Aufsatz 
Marcel Prévost als Jugenderzieher
Entstehung
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Wörterbuch und einen Cornelius Nepos ſetzen und ſo die lateiniſche Sprache lehren wollen. Bei einem ſolchen Unterricht iſt das Kind nicht intereſſiert, und es macht infolgedeſſen trotz großer Anſtrengungen nur geringe Fortſchritte. Eine fremde Sprache lernt man bekanntlich am beſten durch einen Aufenthalt im fremden Lande, alſo durch die ſogenannte direkte Methode. Das geſprochene Wort muß daher auch im Unterricht der Ausgangspunkt ſein und dauernd im Mittelpunkt des Sprachunterrichts bleiben. Das wird in neuerer Zeit auch für die neueren Sprachen getan. Warum nun nicht auch für die alten Sprachen? Prévoſt findet keinen Grund, der dies nicht als empfehlens⸗ wert erſcheinen laſſe. Er erinnert dabei an die frühere Zeit, wo Latei⸗ niſchſprechen gar nichts Außergewöhnliches war.

Alſo auch im Lateiniſchen betrachtet er als die beſte Einführung die Sprechübungen und zwar über ganz einfache Dinge. Damit wird die Beziehung zur realen Welt, in der allein doch das Kind nur lebt, her⸗ geſtellt, ſein Intereſſe wird geweckt, es erwirbt ohne viel Mühe einen gewiſſen Wortſchatz; dann erſt erfolgt das analyt. wiſſenſchaftliche und literariſche Studium der Sprache, die Vertiefung in die Grammatik, deren Kenntnis ſelbſtverſtändlich unerläßlich iſt. Bei einem ſolchen Unterricht wird viel an Zeit gewonnen.

Unter den beiden alten Sprachen gibt Prévoſt der lateiniſchen

Sprache den Vorzug, ſchon um deswillen, weil ſie die Grundlage der franzöſiſchen Sprache iſt. Lateiniſch lernen iſt eigentlich nichts Anderes als Franzöſiſch lernen. Auf noch einen Vorteil des Erlernens der lateiniſchen Sprache weiſt unſer Schriftſteller hin. Dieſe iſt ihm das vorzüglichſte Mittel zur ſprachlichen Schulung überhaupt, denn ſie iſt ein ausgezeichneter Typus einer fremden Sprache. Wer Latein gelernt hat, erlernt andere fremde Sprachen weſentlich leichter als derjenige, der die alten Sprachen nicht kennt. So alſo macht ſich die aufgewandte Mühe auch in dieſer Hinſicht bezahlt.

Auch für Griechiſch gilt dies, doch ſoll das Kind dieſe Sprache nicht vor dem 12. Jahre anfangen.

Und die lebenden Sprachen? Bis zu 12 Jahren er⸗ lernt das Kind keine andere Sprache als ſeine Mutterſprache und als fremde Sprache nur Latein, das es mit etwa 10 Jahren anfängt, und zwar nur das Latein der Umgangs⸗ ſprache. Das genügt für die ſprachliche Bildung vorerſt.

Prévoſt verkennt dabei den Wert ner neueren Sprachen durchaus nicht; auch ſie wird das Kind erlernen.