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„Brutus iſt der größte Römer worden, Da in Vaters Bruſt ſein Eiſen drang.“
Im Verfolgen ſolcher Gedanken fühlt er aber auch lebhaft, daß Empörung, Geſetz⸗ loſigkeit und Regelloſigkeit verderblich ſeien, und legt deshalb ſchon dem Räuber Karl Moor die Worte in den Mund:„O über mich Narren, der ich wähnte, die Welt durch Gräuel zu verſchönern und Geſetze durch Geſetzloſigkeit aufrecht zu halten.— Ich erfahre nun, daß zwei Menſchen, wie ich, den ganzen Bau der ſittlichen Welt zu Grunde richten würden.“ — Die kaiſerloſe Zeit des Interregnums nennt er ſchrecklich und ſieht mit Schmerz und Unwillen, wie in Frankreich wildes Rufen nach Freiheit und Gleichheit einen Krieg Aller gegen Alle, ein Zurückfallen in Barbarei und Knechtſchaft zur Folge hat. Beſſer als Anarchie und Auflöſung des Staates erſcheint ihm dann jeder Nothſtaat und Naturſtaat mit ſeinem Rechte der Stärke, und er iſt der Anſicht, daß dieſer ſo lange zu dulden ſei, bis durch moraliſche und äſthetiſche Bildung der Bürger ein Vernunftſtaat, ein Staat der Freiheit möglich werde.
Der Gedanke: vernünftige Geſetze ſollen herrſchen— führte ihn weiter zu der Ein⸗ ſicht, daß die Staatsverfaſſung als ſolche nicht abſolut wichtig und weſentlich ſei. Er ver⸗ wirft weder die Republik, noch die Monarchie, iſt weder Demokrat noch Ariſtokrat. Im Don Carlos erwartet er das Heil von einem Fürſten; im Abfall der Niederlande ſteht er auf der Seite der verbündeten Provinzen; in der Jungfrau von Orleans iſt er mit ſeiner Heldin für das Königthum begeiſtert, im Tell für die Volksherrſchaft.
Ob die Geſetze und Einrichtungen alt oder neu ſeien, kommt bei ihm auch wenig in Frage. In den Schriften, die nach dem Don Carlos erſchienen ſind, hält er es freilich meiſtens mit dem Herkommen; aber nicht, weil er ein Feind aller Neuerungen geworden wäre— ſah doch auch er anfangs nicht ohne Intereſſe auf die franzöſiſche Revolution hin—, ſondern weil er bei den Angreifern des Beſtehenden— bei Philipp dem Zweiten, Wallenſtein— und bei den Verkündigern neuer Geſetze— Eliſabeth, Geßler— das Un⸗ recht und Verbrechen ſah. Keiner von allen politiſchen Parteinamen paßt alſo auf Schiller; er ſah nur in der Vernunft, namentlich in Kants Kritik der Vernunft,„die eigentlichen Prin⸗ cipien, die einer wahrhaft glücklichen bürgerlichen Verfaſſung zu Grunde gelegt werden müſſen“.
Beurtheilt er von dieſem idealen Standpunkte auch die Geſetzgeber, für welche ſeine lebendige Rechtsidee ihm ebenfalls ein lebendiges Intereſſe einflößte, ſo hat er ſelbſt an den Zwecken und Mitteln eines Moſes, Lykurg und Solon gar mancherlei auszuſetzen. Er iſt indeß zu beſonnen, um an ſie und ihre Schöpfungen lange den höchſten Maßſtab anzulegen, und läßt ſich, ſeiner eigenen„politiſchen Lehre“ gemäß, gern an dem relativ Vollkommenen genügen. Auf dieſem kultur⸗hiſtoriſchen Standpunkte erſcheinen ihm dann die Geſetzgeber in ihrer Geſammtheit als Wohlthäter der Menſchheit, als Geſandte des Himmels, welche die wilden Erdenſöhne zähmen und zu geſelligen Bürgern erziehen. Unter verſchiedenen


