Aufsatz 
Marcel Prévost als Jugenderzieher
Entstehung
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es kann dieſen übertreffen, wenn das Kind einBücherwurm iſt, es kann zur Leidenſchaft werden, es nimmt ſo dem Kinde die zum Spielen, zur Erholung notwendige freie Zeit. Und das iſt ſchädlich. Auch hierin kann das Elternhaus viel tun. Es iſt ein Ausfluß erzieheriſcher Faul⸗ heit, wenn man das Kind von 712 Jahren leſen läßt ganz gleich⸗ gültig was und wieviel. Sorgfältige Ueberwachung des Kindes iſt nötig. Beſondere Pflicht des Erziehers iſt es, ſtrengeInſpektion über die Bücher zu halten, welche die Grenze des Geiſtes paſſieren. Dies iſt nicht allein erforderlich hinſichtlich der Moral, die in dem Buche ausgeſprochen wird, ſondern auch hinſichtlich des allgemeinen Bil⸗ dungswertes.

(Prévoſt beklagt hier den Mangel an geeigneten Jugendſchriften in der franzöſiſchen Literatur; ausgezeichnet findet er die in England viel gebrauchten nursery tales, die in der Tat voll reicher Beobach⸗ tung, Humor und Poeſie ſind).

Treffliche Jugendſchriften ſind nach ſeiner Anſicht ſolche, die vor allem des nationalen Gehaltes nicht entbehren und die ſich an die kind⸗ liche Phantaſie wenden.Denn Kinder haben Dichteraugen, ſagte Taine; und dieſe wollen genährt ſein. Erhalten wir ihnen dieſe dichte⸗ riſche Anſchauungdenn nur, wem dieſe Kinderaugen geblieben, kann ein wahrhaft großer Künſtler, ein wirklich großer Menſch werden.

Aber nicht allein die Frage: was ſollen die Kinder leſen?, ſondern

auch: wie ſollen ſie leſen? intereſſiert uns. Man lernt nichts, ſolange man nicht anderes tut, als nur leſen:

il faut extraire et tourner en sa propre substance les choses qu'on veut conserver(man muß Auszüge, Zuſammenfaſſungen des Ge⸗ leſenen machen, man muß darüber nachdenken und alles in ſeiner eigenen Sprache darzuſtellen verſuchen). Sobald alſo das Leſen keine Anſtrengung mehr iſt, die das Kind ermüdet, gewöhne man es daran, alles Geleſene in eigener Darſtellung wiederzugeben. Auf dieſe Weiſe beugt man der Oberflächlichkeit vor, die gerade Vielleſern eigentüm⸗ lich iſt.*) Man ſtelle Fragen an das Kind etwa in der Art: Was hat dir in dieſer Lektüre beſonders gefallen? Jegliche Weitſchweifigkeit iſt hierbei verpönt, oder man laſſe ganz kurz ſchriftlich den Inhalt der Lektüre darſtellen. Was den eigentlichen Unterricht in den verſchiedenen Fächern an⸗ langt, der, ſolange es irgend möglich iſt, mündlich ſein muß,

*) Der bekannte franzöſiſche Kritiker und Literarhiſtoriker Emile Faguet hat über dieſe Frage ein ſehr leſenswertes Buch geſchrieben:L'art de lire; er gibt hier ganz ausgezeichnete Winke, wie man Lektüre betreiben ſolle.