Aufsatz 
Lehrplan des Gymnasiums in ausführlicher Darstellung
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

Caesar: de bell. gall. 1, 2& 3. Ovidius: Metamorph. mit Auswahl, etwa 1000 Verſe; das Erforderliche aus der Proſodie und Metrik. Memoriren geeigneter proſaiſcher und poetiſcher Abſchnitte. Von dieſer Claſſe an überall eine bündige Hinweiſung auf die litterarhiſtoriſche Stellung des zu leſenden Autors.

Obertertia. Wiederholung und weitere Ausführung des vorhergehenden grammatiſchen Penſums. Exercitien und Extemporalien zur Einübung desſelben, insbeſondere auch der Con⸗ ditionalſätze; ſowie des Unterſchiedes directer und indirecter Rede. Wortbildungslehre; ſyno⸗ nymiſche Unterſchiede. Caesar: de bell. gall. vollendet, Ovidius: Metamorph.; im zweiten Semeſter Cicero: orationes Catilinar. z. Th.; Memoriren wie in Untertertia; metriſche Uebungen, beſonders auch zur Befeſtigung der Proſodie.

In dem Curſus der Secunda und Prima ſoll ſich auf der Grundlage der gewonnenen copia vocabulorum und der Kenntniß der elementaren Grammatik das Streben der eigent⸗ lichen Stilbildung und dem Lateinſprechen zuwenden, beides im engſten Anſchluß an die Gegen⸗ ſtände der Lectüre, welche möglichſt viel bieten muß. Das Maß der Wiederholung, weiteren Begründung und Befeſtigung der Grammatik, wozu auf dieſer Stufe Meiring's lat. Gram. für die mittleren und oberen Claſſen dient, wird durch den Stand der jedesmaligen Claſſe beſtimmt, welcher erfahrungsmäßig nicht immer derſelbe iſt. Hierbei iſt die Einrichtung zu empfehlen, daß bei den Exercitien und Extemporalien neben den zuſammenhängenden Uebungs⸗ ſtücken einzelne Sätze zur Anwendung derjenigen grammatiſchen Regeln, gegen welche nach der Beobachtung des Lehrers am meiſten gefehlt wird, aufgegeben werden. Dieſe können ſehr einfach und kurz ſein. Es kommen ſodann die Partieen in Betracht, welche man wohl unter dem Ausdruck syntaxis ornata zuſammenfaßt, wozu die früher faſt allgemein gebrauchte Zumpt'ſche Grammatik einen dankenswerthen Beitrag liefert. Der Grundſatz, daß die Stil⸗ übungen im engſten Anſchluß an die jedesmalige Lectüre zu betreiben ſeien, gilt ebenſowohl für die Ueberſetzungen, als für die freien Aufſätze. Für beide wird die Vermengung der Stil⸗ gattungen ſorgfältig vermieden. Cicero bleibt unbeſtritten das Hauptmuſter in Betreff des oratoriſchen und des rhetoriſirenden Lehrſtils, wie er der römiſchen Litteratur eigen iſt. Aber ſo gut wie der poetiſche hat auch der hiſtoriſche Stil ſeine ſcharf ausgeprägte Eigenthümlichkeit und auf dieſem Gebiet iſt, wie es jetzt wohl nicht leicht mehr beſtritten wird, Livius das einzige und unübertreffliche Muſter der Darſtellung, zumal was die Periodiſirung angeht. In dieſer aber beruht der Hauptvorzug des lateiniſchen Stils und dieſe Sprache beſitzt die Mittel dafür in hohem Grade. Aber wenn man die genera dicendi vermengt, ſo wird ein gräßliches Unlatein zu Tage gefördert. Wichtig iſt deßhalb auch die Wahl der Uebungs⸗ bücher zum Ueberſetzen ins Lateiniſche. Als geeignet ſind die Bücher von Grotefend, heraus⸗ gegeben von Geffers, von Kämpf, Süpfle, Forbiger ſehr zu empfehlen. Der Stoff zum Ueberſetzen ſowohl als für die freien Auſſätze wird mit ſehr wenigen Ausnahmen aus lateiniſch Gedachtem genommen. Einen ſehr beſchränkten Werth hat die Phraſeologie, inſofern nämlich der angehende Lateiner ſich durch dieſelbe verleiten läßt, die Phraſe als ein medium der Gedanken anzuſehn und durch jene dieſe wie bei den Haaren herbeizuziehn, ſtatt durch den lebendigen Gedanken den ſprachlichen Ausdruck wie von ſelbſt kommen zu laſſen. Dagegen ſind loci memoriales zur Befeſtigung der Hauptregeln der Grammatik, richtig behandelt, ein empfehlenswerthes Hülfsmittel des lateiniſchen Unterrichts. Für die Privatlectüre ſind Cicero: Laelius und Cato maior ſowie Curtius und Sallust zu empfehlen.

2*