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Werken. Sie athmen insgeſammt einen ſittlichen Geiſt, ſowohl die proſaiſchen als die poe⸗ tiſchen und von dieſen wieder ſowohl die lyriſchen, als die epiſchen und dramatiſchen. Und wenn in dieſer Hinſicht auch große Unterſchiede unter ihnen ſtattfinden, ſo dürfte doch ein Kenner derſelben, der ſich auch auf ſittliche Gefühle nnd Stimmungen verſteht, die Einwir⸗ kung des Gewiſſens faſt in keinem einzigen vermiſſen und gern einſtimmen in das Urtheil einer ſcharf blickenden Verehrerin Schillers, der Frau von Stasl, die zu ſeiner Charakteri⸗ ſtik eben ſo wahr, wie treffend und ſchön ſagt: La conscience est sa muse.(Palleske II. 570.)
Daß Schiller dieſe ſeine Muſe immer geliebt habe, ſoll damit nicht geſagt ſein. Es iſt ja bekannt genug, wie er, ſeit ihm für altgriechiſche Naivetät und Simplicität die Augen aufgingen und er die ſinnliche Fülle und Anmuth der Götheſchen Muſe bewundern lernte, auf die ſeinige nicht ſelten mit Unbehagen hinblickte. Bald erſchien ſie ihm zu leidenſchaft⸗ lich und ungeberdig, bald zu engherzig und ſpröde, bald zu idealiſtiſch und ſentimentaliſch. Zuweilen wird ihm auch ihr tiefer Ernſt beſchwerlich, und er möchte dann wohl, wie ſeine Caſſandra, die Prieſterbinde zur Erde werfen, möchte, ſtatt in die Tiefen des Lebens zu blicken, wie kurzſichtige Menſchen ſich freuen und hoffen, möchte mit Allem ſpielen, über Alles lachen können.
Solche Verſtimmungen beim Anblick ſeiner Muſe waren indeß meiſtens nur von kurzer Dauer, und als ſeine Grundſtimmung darf die angeſehen werden, welche ſich in dem Epigramm„An die Muſe“ ausſpricht:
„Was ich ohne dich wäre, ich weiß es nicht— aber mir grauet,“ „Seh' ich, was ohne dich Hundert' und Tauſende ſind.“
Auch die Vergleichung mit Göthe konnte ihn nur auf Augenblicke drücken; denn er war, was er ſeinem Freunde W. von Humboldt nicht verheimlicht, ſich wohl bewußt, daß er vor jenem auch etwas, was er nie erreichen könne, voraus habe. Und als es ihm nun nach und nach gelang, den reichen Schatz, den er aus der Tiefe ſeines Weſens herauf⸗ gehoben hatte, durch ſeine von den Feſſeln der Philoſophie wieder frei gewordene Phantaſie flüſſig zu machen und lebendig und ſchön zu geſtalten; da ſtand er nicht nur neidlos neben dem bewunderten Altmeiſter, ſondern pries auch, beſonders in der„Huldigung der Künſte“, die Poeſie, ſeine Muſe— denn als Poeten ſah er ſich am liebſten an— als die herrlichſte von allen.
Mit ähnlichen Empfindungen, als womit Schiller ſelbſt ſeine Muſe anſah, pflegten und pflegen auch ſeine Werke geleſen und gehört zu werden. Einigen, die das Leben leicht nehmen wollen, erſcheinen ſeine Worte zu ernſt und zu ſchwer. Sie ſuchen ſie ſich daher aus dem Sinne zu ſchlagen, oder, wenn ihnen das nicht gelingt, parodirend damit zu ſpielen. Andern, die ſich mit ihren Gedanken gewöhnlich in der ſinnlichen Welt bewegen, werden ſeine Schriften unbequem, weil ſie ihnen zu abſtract ſind. Wieder Andere mögen die Sprache des Gewiſſens nicht hören, entweder weil ſie in dem ſittlichen Lobe und Tadel für ſich ſelbſt Vorwürfe vernehmen, oder weil ſie überhaupt nicht wollen, daß ein Schrift⸗


