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ihr Stolz war. Wollte man den Eindruck schildern, den sein Dahinscheiden auf die Welt gemacht, man könnte es nicht besser als mit den Worten, die Rabbi Sera auf den Tod des Rabbi Jochanan anwandte: „Es war als wäre am hellen Mittag plötzlich die Sonne untergegangen.“
Doch der Gerechte, wenn er die Welt verlässt, ist der Welt damit nicht, verloren. Nicht nur seine Werke überdauern ihn, nicht nur das, was er geschaffen, sichert ihm ein ewiges Andenken, wie er in seinem Schaffen gewesen, wie er gelebt, wie er gewirkt, das ist es, was die Mitwelt festzuhalten hat, um der Zukunft ein Bild zu bewabren, mustergiltig zur Nacheiferung für ein wahrhaft gottgefälliges Leben.
Das sei auch unsere Aufgabe: wir wollen die noch in frischem Andenken stehende gewaltige Persönlichkeit des Heimgegangenen uns vor Augen führen, als Ausdruck des Dankes für alles, was er uns gewesen, und dass sie dastehe als mahnendes und belehrendes Vorbild für unsere Grossen und Kleinen unserer hier versammelten Jugend, dass sie aus diesem Bilde lernen, wie das Leben zu begreifen wie es zu führen sei.
Das Gute sollen wir alle erstreben, wir sollen leben, wie Gott es verlangt. Was ist nun das Gute? Was verlangt Gott von uns? Der Prophet Micha(Kap. 6, 8) giebt Antwort auf diese Frage:„Gerechtigkeit üben, Mildthätigkeit lieben, bescheiden wandeln vor Gott.“ Das sind die Cardinaltugenden des Judentums, wer diese übt, erfüllt Gottes Willen, der übt das Gute, er ist ein guter Mensch.
Sind diese Ansprüche schwer zu erfüllen? Im allgemeinen gewiss nicht, da ihre Erfüllung von der Gesamtheit gefordert wird, Gott aber nur das Mögliche von den Menschen verlangt; und doch dürfte es Kreise geben, in denen diese Ausprüche eine grössere Anstrengung, eine grössere Selbstverleugnung und grössere Willenskraft für deren Ausführung verlangen.
Je weiter die sociale Lage, in welcher ein Mensch sich befindet, sich von der Mittellinie entfernt, desto sehwieriger wird es ihm, den Ansprüchen, von denen wir geredet, voll und ganz zu genügen. Gerade die Extreme: Armut und Reichtum, legen dem Menschen schwere Versuchungen auf der Bahn des sittlichen Fortschreitens in den Weg.— Wenn der Arme nicht an Gott und Menschen verzweifelt, wenn die Not ihn nicht zum Menschenhasser macht, der auf jeden Besitz mit neidischem und hasserfülltem Auge blickt, wenn sie in ihm nicht die Liebe zu den Menschen ertötet und ihn nicht die Schranken durchbrechen lässt, die Sitte und Gesetz zum Wohle und zur Sicherheit der menschlichen Gesellschaft errichtet haben, dann hat er die schwere Prüfung der Armut bestanden.—
Wenn der Reiche durch seinen Reichtum nicht zum Gott- und Menschenverächter wird, wenn er Gottes demütiger Diener bleibt und in jedem Menschenantlitz das Ebenbild Gottes ehrt, und dem Nebenmenschen nicht in hochfahrendem Stolze, sondern freundlich entgegenkommt; wenn er sich den Elenden und Armen gegenüber ein liebewarmes Herz bewahrt, sich der Verpflichtung, von seinem Besitz zu spenden, nicht entzieht; wenn er seine Millionen nicht als den goldnen Schlüssel betrachtet, der ihm die Pforten zu allen möglichen und unmöglichen Genüssen öffnen solle, auch nicht als einen Freibrief für ein thaten- und arbeitsloses, ein nur dem Genusse geweihtes Leben: der hat die noch schwerere Prüfung, die des Reichtums bestanden. Diese Prüfung hat aber der dahingeschiedene Freiherr Wilhelm Carl von Rothschild s. A. bestanden, seine Lebens- aufgabe hat er auf's glänzendste gelöst.
Auf den Höhen gesellschaftlichen Lebens stehend, mit Glücksgütern wie kaum ein zweiter gesegnet, hat er sein Leben zu einem thatenreichen und segenverbreitenden gestaltet, er hat die Forderungen, die der Prophet an den pflichttreuen Juden stellt,„Gerechtigkeit üben, Mildthätigkeit lieben, bescheiden vor Gott wandeln“, erfüllt.—
Gerechtigkeit üben, d. h. pflichttreu in jeder Beziehung sein, streng gegen sich selbst, pflichttreu gegen Gott, pflichttreu gegen die Meunschen.
Streng gegen sich selbst, der sich kein Teilchen seiner Pflicht erlassen wollte, war er pflichttreu gegen Gott. Seine tiefinnige Frömmigkeit liess sich das anscheinend Kleinste und Geringste in der Ausùbung der religiösen Gebote nicht entgehen, und es wird wohl wepige geben, die wie er mit ganzem Herzen sich der Erfüllung ihrer religiösen Pflichten mit einer so minutiösen Gewissenhaftigkeit hingegeben haben. Es genügte ihm aber nicht, das Gebot nur zu üben, er wollte auch die Gesetzesquellen kennen lernen, und so war es ihm eine religiöse Pflicht, täglich Stunden dem Studium des Gottesgesetzes zu weihen, und es gelang ihm, so tief in dessen Geist einzudringen, dass er Meister auf diesem Gebiete wurde. Wie sehr er von der Pflicht, das Gottesgesetz zu studieren durchdrungen war, bezeugt die Thatsache, dass er jahrelang abends seinen Jugend- lehrer, den ein Leiden an's Haus fesselte, in seinem Hause aufsuchte, um unter dessen Leitung Thorastudien zu treiben.—
Wiie der Dahingeschiedene aber gerecht war gegenGott, so war er es auch gegen Menschen; nicht kommt
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