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ſah. Ein kräftiger Mann verbunden mit einem liebenden Weibe, eine Mutter in der Mitte blühender Söhne, Freunde, die hochherzig ihr Theuerſtes für einander hinopfern, ritterliche Helden im Dienſte der Bedrängten, heroiſch⸗patriotiſche Jungfrauen— ſind für ihn ſo ſchöne Erſcheinungen, daß er nicht müde wird ſie zu ſchildern. Auch in ſich ſelbſt wünſchte er beides verbunden und ſchreibt daher an ſeine Braut:„Wenn ich glücklich bleiben ſoll, ſo muß ich zum Gefühl meiner Kräfte gelangen“.
Gehen wir nun weiter und achten darauf, wie
die Idee des Rechts
ſich in Schiller während ſeines Lebens offenbart hat, ſo finden wir ihn als Knaben ver⸗ träglich, folgſam und frei von Widerſetzlichkeit. Daß er in ſo jungen Jahren aber ſchon die feſten Ordnungen als heilſame Schranken menſchlicher Willkür gern angeſehen habe, würde man nicht glauben, wenn auch vergeſſen wäre, wie er ſie nicht ſelten unbeachtet gelaſſen. Zu ſolch ungewöhnlicher Vorliebe führte ihn ja weder ſeine Natur, noch ſeine Erziehung, noch der Hinblick auf ſeine künftige Lebensſtellung.
Noch weniger liebenswürdig erſchienen ihm poſitive Geſetze und Rechte ſpäter auf den herzoglichen Hochſchulen, wo, wie er ſagt, ſein Enthuſiasmus acht Jahre mit der militairiſchen Regel rang. Er mochte ſie weder ſtudiren, noch ſich pünktlich nach ihnen richten. Er nährte vielmehr ſtatt des Geiſtes ſtrenger Subordination, den man ihm ein⸗ flößen wollte, den Geiſt der Oppoſition und wandte ſich, der Zeitſtrömung folgend, von den„Schreibepultgeſetzen“ zur Erforſchung der Natur⸗ und Menſchenrechte. Bei ſolchem Studium, woran auch ſein Herz lebhaften Antheil nahm, ging ihm im eigenen Kopfe die Idee des Rechts auf, als deren Kern der Gedanke: Vernünftige Geſetze ſollen herrſchen— angeſehen werden kann.
Dieſe Idee iſt ihm von da an ſtets intereſſant geblieben und hat ihn, wie ſein Le⸗ ben und ſeine Schriften zeigen, ungewöhnlich viel beſchäftigt. Er machte ſie zur Richtſchnur ſowohl bei ſeinem eigenen Thun und Laſſen, als bei der Beurtheilung politiſcher, ſocialer, kirchlicher und ſelbſt künſtleriſcher Zuſtände und Beſtrebungen. Er variirte ſie aufs man⸗ nichfachſte und erweiterte ſie durch Begründungen und Folgerungen.
Häufig, beſonders in den erſten Dramen, nimmt ſein Rechtsbegriff die Geſtalt des Gegenſatzes an und lautet nun: unvernünftige Geſetze ſollen nicht herrſchen. Gebote und Verbote, welche wider das Gewiſſen und wider die Natur des Menſchen ſind, haben keine Gültigkeit; man darf ſie unbeachtet laſſen und ihnen widerſtreben.„Nur legale Größe kann Ehrfurcht und Unterwerfung erzwingen“; Gewalt allein hat keine Autorität. Uſur⸗ patoren und Tyrannen dürfen nicht geduldet werden, und„es muß einer ganzen einſtim⸗ mig handelnden Nation erlaubt ſein, einem eidbrüchigen Beherrſcher ihre Pflicht aufzukün⸗ digen“. Möros war ein edler Menſch, und


