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ſo muß bemerkt werden, daß Prévoſt durchaus nicht mit den offiziellen Schul⸗Lehrplänen einverſtanden iſt. Nach ſeiner Anſicht ſind dieſe nicht dem Kinde angepaßt. Der Unterricht iſt da nicht immer„rea⸗ liſtiſch“ er knüpft nicht an die Erfahrungswelt des Kindes an, alſo an Bekanntes, das ja ein alter pädagogiſcher Grundſatz iſt, es wird nur zu oft„en air“ gelehrt, das Kind iſt nicht intereſſiert, die Folge davon iſt, daß es die doppelte Energie aufwenden muß, um den Stoff zu beherrſchen, und außerdem das ſo Gelernte iſt bald wieder vergeſſen.
Er betont hingegen, daß dieſelbe Anſchaulichkeit, die bei den erſten Verſuchen im Geographieunterricht waltete, auch jetzt den Unterricht charakteriſieren müſſe; ferner:„immer dieſelbe Sache muß gelehrt wer⸗ den“, lediglich verändert wird die„Intenſität und die Ausdehnung des Stoffes“. Jede Sache, die das Kind gelehrt wird, muß als Mittel⸗ punkt das Kind ſelbſt haben und muß mit dieſem Zentrum durch eine ununterbrochene Kette von erworbenen Kenntniſſen verbunden werden.
Wie ſich Prévoſt die Grundſätze verwirklicht denkt, wird uns am beſten veranſchaulicht an ſeiner Art des Geſchichtsunterrichts.
Er leitet den Geſchichtsunterricht nicht ein durch eine beliebige Er⸗ zählung,„über Pharao, z. B. oder die Aegyptiſche Finſternis“— denn das berührt das Kind herzlich wenig—, ſondern er bemüht ſich, dem Kinde klar zu machen, was die Worte„Zeit“,„Jahr“,„Jahrhundert“ bedeuten. Dann können wir ihm ſagen: Du lebſt im Jahre 1912, Du biſt ein kleiner Franzoſe, wir wollen nun zuſammen heraus finden, was das bedeutet.*) Damit iſt das Intereſſe für Geſchichte erweckt, der Kon⸗ takt iſt hergeſtellt; und die eine Forderung: Anſchaulichkeit des Unter⸗ richtes iſt erfüllt.
Die andere Forderung hieß:„Immer dasſelbe lehren“. Was will Pr. damit ſagen? Zuvörderſt, es iſt verkehrt, wie es in den Schulen ge⸗ ſchieht, jedes Jahr in jeder Klaſſe nur einen beſtimmten Abſchnitt der Geſchichte ohne inneren Zuſammenhang lehren zu wollen. z. B. in Sexta Aegypten, Perſien, in Quinta Frankreich bis 1618, in Quarta Rom uſw., das kann nur ein wildes Chaos ergeben; man lehre vielmehr jedes Jahr die Geſchichte Frankreichs, aber jedes Jahr intenſiver,
*) Prévoſt ſchlägt alſo folgenden Weg ein: er konſtruiert das Geſchichtsbild, indem er von der heutigen Zeit ausgeht und daraus die frühere Zeit erſchließt. Die in den Schulen übliche Methode verlangt dagegen gerade den umgekehrten Weg: von den Anfängen bis zur Gegenwart. Ueber den Wert beider Methoden läßt ſich natürlich ſtreiten, aber auf jeden Fall hat jene den Vorzug, daß bei ihr die moderne Zeit mehr zu ihrem Rechte kommt.


