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ſeine Größe entgegen. Sie iſt ſo augenfällig, daß auch ein blöder Sinn ſie ſehen muß, daß ſelbſt der Neid ſie nicht überſehen kann. Sie iſt es ja hauptſächlich, die Schiller im Gedächtniß der Menſchen einen ſo hohen Platz verſchafft und ſeinen Namen mit den unſterb⸗ lichen Namen, welche von der Geſchichte geprieſen werden, in ehrenvolle Gemein⸗ ſchaft bringt.
So eigenthümlich anziehend wird Schillers Größe freilich erſt dadurch, daß ſie ſich mit den übrigen ſittlichen Grundeigenſchaften verbindet, welche weiter unten beſonders betrachtet werden ſollen; aber auch ſchon an ſich, als bloße Stärke und Hoheit des Geiſtes und Sinnes flößt ſie Intereſſe und Achtung ein. Ihr Anblick gewährt ein ähn⸗ liches Wohlgefallen, wie ein ſtolz emporſtrebender und kräftig ſich ausbreitender und zuſam⸗ menfaſſender Baum. Iſt es in dieſem die natürliche Triebkraft, die uns erfreut und auf⸗ richtet, ſo iſt es in jener
die Idee der Vollkommenheit.
Die Idee der Vollkommenheit iſt die Mutter aller Größe. Sie hat die großen Herrſcher, die großen Feldherrn, Staatsmänner, Künſtler, Gelehrten zu allen Zeiten und bei allen Völkern hervorgebracht, und ohne ſie hat ſelbſt unter den günſtigſten Verhältniſſen, ſelbſt als geborner Fürſt ſich noch niemand Ehre und Ruhm erworben. Sie kann freilich, ſo kräftig und beharrlich ſie auch treiben mag, nicht jeden in jeder Lage über die Menge empor heben, Unmögliches nicht möglich machen; aber ſie kann Wunder thun, überwinden, was unüberwindlich zu ſein ſchien, und erreichen, was der Kleinmuth unerreichbar nannte.
Als eine ſolche kühne Bahnbrecherin und Siegerin zeigt ſich die Idee der Vollkom⸗ menheit auch bei Schiller. Sie weiſt ihn immer auf ein hohes Ziel hin und läßt ihn be⸗ harrlich vordringen. Verſperrt ſich ihm der eingeſchlagene Weg, ſo ändert er wohl die Richtung, ſteht aber nie ſtill. Nie ruht er ſelbſtgefällig auf ſeinen Lorbeeren, ſondern vor⸗ wärts, vorwärts— iſt ſeine Loſung, ſo lange der Tag ihm ſcheint. Nun ſtaunen wir über die Höhe, die er erſtiegen, und über das Tagewerk, das er vollbracht hat.
Länger ausſchließlich darauf zu achten, in welch eigenthümlicher Weiſe die Idee der Vollkommenheit in Schiller wirkt, iſt nicht bloß förderlich für unſer Verſtändniß ſeines Weſens, ſondern auch erhebend und herzſtärkend. Sein Ernſt, ſein Muth, ſeine Ausdauer wecken gleiche Gefühle und Kräfte in unſerer Bruſt und verbannen allen Leichtſinn und allen Klein⸗ muth. Der Hauch ſeines energiſchen Geiſtes erfriſcht uns wie Waldesduft, und ſeine ſtolzen Sprüche hallen in unſerm befreiten und aufgerichteten Gemüthe kräftig wieder.
Schiller war ſo organiſirt, daß das ſeeliſche Leben das leibliche weit überwog. Sein Körper war mehr die bloße Behauſung eines feinen und ſtarken Geiſtes, als ſelbſt ein Organ, das ſich hätte geltend machen können. Von der Natur war er alſo für den Lehr⸗ ſtand bereitet, wofür er ſich auch früh entſchied. Er wollte ja Prediger werden, wie ſein von ihm verehrter Lehrer Moſer.


