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vollen Schickſale des Pelopidenſtammes zum Gegen⸗ ſtande haben. Ich bin beſcheiden, ſagt der Dichter und wage mich nicht an eine ſo große Aufgabe: thäte ich das dennoch, ſo würde meine Darſtellung weit hinter den großen Ruhmesthaten des Cäſar und des Agrippa zurückbleiben.
Die vierte Strophe iſt von einigen Heraus⸗ gebern als eingeſchoben und ganz ungehörig be⸗ zeichnet. Das will mir indeß nicht einleuchten. Sie enthält einen gerade an dieſer Stelle ſehr paſſenden Vergleich, wenn auch von der gewöhn⸗ lichen Form eines Vergleichs abgeſehen iſt, was nebenbei bemerkt bei faſt allen Dichtern gelegent— lich auch vorkommt. Mit dem Mars dem Kriegs— gotte, vergleicht ihn der Dichter, als Kriegs⸗ Helden überhaupt, mit Meriones, dem tapfern und treuen Freunde und Gefährten des Idomeneus, des Führers der Kreter(vergl. Ilias 13, 239 und folg.) als Freund des Gebieters, endlich mit dem Tydiden Diomedes als einen be⸗ ſcheidenen jungen Helden; denn dieſer ob⸗ gleich einer der kühnſten und ſtärkſten Fürſten, tritt doch hinter dem Oberfeldherrn Agamemnon bei der Heerſchau(im 4. Buch der Ilias v. 412 flg.) beſcheiden zurück und weiſt die ſelbſtbewußte Art, mit der ſein Kriegsgefährte Sthenelos dem unmuthigen Tadel des Agamemnon entgegen tritt, zurück, er giebt dem Oberfeldherrn ganz Recht. Agrippa, der ſtete Freund und Gefährte des Auguſtus, gleichſam ſeine rechte Hand, drängte ſich niemals vor, ſondern begnügte ſich immer mit der zweiten Stelle hinter Auguſtus. Gerade dieſe ſchlichte Zurückhaltung verdiente beſondere An⸗ erkennung.
Die letzte Strophe könnte man nennen„meine Stoffe“. Dieſe erſcheinen allerdings hier ſehr beſcheiden: convivia und proelia virginum ſind es angeblich. Aber dieſe beiden Begriffe bezeichnen nichts anderes als„Heitere Stoffe“, und ſolche finden ſich bei Horaz genug. An dieſer Stelle werden ſie nur genannt als Gegenſatz zu
dem ernſten Gedichte, das allein in würdiger
Weiſe die Großthaten des Auguſtus und des Agrippa verherrlichen könnte. Daß der Dichter
aber eben durch ſeine beſcheidene Ablehnung die Großthaten der beiden Helden, namentlich des Agrippa in ſeiner Weiſe, d. h. lyriſch, rühmt und preiſt, liegt auf der Hand.
Die 7. Ode hat von jeher viel Schwierig⸗ keiten gemacht. Mancher Erklärer iſt darauf verfallen, das Gedicht in zwei zu zerlegen, ſo daß nämlich beim Vers 15 das zweite beginnt. Allein damit iſt wenig gewonnen: wir bekommen damit 2 Oden, die wie Meineke richtig bemerkt, beide weder Hand noch Fuß haben. Das iſt freilich unverkennbar, daß bei v. 15 ein lyriſcher Sprung vom Dichter gemacht wird, wie wir ſolche Sprünge übrigens in vielen lyriſchen Dichtungen auch moderner Sänger finden. Was dieſen geſtattet iſt, wird ſich auch Horaz wohl erlauben dürfen. Nehmen wir dies an, ſo rundet ſich das Gedicht zu einem wohlgegliederten Ganzen ab.
Munatius Plancus gehörte zu denjenigen Männern, die ſchon in der alten republikaniſchen Zeit eine gewiſſe Rolle geſpielt hatten und ſich in die neue Zeit noch nicht recht hineinfinden konnten. Er hatte unter Cäſar den galliſchen Krieg als Legat mitgemacht. Nach Cäſars Tode ſchwankte er wie viele der Zeitgenoſſen, welcher der neu ſich bildenden Parteien er ſich anſchließen ſollte. Zuletzt ſchloß er ſich dem Antonius an, der ihm im Jahre 40 die Verwaltung von Syrien übertrug. Hier übte er arge Erpreſſungen aus, ſo daß ſogar Antonius darüber ihm zürnte. Das mag der Anlaß dazu geweſen ſein, daß er noch vor der Schlacht bei Actium die Sache des An⸗ tonius aufgab, nach Rom zurückkehrte und nun an Octavion ſich anſchloß. Er gehört alſo zu den politiſchen„Wetterfahnen“, wie man in neuerer Zeit ſolche Männer genannt hat, die bei wieder⸗ holten Umgeſtaltungen der Staatsform(wie z. B. in Frankreich während der Jahre 1848—52) der Reihe nach ſich an diejenige Partei anſchloſſen, welche eben die Oberhand hatte. Daß es dieſen „Wetterfahnen“ nicht immer ganz wohl zu Mute war, läßt ſich ja leicht begreifen; und ſo iſt es offenbar auch dem Munatius Plancus ergangen


