Schulnachrichten.
Womit anders könnte die Chronik des abgelaufenen Schuljahres beginnen, als mit dem Er⸗ eigniß, das auch den Inhalt des unmittelbar vorhergehenden Programmtheils bildet?
Samſtag den 20. December v. J., Vormittags 11 Uhr, verlor die Schule durch den Tod ihren Director, Herrn Profeſſor Friedrich Alexander Theodor Kreyſſig. Nachdem derſelbe noch am Montag Abend eine Lehrer⸗Conferenz abgehalten, noch am Dienſtag Morgen in gewohnter Weiſe unterrichtet hatte, warf ihn ſelbigen Tages eine heftige Bruſtentzündung auf's Krankenlager und zerſtörte binnen kaum vier Tagen die ſonſt ſo kerngeſunde, kräftige Conſtitution.
Die außerordentliche Theilnahme, die der plötzliche Todesfall in der Stadt erregte, gab ſich bei der, Dienstag den 23. December 1879 ſtattfindenden, Leichenfeier auf das wohlthuendſte zu erkennen. Dieſelbe wurde wegen der ſtrengen Kälte, welche ein längeres Verweilen auf dem Fried⸗ hofe nicht zugelaſſen hätte, in der Turnhalle der Schule abgehalten. Die Halle war zu dieſem Be⸗ hufe von allen ſtörenden Geräthen frei gemacht worden und bot, auf der rückſeitigen Wand ganz mit Schwarz ausgeſchlagen und reich mit Grün geſchmückt, einen ernſten, würdigen Anblick dar. Vor dieſer Rückwand verſammelte ſich der aus Lehrern und Schülern gebildete Sängerchor; an den beiden Langwänden hatten ſich die Angehörigen der Wöhlerſchule, ſowie zahlreiche Vertreter der ſtädtiſchen Behörden, Schulen und Vereine aufgeſtellt, ſo daß in der Mitte ein Gang frei blieb, durch welchen der Sarg, unter Geſang und den Klängen eines Harmoniums, hereingetragen wurde, um auf dem reich mit Blumen geſchmückten Katafalk aufgeſtellt zu werden. Nach Beendigung des Geſanges ſprach Herr Conſiſtorialrath Pfarrer Dr. Jung; er ſchilderte in herzlichen, warmen Worten den Geſchiedenen von Seiten ſeines makelloſen, überzeugungstreuen Charakters; er hob ſeine reiche Geiſtes⸗ und Herzensbildung hervor und betonte das wehmüthige Schickſal, welches den Heim⸗ gegangenen in dem Augenblick ſeiner vollſten Kraft und Wirkſamkeit ſeinen Kindern, ſeinem Amt, ſeiner wiſſenſchaftlichen Thätigkeit entriſſen habe. Nachdem hierauf der Unterzeichnete im Namen der Schule geſprochen, legten Vertreter aller Klaſſen für eine jede derſelben einen Kranz auf den Sarg nieder. Auch die früheren Schüler weihten dem geſchiedenen Lehrer und Freund, die Realſchule zu Caſſel ihrem ehemaligen Director, die alten Burſchenſchafter dem geſinnungstreuen Commilitonen, die kaufmänniſchen Vereine von Frankfurt, Darmſtadt und Mainz dem oft gehörten Redner, die Loge Sokrates dem unverdroſſenen Mitarbeiter die letzten Spenden der Dankbarkeit und Verehrung. Nach einem Schlußgeſang ordnete ſich der Conduct, der am Grabe von einem Choral der Feuer⸗ wehrmuſik in Empfang genommen wurde. Unter ihren Klängen wurde der Leichnam in die Gruft geſenkt, die nach kurzem Gebet von der reichen Maſſe der Blumenſpenden überdeckt wurde, einem vergänglichen Schmucke, den hoffentlich bald ein dauerndes Zeichen der Pietät erſetzen wird.
Ein Mann von der Bedeutung Friedrich Kreyſſig's ragt weit über den Rahmen des Amtes hinaus, welchem ſeine, wenngleich noch ſo tiefgreifende, Thätigkeit angehört hat. Der ſchmerzliche Wider⸗ hall, den die Kunde von Kreyſſig's Tode in der Nähe und Ferne gefunden, die ehrenden Nachrufe,
6*


