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als nebensächlich behandelt. Das Zeitalter der quantitativen Forschung beginnt erst mit Lavoisier. Die Untersuchungen Blacks(1728— 1799) über das Wesen der Gase, die epochemachenden Entdeckungen des Wasserstoffs und des Sauerstoffs durch Cavendish(1731— 1810), Priestley (1733— 1804) und Scheele(1742— 1786) brachten die Lehre vom Phlogiston ins Schwanken und führten Lavoisier zur richtigen Erklärung des Verbrennungsprozesses. Darauf fussend, dass mit der Verbrennung eine Gewichtszunahme verbunden sei, gab Lavoisier(1743— 1794) der bisher herrschenden Lehre zuwider der UÜberzeugung Ausdruck, dass dieser Prozess die Auf- nahme eines bestimmten Stoffes, in welchem er richtig den Sauerstoff erkannte, darstelle. Auch in der Verkalkung der Metalle sah Lavoisier nichts anderes als deren Vereinigung mit Sauer- stoft, da die Gewichtszunahme der verkalkenden Körper genau dem Gewicht derjenigen Menge Sauerstoff entspricht, welche in diese Verbindung eingegangen ist. Diese Erklärungsweise ist die noch jetzt gültige, und mit Recht gilt deshalb auch Lavoisier als der Begründer der neueren Chemie. Die Entscheidung über die Zusammensetzung der Körper fiel nunmehr in erster Linie der Wage zu, und die Heranziehung derselben trug wesentlich zur Verbesserung und Fixierung der analytischen Methoden bei. Die Vergleichung der in Verbindung tretenden Ge- wichtsmengen führte zur Kenntnis der Gesetze, welche die Grundlage der modernen chemischen Theorien bilden.
Von einer weiteren Entwicklung der chemischen Kenntnisse ist hier abzusehen, da die- selben durch Lavoisier und seine Zeitgenossen eine Form angenommen hatten, die sie in ein auf wissenschaftlicher Grundlage ruhendes System einkleiden liessen und nun erst einen plan- gerechten Unterricht in der Chemie möglich machten.
Aus dem kurzen Uberblick über die Geschichte der Chemie geht hervor, dass alle ge- bildeten Völker sich mehr oder weniger an dem Aufbau derselben beteiligt haben. Die Be- hauptung des Franzosen Würtz, der sie als„science francçaise“ bezeichnet, muss demnach als masslos unbescheiden und unrichtig zurückgewiesen werden. Andrerseits aber muss anerkannt werden, dass sich zuerst in Frankreich die Meinung Bahn gebrochen hat, dass ausser den sprachlichen Fächern auch die exakten Wissenschaften als Bildungsmittel zu verwerten sind. Finden-wir doch, dass zu Ende des vorigen Jahrhunderts die Unterrichtsverwaltung sich in den Händen von Männern befindet, die den Naturwissenschaften ganz besonders zugethan waren, dass Frankreich zuerst von allen Culturstaaten Stätten aufzuweisen hat, die ausschliesslich für die Heranbildung von Chemikern bestimmt waren. Guyton de Morveau, Claude Louis Berthollet und Antoine François de Fourcroy sind diejenigen Forscher, welche die Lavoisier'sche Lehre besonders verbreiteten. Von den genannten hat vor allen der letztere ein grosses Verdienst für die Entwicklung der chemischen Wissenschaft zum Unterrichtsgegenstand. In seltenem Masse besass Fourcroy die Fähigkeit, seine Schüler für die Chemie zu interessieren. Als Mit- glied des Komitee für den öffentlichen Unterricht und später als Leiter des Unterrichtswesens liess er dasselbe eine Umgestaltung erfahren, welche besonders den naturwissenschaftlichen Fächern zu Gute kam. Sein Nachfolger in seiner Stellung als Professor der Chemie an der medizinischen Fakultät Vauquelin hatte an sich selbst die Unzulänglichkeit der Hilfsmittel seiner Zeit beim Studium der Chemie erkannt. Nicht nur durch Vorträge bildete er seine Schüler heran, sondern er liess sie auch in seinem Laboratorium einen praktischen Kursus durchmachen. Mancher tüchtige Chemiker ist aus sciner Schule hervorgegangen, darunter Thénard, der im Geiste seines Lehrers weiter arbeitete, indem er seine Schüler nicht nur theoretisch, sondern


