Aufsatz 
Jüdische und heidnische Zeugnisse über Christus und das Christentum aus den zwei ersten Jahrhunderten vor und im ersten Jahrhundert nach Christus : 2. Teil. Die Zeit der Erfüllung der Sehnsucht
Entstehung
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2 grosses Friedensreich gestiftet hatte; es ist das älteste ausserchristliche und das einzige¹) jüdische Zeugniss des ersten Jahrhunderts und wird man, was den Inhalt angeht, wahr- haft überrascht. Sein Urheber ist

Flavius Josephus.

Entschlafen sind nun wilde Triebe Mit jedem ungestümem Thun; Es reget sich die Menschenliebe, Die Liebe Gottes regt sich nun. Vernunft fängt wieder an zu sprechen Und Hoffnung wieder an zu blühn; Man sehnt sich nach des Lebens Bächen, Ach! nach des Lebens Quelle hin!

Göthe's Faust.

Josephus war zu Jerusalem 37 nach Christus aus priesterlichem Geschlechte, wie er in seiner Selbstbiographie schreibt, geboren. Durch Bildung und Gelehrsamkeit schon sehr frühe(im vierzehnten Jahre bereits als gelehrte Autorität angesehen) ausge- zeichnet, zeigt er in seinen Geschichtswerken, die in hellenistischem Griechisch abgefasst sind, einen weiten Blick und mit wenigen Ausnahmen Takt und Angemessenheit in der Ausführung; Eusebiusz) nennt ihn den berühmtesten jüdischen Geschichtschreiber. Bis zum Jahre 70 nach Christus lebte er fast beständig in Jerusalem, Judäa und Samaria. Als Theilnehmer am Kriege der Juden gegen die Römer ward er bei der Einnahme der Festung Jotapata, die er vertheidigte, gefangen, aber von Vespasian freigegeben. Nach Weise der Freigelassenen nannte er sich von da an Flavius Joseph, ward der Günstling der kaiserlichen Familie, mit Ehren und Glücksgütern überhäuft und lebte bis gegen 94 n. Christus meistens zu Rom, wo wissenschaftliche Studien und historische Arbeiten seine Beschäftigung bildeten. Von seinen Werken kommen für unsern Zweck einzig in Betracht die sogenannten jüdischen Alterthümer, eine Geschichte des jüdischen Volkes von Anfang an bis auf die Zeit des Josephus; er verfasste sie in seinen späteren Lebenstagen unter Domitian, um sein politisch untergegangenes, vom Pöbel gehasstes und den Gebildeten geringgeschätztes Volk wieder zu Ehren zu bringen. In diesen jüdischen Alterthümern stehen folgende Zeugnisse:

I. über Johannes den Tänfer, den Vorläufer Jesu.

Nachdem Josephus berichtet hat, wie Herodes im Krieg gegen Aretas, den

König des Peträischen Arabiens sein ganzes Heer verloren, fährt er fort: 3)

1) Die Ansicht(der sich Euseb. 340] demonstr. evgl. 2, 4. 5. 16. 18. zuneigt,) dass Philo, der alexandrinische, jüdische Philosoph und Zeitgenosse Christi in seiner Schrift: de vita contemplativa, Leben und Institutionen der alten Christen Alexandriens und Egyptens schildert, ist mit Recht aufgegeben. Philo hat es dort mit jüdischen Essäern und Therapeuten zu thun und erwähnt weder bei dieser Gelegenheit, noch sonst in seinen so überaus zahlreichen Schriften Christus und die Christen.

²) H. E. I. 5.

3) archaeol. XVIII. 5. 2.