Aufsatz 
Schiller und die praktischen Ideen / [vom Tepe]
Entstehung
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Symbolen ſchildert und preiſt er ihren Einfluß auf die Kultur und ſchaut mit wahrer Herzensfreude auf die durch heilige Geſetze beſchirmten Wohnörter und Beſitzthümer der friedlich vereinten Menſchen.

Jene Linien, ſieh! ſo heißt es imSpaziergang die des Landmanns

Eigenthum ſcheiden,

In den Teppich der Flur hat ſie Demeter gewirkt.

Freundliche Schrift des Geſetzes, des menſchenerhaltenden Gottes,

Seit aus der ehernen Welt fliehend die Liebe verſchwand.

Unddas Eleuſiſche Feſt ſchließt mit der Strophe: Windet zum Kranze die goldenen Aehren, Flechtet auch blaue Cyanen hinein, Freude ſoll jedes Auge verklären, Denn die Königin ziehet ein, Die uns die ſüße Heimat gegeben, Die den Menſchen zum Menſchen geſellt, Unſer Geſang ſoll ſie feſtlich erheben, Die beglückende Mutter der Welt.

Schiller erkannte aber nicht bloß, daß die Forderung: vernünftige Geſetze ſollen herrſchen durch die Wirklichkeit mannichfach begrenzt und bedingt wird, ſondern war nach eigener Erfahrung ſich auch bewußt, daß ihr erſter und ewiger Entſtehungsgrund ein allgemeines Menſchen⸗Gefühl iſt, nämlich das Misfallen am Streit. Er ſpricht dies an verſchiedenen Stellen aus, unter anderem im Abfall der Niederlande, wo er ſagt:der erſte Geſetzgeber iſt die Noth undEtwas über die erſte Menſchengeſellſchaft, wo es heißt:Meiſtens gelangen die Menſchen nur durch die Folgen der Unordnung zur Einfüh⸗ rung der Ordnung, und Geſetzloſigkeit führt gewöhnlich erſt zu Geſetzen. Nirgends aber zeigt er deutlicher, mit welcher Gewalt die lebhaft gefühlte Häßlichkeit des Streites zur Ver⸗ ſöhnlichkeit und Nachgiebigkeit und zu Verträgen führt, als in der Braut von Meſſina. Don Manuel und Don Ceſar widerſtehen allen Vorſtellungen und Bitten ihrer Mutter, welche zur Verſöhnung drängt; als ſie aber deren lebendige Schilderung ihrer häßlichen Zwietracht hören, da ſchmilzt ihr trotziger Eigenſinn, der ihnen bis dahin rüpmnlic Eſcheinen mochte, ſie vergeſſen ihren alten Groll und umarmen ſich brüderlich.

Iſt nun das in Erinnerung gebrachte Gemälde des Bruderzwiſtes und ſeiner Bei⸗ legung zugleich ein vollgültiges Zeugniß, daß unſer Dichter ſelbſt tiefen Unwillen am Streiten empfunden, ſo auch das liebliche Bild denn nur der kann den Frieden und ſeine Seg⸗ nungen mit ſolchem Wohlgefallen, wie hier und an anderen Stellen geſchehen iſt, anſehen und malen, der auch ſein häßliches Gegenſtück, Streit und Krieg mit ihrem Gefolge, kennen gelernt hat das liebliche Bild, welches er in demſelben Drama vom Frieden entwirft: