Aufsatz 
Marcel Prévost als Jugenderzieher
Entstehung
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der Mittelpunkt, um den ſich alles dreht, das Kind. Dieſe Methode iſt natürlich ſtets dem jeweiligen Alter angepaßt.

Wertvoll iſt hier ferner die Pflege des Geſanges, des Modellierens, des Zeichnens, des Malens. Am wichtigſten iſt der Geſang. Deshalb ſagt auch Ruskin, der bekannte engliſche Schriftſteller: Man ſollte eigent⸗ lich ebenſo beſchämt ſein, nicht ſingen zu können als nicht ſchreiben zu können. Der Geſang iſt abgeſehen von ſeiner Verwendung zur Pflege der Aufmerkſamkeit, wie bereits ausgeführt wurde, auch noch wertvoll in anderer Hinſicht, er dient zur Stärkung des Gedächtniſſes ſkleine Liedchen werden von Kindern am beſten behalten), ſpäter führt er in die Poeſie ein, und in reiferem Alter iſt er ebenſo wie die Muſik eines der mächtigſten Mittel zur Förderung der Geſelligkeit.

Auch das Zeichnen iſt hier ſehr nützlich, obwohl es im Gegenſatz zum Geſang eine mehr individuelle Kunſt iſt. Es ſchlägt die Brücke zum Kunſtgenuß. Wenn das Kind nicht gezeichnet, nicht gemalt hat, dann mag man ihm in den Muſeen noch ſo ſehr die Schönheit der Meiſterwerke preiſen, es wird ihnen innerlich doch nicht nahe kom⸗ men, es hat ſich ja nicht auf dieſem Gebiet verſucht, es kann infolge⸗ deſſen nicht vergleichen, die reale Beziehung fehlt, der ganze Kunſt⸗ unterricht hängt dannin der Luft[est en air), er iſt erfolglos.

Natürlich iſt bei einem ſolchen Alter des Kindes 12 Jahre nicht die Rede von beſonderen Schulen, Richtungen der Kunſt, hier handelt es ſich nur um die Kunſt ſchlechthin. Laſſen wir den kindlichen Geiſt auf allen Gebieten der Kunſt ſich betätigen! Die Spezialiſation kommt ſpäter. Nur halte man die ſchlechten, die mittelmäßigen Künſtler fern!

Wie pflegen wir nun jenes andere Empfindungsvermögen, das ſich betätigt bei den Affekten, bei dem moraliſch Guten und Schlechten? Dieſes iſt noch wichtiger für das ſeeliſche Gleichgewicht als die Kunſt.

Hier geht Prévoſt ſcharf ins Gericht mit der in den franzöſiſchen Schulen offiziell eingeführten Methode. Dort iſt der Religionsunter⸗ richt abgeſchafft und als Erſatz der Moralunterricht eingeführt. In dieſem Unterricht wird ein moraliſches Geſetz in derſelben Weiſe be⸗ handelt wie ein mathematiſcher Lehrſatz. Wie unpädagogiſch! Statt dem Kinde, wie es im Religionsunterricht geſchieht, eine ſittliche Wahr⸗ heit in Form einer bibliſchen Erzählung, alſo durch Anſchauung nahe zu bringen, wird ihm hier die Wahrheit demonſtriert in der denk⸗ bar trockenſten, nüchternſten Form. Ein ſolcher Unterricht kann keinen Erfolg haben. Das warme empfängliche Kindergemüt verlangt