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aber niemals die Christen genannt werden. Josephus stand dem Ursprunge des Christen- thums so nahe, sowohl durch seine Geburt(37 nach Christus) als durch seine Frühreife; auch lebte er bis 70 nach Christus beständig im jüdischen Lande und sah dort die Ver- breitung des Christenthums. Er spricht in seinen Alterthümern über jüdische Secten in Egypten, Parthien und Armenien; über die Christen geschieht nicht einmal als einer Secte Erwähnung. Die Steinigung des Stephanus, die Hinrichtung von Jacobus dem Aelteren, die Ermordung des jüngeren Jacobus, die Bekehrung und das grossartige Wirken des heiligen Paulus gaben gewiss Veranlassung über die Christen zu reden; er spricht nicht von ihnen. In seinem Buche, de bello jud. lib. VI. c. 5. n. 3, berichtet er von Vorbedeutungen und Weissagungen, die das über Stadt und Tempel hereinbrechende Unglück vorherverkündeten. In dem Tempel sei Nachts unter grossem Geräusch der Ruf vernommen worden: usraßai“cusv S?=Hsv(lasst uns von dannen ziehn!) Ein gewisser Jesus, Sohn des Ananus habe vier Jahre vor der Zerstörung trotz aller Misshandlung nicht aufgehört, über Stadt, Tempel und Volk Wehe zu rufen. Aber von der klaren Weissagung des Herrn, die damals längst verbreitet war und die Auswanderung der Christen nach Pella veranlasste, spricht er nichts. Auch wo Josephus von Johannes dem Täufer redet, lag es so nahe, Christus zu erwähnen, aber es geschieht nicht. Offenbar übergeht Josephus Christus und die Christen mit Absicht. Man kann dies alles zugeben, aber damit wird unsere Stelle nicht unächt. Josephus konnte nicht wohl den Ursprung des Christenthums ganz unerwähnt lassen. Christus hatte durch sein Leben, seine Wunder zu gewaltig auf das Volk der Juden, auch auf die Partheigenossen des Josephus, die Pharisäer, eingewirkt. Die Spuren dieser Wirkungen waren zu neu, die Augen- und Ohrenzeugen lebten noch und die Zahl der Christen war zu bedeutend. Wenn Josephus anderwärts Anlässe über die Christen zu reden übergeht, so mag er dafür seine Gründe gehabt haben, die nicht, wie bereits angedeutet wurde, Schonung für seine Glaubens- genossen, sondern Wahrnehmung seines eigenen Vortheils und namentlich in seinem Buche de bello Judaico die Rücksicht auf den Kaiser Titus waren. Damit ist aber nicht als unmöglich bewiesen, dass er das anderwärts Uebergangene an unserer Stelle berichtet, zumal es in solcher Kürze und mit einer gewissen Befangenheit geschieht. Auch das kann nicht besonders befremden, dass Josephus über Christus wohlwollend sich äussert, während die Pharisäer ihm so feindlich gesinnt waren. Der jüdische Geschichtschreiber richtet sich auch anderwärts nicht nach ihnen und spricht sich z. B. über Johannes aufs ehrenvollste aus, obgleich dieser den Pharisäern harte Strafworte(Natterngezücht, Spreu) gesagt hatte und sie ihm gewiss nicht geneigt waren. Wenn Josephus von Wundern Christi als von Wundern spricht, so that er damit nur, was nicht weggeläugnet werden konnte und was selbst die Pharisäer bei Lebzeiten Jesu zugestanden hatten. ¹1) Ebenso konnte er Christus: àειαααστπχασχεςα ‿νν nOον τα,⁶o⁸‧B nennen; denn damit bezeichnete er nicht ohne weiteres alle Lehren Jesu als Wahrheit, sondern sagte, dass alle nach Wahrheit Begierigen zu ihm geströmt seien, ihn für einen ganz besonders grossen Wahr- heitslehrer gehalten hätten.
¹) Joh. 9. 16. 11. 47.


