Aufsatz 
Über die Philosophie des Sokrates, mit besonderer Berücksichtigung der Abhandlung Schleiermachers:"Über den Wert des Sokrates als Philosophen"
Entstehung
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welche ihm in den angeſehenſten Organen der deutſchen Preſſe gewidmet worden, haben gezeigt, daß nicht nur die Wöhlerſchule und Frankfurt, daß vielmehr Deutſchland und die literariſche Welt in ihm eine hochbefähigte Kraft verloren. Und dieſe Kraft ſtand gerade jetzt in ihrer rüſtigſten Ent⸗ faltung. Einen wie guten Klang Kreyſſig's Name auch ſchon früher gehabt hat, erſt in den 70er Jahren doch fand ſein Weſen und Wirken allgemeine Anerkennung. Seine literariſchen Werke er⸗ freuten ſich jetzt mehr und mehr der Zuſtimmung der Forſchenden, des Beifalles der Gebildeten ¹); die ſelbſtändige und immer geiſtvolle Erfaſſung alles Großen in Vergangenheit und Gegenwart, in Geſchichte und Literatur, das, was ſeinen Geſprächen einen ſo mächtigen Reiz verlieh, erhob ſeine kritiſchen Arbeiten weit über das Niveau der Tageserſcheinungen und machte ſeine Vorträge zu einer Lieblingsunterhaltung der wiſſenſchaftlichen Vereine in allen Gauen des Vaterlandes. Der in Aus⸗ ſicht ſtehenden Herausgabe ſeiner geſammelten Vorträge und Eſſays ſowie ſeines literariſchen Nach⸗ laſſes bleibt es vorbehalten, ein nach allen Seiten hin erſchöpfendes Lebens⸗ und Charakterbild des ungewöhnlichen Mannes zu liefern. In den vorliegenden Blättern haben wir uns darauf beſchränkt, den Empfindungen der Schule in Worten, die unter der unmittelbaren Wirkung des plötzlichen Ver⸗ luſtes geſprochen worden, auch einen bleibenden Ausdruck zu geben. Der Name Kreyſſig's wird mit den Erinnerungen der Wöhlerſchule, der er den Stempel ſeines Geiſtes aufgedrückt, ſtets auf's engſte verknüpft bleiben. Frieden und Ehre ſeinem Andenken!

Herr Emil Dürrſtein, von Frühling 1870 bis zum 1. October 1879 Lehrer an den Vor⸗ klaſſen der Wöhlerſchule, wurde, kurz nachdem er wegen langwieriger Krankheit in den Ruheſtand getreten war, am 15. October v. J. im Alter von erſt 33 Jahren durch den Tod von ſeinen ſchweren, unheilbaren Leiden erlöſt. Der Verſtorbene erwies ſich in den Jahren der Geſundheit durch ſein großes Talent, junge Kinder unterrichtend zu erziehen, für unſere junge Anſtalt in der Zeit ihrer erſten Entwicklung als eine vorzügliche Kraft, deren Andenken wir, ſowie ſeine zahlreichen Schüler und deren Eltern ſtets dankbar in Ehren halten werden. Seinem Begräbniſſe folgten der Director, die Lehrer und viele Schüler der Anſtalt.

Sehr betrübend war uns die Nachricht von dem im Januar 1879 zu Mainz erfolgten plötz⸗ lichen Ableben eines früheren Amtsgenoſſen, Herrn Philipp Kühn, der ſeit October 1875 als Hilfslehrer fungirt und im Herbſt 1878 die Schule verlaſſen hatte, um ſeine theologiſchen Fach⸗ ſtudien zum Abſchluß zu bringen.

Der Candidatus probandus Herr Dr. Richard Graßhoff verließ die Schule Oſtern 1879 nach erfolgreicher Abſolvirung ſeines Probejahres, währeud deſſen er zugleich eine volle Lehrſtelle verſehen hatte. An ſeine Stelle trat mit Beginn des Sommerhalbjahres der Schulamtscandidat Herr Auguſt Rhode aus Corbach im Fürſtenthum Waldeck, der, am 22. März 1856 geboren, in Bonn und Marburg neuere Philologie ſtudirt und an letzterer Univerſität im Januar 1879 die Staats⸗ prüfung beſtanden hat.

Herr Wiederhold, der bis Oſtern 1879 den Director an den Vorclaſſen vertreten hatte, kehrte mit Beginn des Sommerſemeſters, wo dieſe wegen Niederlegung des bisher benutzten Lokals am

¹) Die Geſchichte der franz. Nationalliteratur erſchien 1873 in 4. Auflage, die Vorleſungen über Shakeſpeare und ſeine Zeit 1874 in 2. Auflage, die Trois Siècles de la littérature française 187677 ebenfalls in 2. Auf⸗ lage; außerdem entſtanden in Frankfurt die Vorleſungen über den deutſchen Roman der Gegenwart(1871), die Shakeſpearefragen(1872), die Schrift über die franzöſiſche Geiſtesbewegung im 19. Jahrhundert(1873).