Aufsatz 
Über die Philosophie des Sokrates, mit besonderer Berücksichtigung der Abhandlung Schleiermachers:"Über den Wert des Sokrates als Philosophen"
Entstehung
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deutung wie er. Näher hierauf, wie auf die Bedeutung des kirchengeſchichtlichen Unterrichts ein⸗ zugehen, verbietet die Beſchränktheit des Raumes.

Wenn evangeliſcher und epiſtoliſcher Theil des neuen Teſtamentes einerſeits und Kirchen⸗ geſchichte andrerſeits in innigem Zuſammenhange mit einander behandelt werden, dann wird hier⸗ mit zugleich die beſte Apologie des Chriſtenthnms gegeben, zumal wenn auch der neuſte Theil der Kirchengeſchichte die ihm gebührende Berückſichtigung findet. Einer unmittelbar apologetiſchen Behandlung der chriſtlichen Ideen wird es dann nicht mehr bedürfen. Die Schule hat ihre Schul⸗ digkeit gethan, wenn ſie der Jugend die unvergängliche Weisheit, Erhabenheit und Heiligkeit des Chriſtenthums, von der kanoniſchen Grundlage desſelben ausgehend, durch ſeine geſchichtliche Ent⸗ wicklung hindurch erſchloſſen und dieſelbe ſo für die chriſtliche Lebensanſchauung zu erziehen ſich bemüht hat.

Die höhere Schule räumt dem Religionsunterrichte nur zwei wöchentliche Stunden ein. Da die Realſchule I. O. durch die Vielheit ihrer Lehrgegenſtände ſich in ſteter Bedrängniß mit der Zeit befindet, ſo iſt an eine Vermehrung dieſer Stunden nicht zu denken. Gerne wird man auch der Anſicht Raumers beitreten, welcher räth:Im Zweifel gebe man lieber zu wenig als zu vielen Religionsunterricht ¹). Aber von dem für unſern Unterrichtsgegenſtand feſtgeſteckten Ziele aus er⸗ ſcheint die Wirkung zweier wöchentlichen Stunden ſo lange problematiſch, als nicht die Haltung des ganzen Schullebens eine dieſem Gegenſtande freundliche und deſſen Berechtigung und Be⸗ deutung anerkennende iſt. Und mir ſcheint, wenn dies wirklich der Fall ſein ſoll, ſo muß auch auf allen Höhepunkten des Schullebens dieſe Anerkennung einen ſtehenden und deutlichen Aus⸗ druck finden. Mag dabei in der Art der Betonung des Religiöſen mit Vorſicht verfahren werden, entſprechend der Zuſammenſetzung des ganzen Schulkörpers: den Charakter einer religiöſen Weihe ſoll jede Feier innerhalb der Schule tragen. Unſere Schüler entbehren in dermodernen Zeit der Gewöhnung an gute Sitte im religiöſen Sinne nur allzuſehr.Sonſt entbehrte im Chriſten⸗ volke kein wichtiger Act des Lebens der religiöſen Weihe; es iſt dahingekommen, daß jetzt kein einziger mehr, von der Geburt bis zum Grabe, derſelben bedarf ²). Da hat die Schule, die über den pädagogiſchen Werth ſolcher guten Sitten nicht im Zweifel ſein ſollte, um ſo mehr die Pflicht, eine Form ausfindig zu machen, in welcher der Jugend die einförmige Ordnung ihres Alltags⸗ lebens im Lichte einer höheren Ordnung gezeigt wird.

¹) Geſchichte der Pädagogik 3, 41. ²) Wieſe, über den ſittlichen Werth gegebener Formen p. 4.