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wiſſen Fällen auch für eine heilige Pflicht. Als Philoſoph nennt er in ſeiner Abhandlung „Ueber das Pathetiſche“ Rache überhaupt einen unedlen und ſelbſt niedrigen Affekt, und als Menſch duldete er nicht, daß durch Kränkungen die„Milch der frommen Denkart in gäh⸗ rend Drachengift verwandelt werde“, Konnte er ſeinem Unmuthe über empfundene Krän⸗ kungen nicht ſofort in geziemender Weiſe Luft machen, ſo wußte er, nach Streichers Mit⸗ theilungen, ſchon als junger Mann in ſtummem Ringen— denn große Seelen dulden ſtill— ihn zu überwinden und aus ſeinem Gemüthe zu bannen. Bei ſolcher Reinigung des Herzens kam ihm außer den übrigen Ideen beſonders auch die Idee des Wohl⸗ wollens zu Hülfe, die ihn, wie ſein Brief an Körner vom 20. Januar 1805 zeigt, zum Entſchuldigen und Vergeben geneigt machte. Er ſchreibt:„Huber's Tod wird Euch, ſo wie auch mich, ſehr betroffen haben. Ich bin gewiß, daß ihr jetzt auch ſein großes Unrecht gegen Euch gelinder beurtheilt; er hat es gewiß tief empfunden und hart gebüßt.“
Achten wir nun darauf, welchen Eindruck Wohlthaten auf Schiller machten, ſo finden wir, daß er ſich dadurch immer verbunden und zu angemeſſener Vergeltung verpflichtet fühlte. Verzögerte ſich die Rückzahlung, ſo wurde ſie je länger je mehr eine Laſt für ihn; eine Erfahrung, die ihn zuweilen veranlaßte, ſich gegen Freundſchafts⸗ und Ehrenbezeigungen, die er nur ungern erwiderte, ablehnend zu verhalten. Aus Scheu vor Verbindlichkeiten trug er auch wohl Bedenken ſich zu verheirathen, und Körner, der ſeine Unabhängigkeits⸗ liebe kannte, ſchrieb ihm in Beziehung darauf: Ich zweifle, ob Du Talent zur häus⸗ lichen Glückſeligkeit haſt. Als er jedoch eine liebreiche und liebenswerthe Gehülfin gefunden hatte, da waren die Verpflichtungen, die er als Gatte im ununterbrochenen Wechſeldienſt der Liebe auf ſeinen Schultern fühlte, keine Laſt ſondern eine Luſt für ihn.
In ähnlicher Weiſe, wie ſein eheliches Leben, beglückte ihn auch der Verkehr mit Freunden, welcher nicht allein in gegenſeitigem Helfen beſtand, ſondern auch in einem Hin⸗ über und Herüber von uneigennützigem Wohlwollen. In ſolchen Verbindungen brauchte er nicht pünktlich Gabe gegen Gabe, Gefälligkeit gegen Gefälligkeit aufzurechnen; er konnte vielmehr im Nehmen und Geben dem Zuge ſeines Herzens folgen und durch guten Willen alle Ungleichheiten wett machen. Er brauchte nicht einmal Verletzungen ängſtlich zu meiden, denn er wußte, daß leichte Wunden der Freundſchaft durch den Balſam des gegenſeitigen Wohlwollens bald wieder geheilt würden.—
An Wohlwollen aber war Schiller ſo reich, daß er ſelbſt Geſchenke, die nichts als Zeichen von Hochachtung und rückſichtsvoller Fürſorge waren, freudig annehmen konnte. Denn wie groß ſie auch ſein mochten, er hatte ein Aequivalent, Wohlwollen in der Geſtalt des Dankes, den er würdigen Gebern gern zahlte. Ja, im Bewußtſein eigener Güte und Dienſtfertigkeit trug er ſogar kein Bedenken, auch außerhalb des Freundekreiſes diejenigen, an deren Neigung und Fähigkeit zu helfen er glaubte, mit Bitten anzugehen.—
Wie dauerhaft Schillers Dankbarkeit und Ergebenheit für erwünſchte Gunſt und Güte war, haben gar Viele erfahren und gerühmt; außer ſeinen erklärten Freunden nament⸗


