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politiſcher, philoſophiſcher, theologiſcher und allgemein wiſſenſchaftlicher Natur vermiſcht. Daher hält ſich die nachfolgende Erörterung grundſätzlich aller Polemik fern und verſucht es, das ge⸗ ſtellte Thema ausſchließlich von pädagogiſchen Geſichtspunkten aus zu betrachten.
3. Ziel des Religionsunterrichts.
Was lehrt nun die vorſtehend im Ueberblicke gegebene Geſchichte des Religionsunterrichts für die Gegenwart?
Sie lehrt zuerſt, daß der Mangel eines dem Weſen des Unterrichtsgegenſtandes entſprechen⸗ den, klar und beſtimmt erkannten Zieles desſelben die Hauptſchuld trägt an dem ſeit beinahe drei Jahrhunderten in Experimenten extremer Natur verlaufenden Entwicklungsgange. Feſtſtel— lung dieſes Unterrichtszieles iſt darum das erſte Erforderniß für alle weitere Ver⸗ ſtändigung. Freilich, wer zu dieſem Zwecke über Jahrhunderte ohne weiteres zurückgreifen und an die Entwickelung des Reformationszeitalters anknüpfen wollte, der würde ſich auch auf päda⸗ gogiſchem Gebiete einer Ungeheuerlichkeit ſchuldig machen. Die orthodoxiſtiſche, pietiſtiſche und rationaliſtiſche Phaſe und die kritiſche Richtung der Neuzeit ſind bedeutungsvolle Stadien inner⸗ halb der Geſchichte der Religion in Kirche und Schule. Darum ſtellt ſich als zweites Ergebniß unſeres hiſtoriſchen Ueberblicks die Nothwendigkeitder Feſthaltung einer gewiſſen Continuität mit der unmittelbaren Vergangenheit heraus. Auf ihr ruht ja auch die Geſtaltung unſeres modernen Schulweſens, die große Mannigfaltigkeit der Unterrichts⸗ fächer und die Stellung der Schule zu Kirche und Staat. Volle Anerkennung dieſer Verhältniſſe iſt eine nothwendige Vorausſetzung für die Feſtſtellung eines wirklich erreichbaren Unterrichtszieles.
Dazu kommt als ein drittes Erforderniß, das mit dem zweiten ſich allerdings berührt: die Berückſichtigung der Stellung unſerer Schüler zur Religion. Das Chriſtenthum drängt in unſeren Tagen zur Apologetik, und wer ein offenes Auge für die Mängel und Schäden des Familien⸗ und Volkslebens hat, der wird ſich das Ziel des Religionsunter⸗ richts(quantitativ) keineswegs ſehr hoch ſtecken. Das Reformationszeitalter konnte das beſte Stück religiöſer Einwirkung dem Familienleben überlaſſen; auch der pietiſtiſchen und rationaliſtiſchen Schule ging die fromme Sitte des Hauſes hilfreich zu Hand: wer wollte leugnen, daß für die Gegenwart Schrader recht hat, wenn er in ſeiner oben citirten Schrift ſagt:„Wenn der unphiloſophiſche Vater die unverdauten Sätze einer gottesleugneriſchen Pſeudowiſſenſchaft, welche er in müßiger Abendſtunde ohne Mühe und ohne Urtheil in ſich aufgenommen, ſchleunigſt wieder vor den heranwachſenden Söhnen auskramt und zu dem, was dieſe aus Kirche und Schule heim⸗ bringen, auch nur mit überlegener und mitleidsvoller Miene ſchweigt, ſo werden dieſe verſucht ſein, ſich auch von den Idealen abzukehren, welche ihrem Denken und Wollen allerdings harte Zumuthungen ſtellen.“
Führen dieſe Erwägungen der Feſtſtellung des Unterrichtszieles ſchon näher, ſo drängt ſich jetzt noch eine andere Frage auf, deren Beantwortung für die Methode des Unterrichts von größter Bedeutung iſt, aber auch hier bereits in Betracht gezogen werden muß, die Frage: Soll der Religionsunterricht vorzugsweiſe fromme Gefühle in dem Schüler zu erwecken ſuchen, oder ſoll er mehr auf die Befeſtigung ſeines


