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iſt unbeſtritten die Idee des Guten. Dieſe Idee aber„hat in keinem anderen Weſen ewigen Beſtand, unendliche Fülle, ſicheres Beruhen in ſich und unwiderſtehliche Anziehungskraft für an⸗ dere, als in Gott. Gott iſt darum die Quelle wie das Ziel aller wahren Idealität¹).“ Der Religionsunterricht, dem die Pflege der Idee des Göttlichen zwar keineswegs ausſchließlich, aber doch in erſter Linie anbefohlen iſt, arbeitet nach der bisherigen Entwicklung in beſonders directer Weiſe auf das allgemeine Unterrichtsziel hin. Wenn aber einerſeits jedem anderen Lehrgegen⸗ ſtande ſeine wiſſenſchaftliche Unbefangenheit gewahrt bleiben, andererſeits die Idealität des ge⸗ ſammten Unterrichts auf ihre einheitliche Quelle, auf Gott zurückgeführt werden ſoll; ſo erwächſt damit offenbar dem Religionsunterrichte eine viel umfaſſende Aufgabe. Es gilt, eben dieſe all— beherrſchende Macht und Hoheit der göttlichen, ſagen wir der chriſtlichen Idee, ſowohl gegenüber aller Wiſſenſchaft als auch gegenüber allen Lebensfragen auf eine möglichſt klare und einheitliche Form zu bringen; es gilt die Welt der Ideen und die reale Welt als Einen grandioſen geiſt⸗ leiblichen Organismus, als den Makrokosmos für den Mikrokosmus, den Menſchen, zur„An⸗ ſchauung“ zu bringen.
Warum aber wurde nicht der heute ſo beliebte Ausdruck„Weltanſchauung“, ſondern der faſt veraltete„Lebensanſchauung“ gewählt? Seit die Naturwiſſenſchaft ſo gewaltige Fortſchritte gemacht und ſo kühne Hypotheſen über die Summe aller Erſcheinungen aufgeſtellt hat, hat der Menſch mehr und mehr ſich daran gewöhnen müſſen, ſelbſt nur als Object der vergleichenden Anatomie, Phyſiologie und allenfalls der Pſychophyſik zu figuriren. Der Menſch mit ſeinen höchſten Intereſſen, die zur Befriedigung ſeiner ganzen Perſönlichkeit unumgängliche Berückſichti⸗ gung erheiſchen, erſcheint hier überall nur als„eine Welle im Ocean der ewigen Stoffbewe⸗ gung ²).“ Da iſt der Ausdruck Weltanſchauung durchaus zutreffend. In der Schule aber, wo es ſich um harmoniſche Ausbildung von Perſönlichkeiten handelt, und zwar um eine Ausbildung für das Leben, muß überall die Stellung des Subjects des Schülers zu der zu lehrenden Wahrheit und die Rückwirkung dieſer Wahrheit auf das ganze Subjekt mit in Betracht gezogen werden. Wo dieſe Rückſicht nicht genommen, vielmehr jede Hypotheſe, ſobald ſie nur in das wiſſenſchaftliche Syſtem des Lehrers paßt, ohne weiteres in den Unterricht aufgenommen würde, da müßte dieſer Unterricht nothwendig eine für die Bildung des Schülers decentraliſirende Wir⸗ kung üben, mit anderen Unterrichtsgegenſtänden in Widerſpruch gerathen und die charakterbildende Kraft des Unterrichts ſchädigen.
Die hier geforderte einheitliche Lebensanſchauung ſoll nun aber die chriſtliche ſein. Damit iſt gefordert, daß die Schüler durch den Religionsunterricht in eine geiſtige Richtung ein— geführt werden, in der ſie Gott, wie er in Jeſus Chriſtus geoffenbart iſt, als den Grund aller Dinge, den Geſetzgeber des Natur- und Geiſteslebens verehren, an deſſen heiligem Willen der Gegenſatz des Guten und Böſen ermeſſen wird bis in die geheimſten Regungen der Gedanken. So werden natürliches und ſittliches Leben nicht getrennt, ſondern in die höhere Einheit des Religiöſen zuſammengefaßt, und alle Gegenſätze beider Gebiete finden ſchließlich in der Religion
¹) Schrader a. a. O. ²) Lange, Geſchichte des Materialismus.


