Abt Emecho von Schönau c. 1190, 4) einige not. Eberbacenses s. M. G. 88. XVII. 13, 14, zum Teil schon früher bekannt, 5) Prior Gebeno von Eberbach c. 1220, 6) Abt Konrad von Eberbach † 1221, Verfasser des exordium magnum 0. Cist., 7) vita Lodewici comitis de Arnstein c. 1220, 8) ein Anonymus von Eltville c. 1310, 9) Bruder Werner von Saulheim 1314 und chronikalische Notizen aus Kloster Clarenthal, 10) Hugbert von Bleidenstatt c. 1320 und die Aebte Thomas 1346 und Sifrid Koete 1390 von Bleiden- statt, 11) Schönauer Reimsage und andere Quellen aus Schönau, 12) Eberbacher Chronik de episcopis Moguntinis aus 1419, mit der Fortsetzung bis 1484(resp. 1504), 13) Leidenschronik des Klosters Arns- burg(1404— 78) von Abt Martin Riffling zu Eberbach(1498— 1506), 14) Peter Schlarpf oder Sorbillo zu Johannisberg c. 1500, 15) chronikalische Notizen aus dem Einrich 1500, 1512, 1513.
Auf die Behandlung der Limburger Chronik des Tilman Elhem glaubte ich von vornherein verzichten zu sollen, weil ich mit meiner unbedeutenden Ware der besseren nicht den Markt verderben wollte. In hoffentlich nicht zu langer Zeit wird wohl der beste Kenner der Limburger Chronik, Dr. A. Wyss in Darmstadt, eine abschliessende Arbeit über dieselbe der Oeffentlichkeit übergeben.— Ob Johann Hebelin von Heymbach, Dekan zu St. Moriz in Mainz(geb. 1478, † 1515), zu den nass. Chronisten zu zählen ist, pleibt einstweilen zweifelhaft.— Von den genannten Chronisten kann an diesem Orte nur eine ganz kleine Anzahl Besprechung finden. Der Raum gab in erster Linie bei der Auswahl die Entscheidung. Die Ver- öffentlichung der grösseren Hälfte des Manuskriptes wird an anderer Stelle erfolgen.— Es bleibt noch eine Ehrenschuld abzutragen: den Herren, welche mich in liebenswürdigster Weise bei meiner Arbeit mit Rat und That unterstützt haben, den Herren Pfarrer a. D. Conrady in Miltenberg, Prof. Otto, Staats- archivar Dr. Sauer, sowie den Herren Archivsekretären und Herrn Rentner E. Zais hier spreche ich hiermit öffentlich meinen Dank aus.—„Accipe jam, lector, brevem et simplicem paginam quam descripsi!“
v. Lod. com. de Arnst.
Eckbert von Schönau. † 1184.
Wenn die beiden befreundeten Prophetinnen des 12. Jahrhunderts, die hl. Hildegard vom Ruperts- berg und Elisabeth von Schönau, unserem Rheinland angehôren, wenn dieses vor allem die Früchte ihres segensreichen Wirkens genoss, so glauben wir die Berechtigung, ja die Pflicht zu haben, in dieser Zusammen- stellung der Chronisten unserer engeren Heimat auch derer zu gedenken, welche als Zeitgenossen, ja als
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