Aufsatz 
Jüdische und heidnische Zeugnisse über Christus und das Christentum aus den zwei ersten Jahrhunderten vor und im ersten Jahrhundert nach Christus : 2. Teil. Die Zeit der Erfüllung der Sehnsucht
Entstehung
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Die Christen galten bei ihrem ersten Auftreten den Römern als jüdische Sckte; zudem gehörten sie der überwiegenden Mehrheit nach den gewöhnlichen Lebensverhält- nissen an. Darf es wundern, dass ihnen gleich im ersten Jahrhundert unter den Heiden das Schicksal nicht erspart blieb, dem wir durch unser diesem Absehnitte vorgesetztes Motto einen Ausdruck gegeben?

Aus den römisch-heidnischen Zeugen des ersten Jahrhunderts über Christus und das Christenthum führen wir an¹)

1. C. Cornelius Tacitus.

Was ist das hier?

Wer seid ihr hier?

Was wollt ihr da?

Wer schlich sich ein?

Die Feuerpein

Euch in's Gebein!

Göthe's Faust. Geboren vielleicht zu Interamna etwa in den fünfziger Jahren nach Christus war

Tacitus nach Bernhardy²) ein kräftiger Character altrömischer Art, glühend begeistert für sein Vaterland und ausgezeichnet durch weiten Blick und grosses Wissen. Unter seinen Werken sind für unsern Zweck hier hervorzuheben die annales von vierzehn bis sechszehn nach Christus reichend; davon sind jedoch nur das erste bis sechste(das fünfte als kleines Fragment) und das eilfte bis sechszehnte Buch noch erhalten. Von diesen annales, sowie von den früher citirten historiae rühmt Bernhardy: sie seien aus Quellen und vorzüglichen Hilfsmitteln, öffentlichen Urkunden, zahlreichen Denksehriften und bewährten Historikern mit Heranziehung der mündlichen Ueberlieferung geschöpft und mit strenger Kritik verfasst. Gewissenhafte Forschung, Liebe zur Wahrheit, künstlerische Ausstattung und charakterfester Ernst habe hier klassische Meisterwerke, namentlich in der pragmatischen Geschichtschreibung geschaffen. Um so mehr muss bedauert werden, dass ein so hochstehender Geist über Christus und das Christenthum nicht die rechten Quellen fand, sondern nur das Echo der leidenschaftlichen Vorurtheile seines Volkes ist. Tacitus erwähnt nur einmal ausdrücklichs) der Christen. In Rom hatte vom neunzehnten

¹) Wir lassen die Stellen aus Sueton hier bei Seite, namentlich; vita Neronis c. 16:Afflicti sup- pliciis Christiani, genus hominum superstitionis novae ac maleficae. Vita Claudii c. 25:Judaeos im- pulsore Chresto assidue tumultuantes Roma expulit. Die vitae XII Caesarum gehören in das zweite Jahr- hundert; nach Bernhardy S. 703 sind sie dem praefectus praet. Septicius Clarus um das Jahr 119 gewidmet. 2) a. a. O. S. 689 ff. 3) Indirect geschieht es noch zweimal; a) Die Erzählung annal. XVI. 21. ff. ist ganz zweifellos auf Christen zu deuten cf. Oester- reich. Vierteljahresschrift für kath. Theol. Jahrgang 1862 S. 508. b) Auch annal. XIII. 32 geht auf eine Christin; vgl. Kraus Roma sotteranea S. 44. Reu- mont a. a. O. S. 361. Desbassayns de Richemont: Dic neuesten Studien über die Kata- komben Mainz 1872 S. 78 ff. Wir müssen hier beide Stellen unerörtert lassen.