Aufsatz 
Über die Entwicklung des chemischen Unterrichts / Eduard Wickel
Entstehung
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Die Lehren des Basilius, sowie des Paracelsus und seiner Schüler bekämpfte mit besonderem Nachdruck van Helmont(1577 1644). Er machte vor allem darauf aufmerksam, dass die allgemein angenommenen Urstoffe Schwefel, Quecksilber und Salz sich nur in den seltensten Fällen in den Körpern mit Bestimmtheit nachweisen liessen. Auch war er es, welcher den ersten Grund zur Kenntnis der Gase legte, wenn dieselbe auch erst lange nach ihm zur richtigen Entwicklung gelangte. Er lehrte die Darstellung der Kohlensäure aus Kalkstein oder Pottasche und Säuren, aus Kohlen, sowie ihre Bildung bei der Wein- und Biergährung, ihr Auftreten im Magen, sowie ihre Gegenwart in vielen Mineralquellen und Erdhöhlungen. Wenn es auch dem unermüdlichen Forscher nicht vergönnt war, die Schule des Paracelsus zu besiegen, so hatte er doch durch den wissenschaftlichen Geist, den er in die Medizin einzuführen strebte, auch ganz bedeutenden Einfluss auf die gesunde Weiterentwicklung der chemischen Kenntnisse.

Mit Robert Boyle(1626 1691) tritt die Chemie in ein neues Stadium. War dieselbe zu Helmont's Zeiten nur ein Anhängsel der medizinischen Wissenschaft, so gewinnt sie mit seinem Auftreten an Selbständigkeit, wodurch sie mit raschen Schritten einer gedeihlichen Entwicklung entgegen geführt wurde. Wenn sie auch noch einige Zeit in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis zur Heilkunde stand, so wurde doch scit Boyle als das Hauptziel der chemischen Arbeiten die Entdeckung neuer chemischer Wahrheiten angeschen. Vorurteilsfrei trat Boyle an seine Untersuchungen heran. Die ihn bei seiner Arbeit leitenden Grundsätze, welche er in seinem preliminary discourse entwickelte, sind aus seinen eigenen Worten er- sichtlich:Die Chemiker haben sich bisher durch enge Prinzipien, welche der höheren Gesichts- punkte entbehren, leiten lassen. Sie erblickten ihre Aufgabe in der Bereitung von Heilmitteln, in der Extraktion und Transmutation der Metalle. Ich habe versucht, die Chemie von einem ganz anderen Gesichtspunkte zu behandeln, nicht wie dies ein Arzt oder Alchemist, sondern ein Philosoph thun sollte. Ich habe hier den Plan einer chemischen Philosophie gezeichnet, welche, wie ich hoffe, durch meine Versuche und Beobachtungen vervollständigt werden wird. Läge den Menschen der Fortschritt der wahren Wissenschaft mehr am Herzen, als ihre eigenen Interessen, dann könnte man ihnen leicht nachweisen, dass sie der Welt den grössten Dienst leisten würden, wenn sie alle ihre Kräfte einsetzten, um Versuche anzustellen, Beobachtungen zu sammeln und keine Theorie aufzustellen, ohne die darauf bezüglichen Erscheinungen ge- prüft zu haben. Der bis dahin noch unsichere Begriff eines Elements wurde durch Boyle geklärt. Von ihm stammt die Definition, wonach diejenigen Körper, welche nicht in einfachere Bestandteile zerlegt werden können, als Elemente aufzufassen sind. Auch erkannte der Forscher, dass die Zahl derselben eine viel grössere sei, als man wusste, und dass viele Körper, die als unzerlegbar angesehen wurden, sich im Laufe der Zeit als aus einfachen Bestandteilen zusammen- gesetzt erweisen würden. Auch die Ansicht Boyle's über die Bildung und Zersetzung von Verbindungen beweist seine Unabhängigkeit von früheren Anschauungen. Nach ihm beruht die Entstehung von Verbindungen auf verwandtschaftlicher Anziehung kleiner Teilchen der Elemente und die Zersetzung eines Körpers darauf, dass die Anzichung eines Elementes zu einem der Bestandteile des zusammengesetzten Körpers grösser ist als die Anziehung der Elemente des Körpers zu einander. Die Lösung der Frage über das Wesen der Verbrennungs- erscheinungen beschäftigte nicht in geringem Masse den Geist des Forschers, und wenn ihm auch die richtige Deutung dieses Prozesses nicht gelungen ist, so haben doch seine nach dieser Richtung hin angestellten Versuche wesentlich dazu beigetragen, die richtige Erklärung des Verbrennungsvorgangs vorzubereiten. Das Mariotte'sche Gesetz, welches die Beziehung zwischen