Aufsatz 
Zum Lehrplan des Gymnasiums. Erwägungen in nationalem Sinne
Entstehung
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n. wohl was die Stellung dieſes Gegenſtandes in dem Lehrplan des Gymnaſiums betrifft, als auch ſeine Behandlung im Unterricht, beſonders die Stilübungen. Vortreffliche Bemerkungen hat hierüber Dr. Kühnaſt auch ſeitdem wieder ausgeſprochen.

Ueberaus freudig verdienen nun die neneſten Bemühungen um die Regelung der deut⸗ ſchen Orthographie begrüßt zu werden, weil dadurch die Ausſicht eröffnet iſt, daß allmählich eine allgemeine Schreibweiſe zuſtande kommen werde. Noch bis vor einigen Jahren leiſtete hierin das deutſche Volk in der That etwas ungeheuerliches. Bei unſerm Gymnaſium hatten wir uns an dieAnleitung zur deutſchen Rechtſchreibung, zuſammengeſtellt im Auftrage des vormaligen Königl. Ober⸗Schulcollegiums zu Hannover, herausgegeben von Dr. Seffer und Dr. Dick, angeſchloſſen. Veranlaßt durch eine Verfügung der vorgeſetzten Behörde haben wir jetzt das Büchlein:Regeln und Wörterverzeichnis für die deutſche Orthographie, zum Schul⸗ gebrauch herausgegeben von dem Verein der Berliner Gymnaſial⸗ und Realſchullehrer Berlin bei H. Ebeling& Plahn. 1871 zur Grundlage für unſere Orthographie gemacht, jedoch nicht umhin gekonnt, einige Aenderungen vorzunehmen. Es erſchien uns geboten, das Princip, nach welchem in manchen Fällen die Wahl zwiſchen zwei Schreibweiſen freigeſtellt wird, ganz aufzugeben und Überall eine einzige kategoriſch vorzuſchreiben. Innerhalb der einzelnen Anſtalten muß das un⸗ bedingt geſchehen, und iſt es leicht zu machen. Aber ein bedeutender Schritt zur Herbeiführung einer auch allgemein gedräuchlichen Orthographie würde es ſein, wenn das Miniſterium allen Schullehrer⸗Seminarien des Staates eine gleichmäßige Norm dafür vorſchriebe, indem es ſich üͤber die von der ſogenannten wiſſenſchaftlichen Orthographie noch beſtehenden Bedenken hinwegſetzte. Haben wir nur erſt eine factiſche Einheit in der Schule, ſo werden zunächſt die Verleger von Schulbüchern der Allgemeinheit derſelben Schreibweiſe die Bahn brechen helfen.

ZDie Erziehung.

Zum Lehrplan des Gymnaſiums gehört auch die Art der Erziehung. Freilich wenn man jeden der beiden Begriffe einſeitig für ſich nimmt, ſo handelt es ſich bei dem Unterricht um die Intelligenz, bei der Erziehung um den Charakter; aber das wäre eben einſeitig und für die Schule, zumal auch für das Gymnaſium, durchaus unangemeſſen. Denn die Richtung des Willens ſoll doch weſentlich durch deutlich bewußte Erkenntniſſe beſtimmt werden, und eben ſo wird die Deutlichkeit der Erkenntniſſe durch die Richtung des Willens mit beſtimmt. In den Gegenſtänden des Gymnaſialunterrichts finden ſich ſo viele ethiſche Bildungselemente, daß eben durch die Verwendung derſelben erziehend gewirkt wird. Und die Erziehung, welche dieſe in den Erkenntniſſen enthaltenen Bildungselemente verwerthet, dient dadurch mittelbar dem Unterricht. Erziehung alſo und Unterricht gehören nothwendig zuſammen, müſſen von dem⸗ ſelben Geiſte durchdrungen ſein. Schon der Ausdruck für das Mittel, wodurch das Gymna⸗ ſium bei der Erziehung auf die Charakterbildung wirkt, die Disciplin, weiſet in ſeiner Grund⸗ bedeutung auf den innern Zuſammenhang der Erziehung und des Unterrichts hin. Dieſer Zuſammenhang wurde von den Alten richtig erkannt, was leider jetzt nicht allgemein der Fall iſt. Unrichtiger Weiſe wird aber auch der Begriff der Disciplin vielfach ſo genommen, als ob es bloß negative, verhindernde, abwehrende Momente ſeien, um welche es ſich dabei handle, und damit wird oft heilloſer Schaden angerichtet. Denn wie die Disciplin in dem höheren, edleren Sinne belebend und erhebend wirkt, ſo wirkt jene andere einſeitige niederdrückend und

tödtend. Eine Disciplin dieſer Art iſt nur Zucht in der unedleren Bedeutung dieſes Wortes; 2*