—42 werden mussten, im höchsten Grade beengt wurden, sondern auch die Arbeiten im chemischen Laboratorium acht Monate lang ausgesetzt werden mussten. Aber auch abgesehen von diesen vorübergehenden Nothständen sind die der Realschule zu Gebote stehenden Räumlichkeiten so wenig genügend, dass die Hoffnung jeden Freund der Schule und ganz besonders die Eltern unserer Schüler mit herzlicher Freude erfüllen muss, dass die seit dem Jahre 1867 schwebenden Verhandlungen über die Errichtung eines neuen Realschulgebäudes nunmehr zu einem glücklichen Ende geführt haben. Der Plan ist genehmigt, die Kosten sind von den städtischen Behörden bewilligt, und so wird hoffentlich demnächst der Bau beginnen, welcher der Stadt zur Zierde und zum Segen ge- reichen wird.— Unsere diesjährige Turnfahrt wurde in drei Abtheilungen ausgeführt. Die Klassen Prima und Sekunda hatten als Ziel die herrlichen Punkte des Meisners und Kaufunger Waldes und fanden zugleich durch die Freundlichkeit der Besitzer und Leiter der zahlreichen technischen Anlagen jener Gegend Gelegenheit, ihre Kenntnisse zu erweitern. Der 16. August, in doppelter Beziehung ein wichtiger Gedenktag, gab zugleich Veranlassung, erhebende patriotische Erinnerungen zu wecken, und so dürfen wir hoffen, dass diese durchaus befriedigend verlaufene Turnfahrt nicht ohne erspriess- liche Wirkung auf unsere Schüler geblieben ist. Die üubrigen Klassen der Hauptanstalt besuchten am 16. August die Plesse und Wannfried. Die Vorschulklassen wurden nach dem Schlierbach ge- führt.— Am Nachmittag des 1. September wurde das jährliche Schauturnen, zugleich als Vorfeier des am folgenden Tage gefeierten Nationalfestes, unter zahlreicher Betheiligung abgehalten. Die Turn- ubungen der einzelnen Abtheilungen wechselten mit dem Gesange passender Lieder und dem Vor- trage patriotischer Gedichte ab. An die Festrede des Direktors, welche die Bedeutung des Tages für das Vaterland und insbesondere für die deutsche Jugend hervorhob, schloss sich die Einweihung einer schönen, gestickten seidenen Fahne in den Reichsfarben, welche die Schüler aus freiwilligen Beiträgen der Schule geschenkt hatten. Am 2. September wurden die Schüler zum Festgottesdienst geführt und betheiligten sich an dem stattlichen Festzuge, welcher sich am Nachmittag zu dem Kriegerdenkmale bewegte, wo der ernstere Theil des Nationalfestes durch Rede und Gesang ge- feiert wurde.
Die Michaelisferien dauerten vom 20. September bis zum 9. October. Der Wintercursus wurde mit der Einführung des wissenschaftlichen Hülfslehrers, Herrn Orth, ubrigens in derselben Weise wie das Sommersemester eröffnet. Die Weihnachtsferien fielen in die Zeit vom 23. Decem- ber 1875 bis zum 5. Januar 1876.— Der hundertjährige Geburtstag der Königin Luise wurde am 10. März durch einen Schulaktus begangen, bei welchem der Direktor ein Lebensbild der erlauchten Frau entwarf, deren Wirken als Königin, Gattin und Mutter unsterblich leben und fortwirken wird im deutschen Volke, ein leuchtendes Vorbild noch für die spätesten Geschlechter. Die Feier des Ge- burtstags Seiner Majestät des Kaisers und Königs, welcher am 22. März in dem grossen Stadtbausaale ge- feiert wurde, ging in der üblichen Weise von statten. Die Festrede hielt der ordentliche Lehrer, Herr Pfarrer Ewald, uber die Bedeutung der Königin Luise für Preussen und Deutschland.
II. Die Lehrer.
Durch Verfügung des königlichen Provinzial-Schulkollegiums vom 18. Mai wurden die Herren Pfr. Ewald und Dr. Anschutz, welche bis dahin dem Lehrerkollegium als wissenschaftliche Hülfslehrer angehört hatten, definitiv angestellt.


