zu weiteren Versuchen gab. Für eine genügende Verbreitung der vorhandenen Kenntnisse war aber auch jetzt noch nicht gesorgt, da ja die Triebfeder zur Arbeit, die Hoffnung auf Er- langung grosser Schätze, die Mitteilung der gewonnenen Resultate zum mindesten als unvor- sichtig hätte erscheinen lassen und ausserdem die Alchemisten wegen Beschäftigung mit Magie nicht selten angeklagt und verfolgt wurden.— Über den Stand der Chemie in der zweiten Hülfte des 15. Jahrhunderts geben uns die Werke des Benediktinermönchs Basilius Valentinus, eines der vorzüglichsten Forscher im Zeitalter der Alchemie, einigen Aufschluss. Wir begegnen darin ausführlichen Angaben über die Metalle, finden Arsen, Wismuth, Zink erwähnt und erschen, dass die Darstellung der Salzsäure aus Chlornatrium und Schwefelsäure nicht unbekannt war. Die Theorie hinsichtlich der Zusammensetzung der Metalle glaubt Valentinus durch Annahme eines dritten Bestandteiles erweitern zu müssen. Nach ihm bestehen dieselben aus Schwefel, Quecksilber und Salz und verdanken ihre Veränderlichkeit im Feuer dem ersten dieser Elemente, während das Quecksilber den metallischen Charakter bedingen und das Salz, womit er keine bestimmte chemische Verbindung im Auge hatte, der Träger des Starren und Feuerbeständigen sein sollte. In den genannten Schriften findet sich auch die erste Spur einer chemischen Analysce, und obgleich Basilius Alchemist vom reinsten Wasser war, wies er doch manche Trr-— tümer seiner Zeit nach und gab auch dadurch, dass er den chemischen Präparaten eine grosse Heilkraft zuschrieb, der Entwicklung der Chemie eine neue Richtung, welche für die nächsten Jahrhunderte massgebend sein sollte. War man schon früher der Ueberzeugung, dass der Stein der Weisen unedle Metalle in edle zu verwandeln im stande sei, so glaubte man nun- mehr auch, dass er alle Krankheiten des menschlichen Körpers zu beseitigen und denselben mit ewiger Jugendfrische zu begaben vermöge. So wurde die Chemie besonders auf Anstoss des berüchtigten Paracelsus(1493— 1541) ein Teil der Medizin und ihre Entwicklung zur selbständigen Wissenschaft wieder auf einige Zeit hinausgeschoben. Ist es ja doch leicht er- klärlich, dass die medizinischen Chemiker ihre Aufmerksamkeit der Heilkraft chemischer Prä- parate in erster Linie zuwandten und die Erklärung der chemischen Vorgänge weniger In- teresse für sie hatte Dennoch ist die iatrochemische Zeit nicht ohne Nutzen für den Ausbau der chemischen Kenntnisse gewesen. Während die grosse Mehrzahl der Alchemisten ohne jede wissenschaftliche Vorbildung sich der Beschäftigung mit chemischen Vorgüngen widmete und ihr nur aus Gewinnsucht das Interesse zuwandte, kam nunmehr die Chemie in den Besitz der Krate, denen eine grössere Bildung und feinere Naturerkenntnis zur Seite stand. Schon im 12. Jahrhundert war ja ausser Mathematik und Astronomie die Medizin der wichtigste Lehrgegenstand auf den bekannten arabischen Hochschulen, die bei der Gründung der ge- lehrten Institute wie der medizinischen Schule zu Montpellier, der Universitäten zu Paris, Salamanca, Neapel, Padua u. a. als Muster dienten. Nun, wo sich die Mediziner der Chemie bemächtigten, wurde dieselbe auch ein besonderer Lehrgegenstand, und der schon oben erwähnte Paracelsus hielt als Professor der Medizin an der Universität Basel Vorträüge über Chemie. Die Originalität des Inhalts und der Sprache lockte viele Wissbegierige an und verschaffte ihm eine grosse Zahl Schüler, die sich seinen Lehren anschlossen und diese weiter verbreiteten. Nach Paracelsus bestand der wahre Zweck der Chemie in der Bereitung von Arzneien. Wenn auch schon vor ihm Basilius Valentinus von der Heilkraft chemischer Präparate überzeugt war, so unterscheidet sich Paracelsus von diesem wesentlich durch die Beweggründe, die ihn zu seiner Lehre führten. Der gesunde menschliche Körper war nach ihm eine Vereinigung bestimmter chemischer Stoffe, und die Krankheit hielt er für eine Störung in der Zusammensetzung derselben, so dass ihre Heilung nur durch chemische Präparate möglich sein könnte.
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