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Schöpfung im Geiſte erſchaute, jene überwältigende Thatkraft verband, die zu ihrer Durchführung erforderlich war. Das geſicherte Gedeihen der Anſtalt, die ihr vor anderen ähnlichen Anſtalten eigenthümliche Organiſation, ſie iſt das Werk ſeines mächtigen Geiſtes. Nun ſteht ſie faſt vollendet da, und er freute ſich dieſer Schaffensthat innig und mit Recht, nur der letzte Stein fehlte noch zum Ausbau des Ganzen, und hoffnungsvoll ſah er dem nächſten Jahre entgegen, welches dieſen Abſchluß bringen ſollte—
Da erfaßte ihn die Hand des Todes, gleich jenem Volkslehrer der heiligen Schrift, den Gott der Herr von der Höhe aus das gelobte Land von Gilead bis zum weſtlichen Meere und in nächſter Nähe das Thal von Jericho, der Palmenſtadt, mit Augen ſehen und doch nicht hinüber gehen ließ.
Das Thal der Palmenſtadt! Wie hatte er ſie verdient, die Palme des Sieges und der Freude, des Friedens und der feſtlichen Feier! Ja, theurer Mann, an eine Trennung von Dir dachten wir wohl ſchon manchmal, und wenn Dir beſchieden geweſen wäre, wovon Du ſo oft ſehn⸗ ſuchtsvoll geträumt, von der praktiſchen Arbeit endlich zurücktreten und ganz der Wiſſenſchaft leben zu können, deren berufener Prieſter Du warſt: wie freudigen Abſchied hätten wir von Dir genommen, wie gerne Dir einen ſonnigen Lebensabend voll bedeutenden Schaffens gegönnt. Denn nicht der müßigen Ruhe hätteſt Du gepflegt, ſondern reiche, reife Geiſtesernte gehalten. Eine Fülle von Gedanken und Entwürfen harrte der Ausführung, und was Du noch geleiſtet haben würdeſt, vermögen wir nach dem zu ermeſſen, was Du bisher geleiſtet haſt. Auch dieſe Hoffnungen ſind nun vernichtet, denn ach! der Engel des Todes erſcheint ja in den ſeltenſten Fällen wie ein milder Bote des Himmels, der dem menſchlichen Wirken geduldig zuſieht, bis wir ſelbſt müde das Rüſt⸗ zeug aus Händen legen und nach Ruhe verlangen; meiſt zerreißt er mit gewaltſamer Hand das planvoll angelegte Gewebe. Dies ſchmerzliche Menſchenſchickſal hat auch ihn, unſeren unvergeßlichen Todten, getroffen; nun liegt ſein Leben vor uns, beendet und doch nicht abgeſchloſſen, und ſtatt leuchtenden Aufſchwungs erwartet ihn Grabesnacht und Grabesſtille.
Doch beugen wir uns dem unerforſchlichen Willen Gottes und ſcheiden wir von dem Ent⸗ ſchlafenen, nicht ohne uns des Segens bewußt zu werden, den uns ſein Beiſpiel hinterläßt. Sei uns die Arbeit, wie ſie es ihm geweſen, der höchſte Genuß des Lebens, und um ſo jäher der Tod an den Menſchen herantritt, um ſo feſter halten wir edle Ziele im Auge, um ſo emſiger und raſtloſer ſtreben wir ihnen zu. Dann lebt und wirkt er als Vorbild in unausdenkbarem Segen weiter und bezwingt ſo die Gewalt des Todes. Möge denn ſein Andenken insbeſondere auch unter uns, ſeinen Amtsgenoſſen, ſeinen Schülern, in der Anſtalt, die er begründet, fort und fort heil⸗ bringend walten, auf daß ſein verklärter Geiſt befriedigt auf uns herniederſchauen könne aus den himmliſchen Gefilden des Friedens!


