Aufsatz 
Marcel Prévost als Jugenderzieher
Entstehung
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dieſem Alter nicht wieder gut zu machen, wie z. B. Mißbildungen der Zähne, Kahlheit uſw. Sie ſind und bleiben Zeugen einer in dieſer Hinſicht vernachläſſigten Erziehung. Pflanzen wir alſo dem Kinde das Gefühl ein, daß es durchaus nicht verwerflich iſt, körperliche Vorzüge zu ſchätzen, Häßlichkeiten, ſoweit es möglich iſt, zu beſeitigen, geben wir ferner dem Kinde die Ueberzeugung, wie nützlich es iſt,ſich immer im Auge zu haben, ſich niegehen zu laſſen. Bekämpfen wir auf das Strengſte alle häßlichen Gewohnheiten!

Wir brauchen dabei durchaus nicht zu fürchten, daß bei ſolcher Erziehung alles Natürliche ſchwinde und dafür etwas Gekünſteltes an deſſen Stelle trete. Ein rechter Erzieher wird Maß zu halten wiſſen.

Unſer beſonderes Augenmerk gilt der Kleidung. War bei dem 5jährigen Kinde in bezug auf die Kleidung die einzige Forderung die, daß ſie praktiſch ſei, daß ſie in den Bewegungen nicht ſtöre, ſo ver⸗ langen wir jetzt, daß die Kleidung nicht allein praktiſch, ſondern auch den jeweiligen Umſtänden angemeſſen, paſſend und ſchön ſei. Auf dieſe Weiſe lernt das Kind Geſchmack; und legen wir dabei noch Wert auf natürliche, nicht geſuchte Einfachheit, ſo prägen wir oben⸗ drein dem kindlichen Geiſte für immer die Wahrheit des Satzes ein, daß die Einfachheit immer ſchön und gerade ſie die höchſte Eleganz iſt. Auf dieſe Weiſe ſteuern wir wirkungsvoll den Modetorheiten der heutigen Zeit.

Dieſeäußere Eleganz iſt indeſſen nur die unterſte Stufe der Eleganz. Sie genügt nicht. Es muß auch noch die geiſtige Pflege, diegeiſtige Eleganz hinzukommen. Manche Leute, ſo ſagt Prévoft bekommen ſie von Geburt mit, das ſind die gens d'esprit. Sie zeichnen ſich aus durch ein feines Gefühl für die Nüancierung, ſie vermeiden alles naive Brüſten, Zurſchautragen von Wiſſen, Verſtand, Ueber⸗ legenheit, ſie vermeiden mit feinem Takt das, was in der Geſellſchaft nicht gerne ertragen wird. Jedermann iſt ihnen geneigt, weil der Umgang mit ihnen ein Vergnügen iſt. Sie haben die erſte Eigen⸗ ſchaft der geiſtigen Eleganz, ſie haben Geiſt(ils ont de l'esprit).

Und dennoch, ſo wertvoll dies iſt, wie wenig lehrt man die KinderGeiſt zu haben, lehrt man ſie, ihren Verſtand ſo zu gebrauchen, ihre Intelligenz ſo zu geſtalten, zu handhaben, daß ſie andere nicht verletzen und ſich dadurch nicht ſchaden.

Wir müſſen ferner bei der geiſtigen Pflege alles Häßliche fern⸗ halten. Aehnlich wie die Winzer des Médoc die Wege ihrer berühmten Weinberge mit ſchönen Zierblumen umrahmen, gleichſam als wollten ſie dem eintretenden Fremdling in ebenſo vornehmer wie