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diskreter Form entgegenrufen:„Fremdling, Du biſt auf ge⸗ weihtem Boden“, ebenſo ſollen wir dem Kinde einen La Fontaine, nur in einem jener geſchmackvollen Bände in die Hand geben. Ein edler Inhalt muß auch in edler Form geboten werden. Scharf wettert deshalb Prévoſt gegen die häßlichen, beſchmutzten, zerzauſten Bücher, die wir allenthalben in den Händen der Schüler ſehen. Dies verdirbt den Geſchmack und muß ihn verderben. Sie dürfen durchaus nicht ge⸗ duldet werden. Schule und Elternhaus müſſen darüber wachen.— Dieſe Schönheit zeige ſich aber auch in anderen Dingen, von denen das Kind tagtäglich umgeben iſt. So biete das Schulzimmer und das häusliche Arbeitszimmer ſtets einen freundlichen gefälligen Eindruck.
Auf dieſe Weiſe wird das Kind an Schönheit gewöhnt, es wird — unbewußt— in die Aeſthetik eingeführt. Und wir können dabei noch obendrein in ihm den Stolz erwecken, ſelbſt dazu beitragen zu wollen.
Es gibt noch ein drittes im Kinde, das ebenfalls die„Eleganz“ „la manière l'accent“ erhalten muß. Das iſt die Empfindungsfähigkeit (sensibilité), deren es 2 Arten gibt, die des„Geſchmackes“ und die der„Gefühle“. Dieſe haben durchaus nichts miteinander gemein. Man kann die Schönheiten der Poeſie, der Muſik empfinden, das ſchließt aber nicht ein, daß man auch das richtige Empfinden hat für das ſoziale Elend z. B., für den wahren Patriotismus, für den Wert der Tugend.„Eine Beethovenſche Sonate und die Rückkehr eines Freundes berühren in unſerer Seele Gebiete, die wahrſcheinlich benach⸗ bart, aber nicht dieſelben ſind“.
Beide Arten des Empfindungsvermögens gilt es zu pflegen. Sie zu wecken, iſt nicht nötig, denn ſie iſt bei allen Menſchen vorhanden Jeder einfache Mann aus dem Volke kann hingeriſſen werden von einem ſchönen Vortrage, einer ſchönen Theatervorſtellung, einer Aus⸗ ſtellung. Ja, bisweilen ſind dieſe empfindungsfähiger als die Ge⸗ bildeten. Aber, wie äußert ſich ihre Begeiſterung? In der höchſten Uebertreibung, im Maßloſen. Sie haben wohl Empfindungsvermögen, aber dieſes iſt nicht gepflegt, nicht geleitet. Und nur dieſes iſt wertvoll.
Vorausſetzung zur Pflege dieſes Vermögens iſt hier wieder eine ſchöne harmoniſche Umgebung für das Kind. So nimmt es zuerſt un⸗ bewußt das Schöne in ſich auf, es wird daran gewöhnt. Später laſſen wir es ſelbſt das Schöne feſtſtellen, laſſen ſeinen Geſchmack ſich betätigen, indem wir es dabei leiten. Wir geben ihm z. B. 2 Bilder zur Ver⸗ gleichung, es wird ſagen: Dieſes habe ich lieber als jenes. Hieran knüpft ſich dann das Warum des Lehrers. So iſt auch hier wieder


