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er ſeine Stelle im Leben ausfüllen könne. Non scholae, sed vitae discimus. Der heranwach⸗ ſende Jüngling muß ſchon eine Ahnung davon haben, was für Unheil daraus entſteht, wenn einer in eine Stellung verſetzt wird, der er nicht gewachſen iſt. Ins1ec.
So groß nun aber auch ſchon der Werth des allgemeinen Pflichtgefühls iſt, ſo muß doch bei der Erziehung ſehr angelegentlich beherzigt werden, daß das Pflichgefühl erſt dann recht lebendig und fruchtbringend wird, wenn es bei der Individualiſirung der Pflichten Licht und Wärme erhält. Es gibt ja gewiſſe Pflichten, bei deren Erfüllung vorzugsweiſe das menſch⸗ liche Herz betheiligt iſt; ſolche Handlungen, welche gegen dieſelben in erheblichem Grade ver⸗ ſtoßen, werden gleich von dem unmittelbaren Gefühle aus als verabſcheuungswürdig erklärt. Solche ſind im allgemeinen die Pietätspflichten, z. B. die Pflichten der Liebe gegen Eltevn und Geſchwiſter. Wie öde und unfruchtbar erſcheint uns das Herz, aus welchem unnatürlicher Weiſe das dieſem Kreiſe angehörende Pflichtgefühl geſchwunden iſt. Wie ſegensreich dagegen läßt ſich, wenn jenes Pflichtgefühl recht rege iſt, daraus wie aus einer unverſiegbaren Quelle Nahrung für das auch auf andere Gebiete ſich erſtreckende Pflichtgefühl ſchöpfen. 7
In beſonders hohem Grade gilt dieſes aber auch von dem Gefühl der Pflichten gegen das Vaterland; wie viele andere ſtehen mit dieſem in der engſten Verbindung. Wollte man alſo die Vaterlandsliebe auch nicht ſchon um ihrer ſelbſt, um des Werthes willen, welchen ihre Bethätigung an und für ſich hat, weil ſie ja eine nothwendige, eine natürliche Pflicht des Menſchen iſt, hochſchätzen, ſo müßte man ſie bei der Erziehung ſchon deshalb auf das ſorg⸗ fältigſte begünſtigen, weil ſie ſo wirkſam und fruchtbar für die Erfüllung ſonſtiger wichtiger Pflichten iſt. Alſo auch von dieſem Standpunkte muß die Pflege der Vaterlandsliebe als eine ganz unumgängliche Aufgabe der Erziehung an den deutſchen Gymnaſien angeſehen werden. Die Löſung dieſer Aufgabe iſt im allgemeinen auch keine ſchwierige; der Unterricht, die Ver⸗ anſtaltung von patriotiſchen Feſten ſowie die Betheiligung an ſolchen und anderes bieten hierzu hinreichende Mittel, beſonders da ſie auf einen fruchtbaren Boden zu fallen pflegen. Denn die Jugend iſt, wenn ſie nicht ſchon in ihrer freien, natürlichen Entwickelung geſtort worden iſt, für die Liebe zum Vaterlande ſehr empfänglich; leicht ſchwärmt ſie für daſſelbe, und in ihrer gehobenen Stimmung erſcheint ihr kein Opfer zu groß, was für den Augenblick gebracht werden ſoll. Und ſo muß es auch ſein. Einen ſolchen Geiſt zu ſchaffen und zu pflegen iſt jetzt un⸗ ſtreitig in erhöhetem Maße Aufgabe der Gymnaſien, ſeitdem das Vaterlaud eine Stellung errungen hat, die das Gefühl des Stolzes darauf, der deutſchen Nation anzugehören, in vollem Maße rechtfertigt.
Bei den vorſtehenden Erörterungen iſt dieſe Aufgabe der Gymnaſien mehr von der ideellen Seite behandelt. Offenbar aber dürfen ſie ſich darauf durchaus nicht beſchränken; ſie müſſen vielmehr die äußere, die praktiſche Seite weit ſorgfältiger und energiſcher als Feld ihres Wirkens bearbeiten als es bis jetzt noch meiſtentheils geſchieht. Mit der Weckung und Ver⸗ mehrung des geiſtigen Lebens, der Sicherung der geiſtigen Friſche bei Betreibung der wiſſen⸗ ſchaftlichen Studien und mit der Kräftigung des Willens für das ſittliche Handeln ſollen die Gymnaſien auch die Erhaltung und Vermehrung der leiblichen Friſche und Geſundheit, die Hebung und Veredlung des leiblichen Seins der Jugend als eine wichtige Aufgabe anſehen. Sie ſollen, ſo weit ſie es immer vermögen, dafür ſorgen, daß die ihrer Leitung übergebenen Knaben und Jünglinge geſund an Leib wie an Seele ſeien und bleiben und ſo kräftig heran⸗ wachſen, daß ſie auch korperliche Auſtrengungen und Beſchwerden, wenn die Lage ihres Lebens ſolche einmal von ihnen fordert, beſtehen können. Und nicht bloß dadurch ſollen ſie dieſes er⸗


