Millheiſungen über die gymnaſiaſbibliothel
zu Büdingen nebſt
einem Verzeichnis der in ihr befindlichen Bücher aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert
von Dr. H. Weyerhäuſer.
Nachrichten über die Büdinger Gumnaſialbibliothelt
Unter den Sammlungen, deren die höheren Lehranſtalten zur Erreichung ihrer Erziehungs⸗ und Unterrichtszwecke bedürfen, nimmt die Bücherſammlung unbedingt die erſte Stelle einꝛ). Denn während die übrigen hauptſächlich zur Vermittlung des Unterrichtsſtoffes dienen, hat dieſe einen großen Theil der Nahrung zu liefern, durch deren Genuß Geiſt und Gemüth der Lehrenden und Lernenden ſich immer und immer wieder ſtärken und erwärmen müſſen. Dieſe Nahrung muß ſich ſelbſtverſtändlich nach den jewei⸗ ligen Bedürfniſſen der einzelnen Arten von Anſtalten richten: ſie muß eine andere ſein für die höheren Schulen, die unmittelbar auf einen praktiſchen Beruf vorbereiten, eine andere für die Anſtalten, die, ohne Rückſicht auf beſondere Berufsarten zu nehmen, eine möglichſt vielſeitige Entwickelung und Schulung der geiſtigen Kräfte zum Zwecke haben, die alſo für alle Berufsarten, freilich nur indirekt, vorbereiten wollen. Nach dieſer Verſchiedenheit haben ſich natürlich auch die Anſchaffungen für die Bibliotheken dieſer Schulen zu richten. Uebereinſtimmend aber haben alle Arten von Anſtalten darauf Rückſicht zu nehmen, daß ihnen die Fortſchritte, die auf den Gebieten ihrer Unterrichtsgegenſtände gemacht werden, recht bald zu Gute kommen: für ihre Bücherſammlungen wird alſo ſtets das Neueſte anzuſchaffen ſein. Natürlich können dabei nicht alle neu erſchienenen Bücher in Betracht kommen, da die Bibliotheken der höheren Lehranſtalten, ſeien ſie auch pekuniär noch ſo gut geſtellt, nie und nirgends über die hierzu nöthigen Mittel verfügen. Das iſt indeſſen auch durchaus nicht ſchlimm, da ja doch nicht alle geleſen bezw. ſtudiert werden können, und da ja viele es nicht einmal verdienen, daß Lehrer und Schüler einen Theil ihrer koſtbaren Zeit an ſie hängen. Eine unerläßliche Forderung aber iſt die, daß die Anſchaffung der gediegenſten unter den neuen Erſcheinungen ermöglicht wird. Ein empfindlicher Mangel iſt es immer, wenn die Bibliothek einer Lehranſtalt dieſer Forderung nicht genügen kann, weniger empfindlich freilich in großen Städten, wo
¹) Vergl. auch unter dieſem Geſichtspunkte die unten pag. 6 und 7 folgenden Worte Rettig's.


