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ſteller, insbeſondere ein Dichter, die Wirklichkeit beklage und meiſtere. Verwöhnte Ohren nehmen Anſtoß an ſeiner jugendlichen Kraftſprache, und ſtrenge Kunſtrichter bemerken wohl mit Schillers eigenen Worten, er philoſophire zu viel als Dichter und dichte zu viel als Philoſoph und Geſchichtſchreiber.
Wie viele Ausſtellungen an Schillers Werken aber auch von Einzelnen gemacht werden mögen; ein großes Publikum, vor Allen das deutſche Volk liebt ſie und hält ſie hoch. Es liebt ſie beſonders um ihres Gehaltes willen, den es mit Freuden auch in ſeinem eigenen Innern entdeckt; es liebt ſie aber auch wegen ihrer Form, die ſeiner zugleich verſtän⸗ digen und ſchwungvollen Natur zuſagt. Cs liebt ſie mit natürlicher und ewiger Liebe, denn ſie ſind Geiſt von ſeinem ureigenen Geiſte und ſcheiden, je mehr ſie ihm in Fleiſch und Blut übergehen, alles Wälſche und Ungeſunde aus ſeinem Weſen aus. Darum wird es ſich nun auch die kleinſte von den Gaben nicht wieder entreißen laſſen, die der verehrte Dichterphiloſoph ſeiner ſelbſt und ſeines Volkes würdig geachtet hat.
Wie aber Schiller ſelbſt ſchon als Jüngling ſeine ganze Perſon höher ſtellte, als ſeine Schriften, ſo liebt und achtet ihn auch ſein Volk noch weit mehr als Menſchen, denn als Schriftſteller. Es weiß, daß ſein reicher Geiſt, als er die irdiſche Hülle verließ, ſich noch lange nicht erſchöpft hatte; es rechnet zu dem, was es von ihm lieſt, ſeine innere Wahr⸗ haftigkeit als das beſte Theil hinzu; es fühlt, mag er ſie auch zuweilen verbergen und verleugnen, ſeine ſeltene Herzensgüte, und ſieht, was er zum Heile der Brüder gewirkt hat und wirkt, dankbar als beabſichtigtes Verdienſt an. Es läßt ſich mit immer neuem In⸗ tereſſe die Geſchichte ſeines Lebens erzählen, bewundert bei all ſeinem Thun und Leiden den Adel ſeiner Seele und ſchaut ſchließlich von den Einzelheiten mit inniger Rührung auf die ganze Größe und Schöne ſeines Charakters hin. Schiller iſt mehr, als irgend ein anderer Stammgenoſſe, unſer Liebling.
Ihn verehren, ſoweit eine echte höhere Cultur vorgedrungen iſt, Knaben und Mädchen, Jünglinge und Jungfrauen, Männer und Frauen, alle Stände, alle Confeſſionen; und ihre Menge— die Feier ſeines hundertjährigen Geburtsfeſtes hat es aller Welt gezeigt— iſt ſo groß, daß die Zahl ſeiner erklärten und verſteckten Gegner daneben verſchwindet und mehr als aufgewogen wird durch die Anhänger, welche er bei den Nachbarvölkern findet.
Dieſe allgemeine und dauernde Verehrung aber hat ſich Schiller offenbar nicht durch Eigenſchaften erworben, die er mit Andern gemein hat, ſondern durch etwas, was ſich einzig an ihm findet und allgemein und dauernd wohlgefällt. Das aber iſt nichts anderes, als ſeine ſittliche Vollendung, die großartige Ausprägung aller ſittlichen Ideen und deren harmoniſche Vereinigung in ſeiner Perſon. Weil es in Schiller ſein beſſeres Selbſt ver⸗ körpert ſieht, darum ſchaut das deutſche Volk ſo gern auf ihn; weil es in ſeinem Bilde ein Palladium tüchtiger Geſinnung erkennt, darum ſetzt es ihm Denkmäler.—
Blicken wir nun auf das Bild, welches wir uns von Schiller gemacht haben, mit der Abſicht hin, darin die ſittlichen Grundzüge einzeln aufzuſuchen, ſo tritt uns vor allen


