Aufsatz 
Jüdische und heidnische Zeugnisse über Christus und das Christentum aus den zwei ersten Jahrhunderten vor und im ersten Jahrhundert nach Christus : 2. Teil. Die Zeit der Erfüllung der Sehnsucht
Entstehung
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Den grössten Anstoss für die destructive Kritik geben aber die anderen Worte unserer Stelle: etrs ivοa abray eTe Ih... 5 XDi=oc orOc J... epdν T% Ʒα‿οες r. Wie kann, ruft man, Josephus, der nach seiner Selbstbiographie ein wenn auch freisinniger Jude war und stets blieb, Jesus für Gott und den Messias halten und behaup- ten, er sei wirklich von den Todten auferstanden, und alles durch die Propheten Vorher- gesagte habe er an sich erfüllt! So vermag nur ein Christ zu reden. Auch waren die Zeiten unter Domitian, wo Josephus nach eigener Angabe dieAlterthümer schrieb und seine Verhältnisse in Rom nicht angethan zu solch ungewöhnlicher Auslassung über Christus. Darauf lüsst sich entgegnen: Josephus spricht hier nicht seine eigene Ansicht aus, sondern referirt als Historiker, was über Jesus geglaubt wurde. So fasst es schon Hieronymusi), der die Worte: 5 XPioo Oros, übersetzt: et credebatur esse Christus. Auch Hettingerz²) schliesst sich entschieden dieser Ansicht an. Will man dagegen ein- wenden, dass, wer so wie Josephus, ohne Rückhalt und Verwahrung christliche Wahr- heiten ausspricht, sie als von sich selbst geglaubt bezeichnet, so ist auch selbst dieses pei einem Eklektiker, wie Josephus es war, gar nicht so undenkbar, zumal im Augen- plicke ernster, unter dem Drucke schwerer Lebensverhältnisse stehender Seelenstimmung. Josephus war, so schreibt Friedliebs) als er die Alterthümer abfasste, kein verwerthbarer Günstling mehr, sondern ein als Last überkommener Pensionär. Der Mohr hatte seine Schuldigkeit gethan und wurde sein Gehen nicht beklagt. Seine Alterthümer waren keine kaiserliche Partheischrift und der alternde, zurückgesetzte Josephus mochte in diesem grösseren Werke Gon 20 Büchern) sich eine vereinzelte Bemerkung über einen Gegen- stand, den er sonst nicht gerne besprach, gestatten, zumal er auch in dieser Stelle der Christen nur flüchtig und als einer im Aussterben begriffenen( Ʒπέινπη) Secte gedenkt. Den Römern lag wenig daran, wie er über Christus dachte, wenn er nur den Christen und ihrer Ausbreitung und ihren Erfolgen nicht sehr das Wort redete. Vielleicht dämmerte auch in Stunden solch irdischer Vereinsamung das im Schimmer heidnischer Gunst ver- grabene, bessere Bewusstsein des Josephus auf.

Wenn August Otto) dadurch die Aechtheit unserer Stelle zu retten sucht, dass er die besonders merkwürdigen Aeusserungen des Josephus über Jesus als Accomodation an die damaligen heidnischen Anschauungen(e3rs ενορα), oder als hämische Ironie, oder als Lieblingsphrase damaliger Zeit abschwächt, so ist dies für jeden unbefangenen Leser der Stelle eine künstliche Hineindeutung und ist das so gedeutete jüdische Zeugniss nichts mehr werth und verlohnt sich nicht der Mühe, über es zu reden. Auch geht es nicht an, die Stelle als theilweise unächt zu erklären. Die Sätze hängen syntaktisch gut zu- sammen und nach welchen Grundsätzen will man das Aechte von dem vermeinten Inter- polirten scheiden?) Die Anhaltspunkte, nach denen man greift, sind viel zu unsicher

1) a. a. O.

2) a. a. O.

³) Oesterreichische Vierteljahresschrift, 1862, S. 497. 4) a. a. 0.

5) wie Gieseler a. a. O. unternimmt.