Aufsatz 
Zum Lehrplan des Gymnasiums. Erwägungen in nationalem Sinne
Entstehung
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ſtreben, daß ſie die Gefahren, welche dem leiblichen Gedeihen etwa durch unangemeſſene geiſtige Anſtrengungen oder durch eine ſchädliche verkehrte Lebensweiſe bereitet werden, abwenden, ſondern auch durch das poſitive Anwenden des Mittels der körperlichen Bewegung, durch geregelte Uebung der Muskelkräfte, wozu unter den gymnaſtiſchen Uebungen beſonders die Turn⸗ und Schwimmübungen geeignet ſind.

Es kann gar nicht beſtritten werden, daß die Gymnaſialſtudien, wenn das für dieſelbe geſteckte Ziel zur Erfüllung des Zweckes der geiſtigen Ausbildung erreicht werden ſoll, eine nicht geringe Anſtrengung der jugendlichen Kräfte in Anſpruch nehmen. Das kann eben nicht geändert werden, und es iſt an ſich auch nicht einmal zu beklagen. Denn das Gymnaſium iſt nothwendiger Weiſe eine geiſtige Ringſchule, in welcher als Preis für das geiſtige Ringen die Stählung der geiſtigen Kräfte ausgeſetzt iſt. Das macht ja auch den Stolz und den Ruhm der deutſchen Gymnaſien aus. Darüber aber ſollen ſie nicht verſäumen, nach dem Ruhm, auch törperliche Ringſchulen zu ſein, dadurch zu trachten, daß die körperliche Ausbildung mit der geiſtigen in das richtige Gleichgewichtsverhältnis gebracht werde. Allerdings iſt zur Erreichung dieſes Zieles ſchon manches geſchehen, und wenn die immer erfreulicher auftretenden Beſtre⸗ bungen beharrlich fortgeſetzt werden, ſo werden die Rufe nach einem Schutze der Geſundheit in den Schulen, der jetzt freilich nicht überall unbegründet erhoben wird, ſicherlich bald verſtummen.

In demſelben Grade, in welchem die rationelle Ausbildung der körperlichen Kraft und Gewandtheit ihren Fortgang findet, hat ſie auch für die Förderung der Charakterentwickelung und der perſönlichen Wehrhaftigkeit mittelbar ihre Bedeutung. Was zunächſt die erſtere be⸗ trifft, ſo wird wohl niemand leugnen, daß die Gewalt des Menſchen über ſich ſelbſt, das Selbſt⸗ vertrauen, die Geiſtesgegenwart und Unerſchrockenheit, der feſte Muth, welcher vor keinen Ge⸗ fahren zurückweicht, durch die Stärkung und den geregelten Gebrauch der törperlichen Kräfte welche die Gewandtheit erzeugt, vermehrt wird. Ich will zugeben, daß mit der einſeitigen und beſonders mit der ungeregelten Ausbildung der körperlichen Kräfte ſonſt die Gefahr des Ueber⸗ ſchlagens in Roheit verbunden iſt; aber dieſe iſt bei der ſtudirenden Jugend durchaus nicht zu befürchten, wenn nicht die geiſtige oder die ſittliche Veredlung, die doch als Hauptziel der Erziehung und des Unterrichts geltend gemacht werden müſſen, vernachläſſigt wird. Dagegen wird dem Hang zum Müßiggang, der törperlichen Trägheit, der Unbeholfenheit, Feigheit und anderen ſittlichen Gebrechen durch die kräftige körperliche Ausbildung meiſtentheils mit dem beſten Erfolge vorgebeugt, oder, wenn ſie bereits aufgekommen ſind, abgeholfen. Moraliſch ſchlechte Subjecte, die mit den genannten Fehlern obendrein behaftet ſind, erſcheinen allgemein als im höchſten Grade verächtlich.

Uebrigens will ich hier ausdrücklich gegen die Annahme Verwahrung einlegen, als ob die Schule im Stande ſei, das leibliche wie das geiſtige Gedeihen ihrer ſämmtlichen Zöglinge ficher zu ſtellen. Ihr kann doch weiteres nicht zugemuthet werden, als daß ſie ſich die ihr geſtellte Aufgabe vollſtändig klar mache und die Löſung mit Gewiſſenhaftigkeit, Treue und Standhaftigkeit, mit warmer Liebe zu der von ihren⸗ Angehörigen und dem Vaterlande ihrer Obhut anvertrauten Jugend erſtrebe. Viele Eltern ſind der irrigen Anſicht zugethan, daß ſie grade ihre ſchwächlicheren Kinder am⸗ zweckmäßigſten für die wiſſenſchaftlichen Studien be⸗ ſtimmen. Die Gymnaſien machen dagegen nicht ſelten die Erfahrung, daß Jünglinge von ſehr ſchwächlicher körperlicher Conſtitution, aber mit vorzüglichen geiſtigen Anlagen von der Natur ausgeſtattet, wenn es nicht gelingt, durch körperliche Uebungen das Gleichgewicht wieder herzu⸗ ſtellen, zuletzt auch geiſtig verkümmern oder doch den Erwartungen nicht entſprechen.