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Wenn Origenes(† 254) über sie schweigt, aber ausdrücklich¹) den Josephus als dσεεν Tno e XS(als Einen, der nicht an Jesus als den Messias glaubte,) bezeichnet, so ist dies kein Beweis gegen, sondern für unsere Stelle. Offenbar muss zu den Zeiten des Origenes eine und höchst überraschende Aeusserung bei Josephus vorgelegen haben, woraus man auf ihn als Christen schloss. Dass Photius in seinen Excerpten aus Josephus das Zeugniss über Christus und die Christen nicht erwähnt, beweist gleichfalls nichts gegen die Aechtheit. Photius gibt nämlich einen ganz willkürlichen Auszug; er macht darin Mittheilungen,(z. B. dass Christus unser Gott sei, von einer Jungfrau geboren wurde und dass seinetwegen sehr viele Kinder getödtet worden), welche gar nicht in des Josephus Alterthümer stehen; andererseits übergeht er vieles vollständig, z. B. dic ganzen vierzehn ersten Bücher des genannten Werkes. Will man diese darum für unächt halten ⁵²)
Auch innere Gründe hat man angeführt, um das Zeugniss des Josephus über Jesus als unächt verwerfen zu können.
Das Zeugniss, sagt man, steht ohne allen Zusammenhang und an einer sonder- baren Stelle. Vorher erzählt Josephus, wie Pilatus die Juden in Schrecken setzt, als er Fahnen mit dem Bilde des heidnischen Kaisers nach Jerusalem bringen will und um das nöthige Geld für eine Wasserleitung zu bekommen, die Hand nach dem Tempelschatze ausstreckt. Dann folgt die Stelle über Jesus und unmittelbar auf letztere ein Scandal der römischen Isispriester, die Tiberius damit züchtigte, dass er sie kreuzigen, ihren Tempel zerstören und ihr Götzenbild in die Tiber werfen liess. Aber, so lässt sich darauf erwidern, absolut strenger Zusammenhang aller Detailberichte ist gerade nicht stets bei Josephus zu finden. Wenn ihm ein interessant scheinender Vorgang ins Gedächtniss kommt, so verwebt er ihn in die Erzählung, mag er auch gerade nicht in engster Be- ziehung zu Vorher- und Nachhererzähltem stehen. So kann auch der Scandal der Isispriester ganz gut wegbleiben, ohne dass der Zusammenhang leidet, oder irgendwie eine Lücke merkbar wird. Aber Niemand hat noch aus diesem Grunde die Aechtheit des Scandal- berichtes angefochten. Warum soll denn gerade das Zeugniss über Jesus und die Christen deshalb unächt und unterschoben sein?
Man hat als weiteren(und dieser ist der wichtigste) Einwand gegen die Aecht- heit vorgebracht: Wie konnte überhaupt Josephus der Jude über Christus und die Christen hier so reden, wie es geschieht?
Zur Entkräftung dieses Einwandes bedarf es einer etwas ausführlicheren Aus- einandersetzung.
Josephus erwähnt nur hier der Christen; Christus selbst, den Stifter der Christen, nennt er nur zweimal, zuerst an der hier fraglichen und dann an einer noch später zu besprechenden Stelle. Man hat nun gesagt: wenn Josephus überhaupt der Christen und ihres Stifters Erwähnung thun wollte, so hatte er dazu so vielen Anlass anderwärts, wo
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1) c. Cels. I. p. 35. 2) So schon der gelehrte Huet a. a. O. S. 51.


