Aufsatz 
Marcel Prévost als Jugenderzieher
Entstehung
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Die Frage der körperlichen Erziehung will alſo gewiſſenhaft ge⸗ prüft ſein, es iſt nicht leicht, ſie in Einklang mit den Forderungen der Geiſteserziehung zu bringen. Beide gehen nicht immer Hand in Hand, ja ſie widerſtreiten ſich mitunter. Wir werden ihr am beſten gerecht, wenn wir auch hier das Ziel ins Auge faſſen. Das Wahrſcheinliche iſt, daß der Junge ſpäter irgend einen bürgerlichen Beruf ergreifen wird. Wir wollen alſo keine Berufsathleten erziehen, ſondern Männer, die im Leben alle möglichen Berufsarten einnehmen werden. Dazu ge⸗ hört neben der nötigen Geiſtesbildung auch die erforderliche phyſiſche Elaſtizität und Stärke. Und dieſe ſollen die körperlichen Uebungen ver⸗ mitteln. Wir müſſen alſo insbeſondere darauf achten, daß der jugend⸗ liche Körper geſtählt werde gegen Wind und Wetter, daß er abgehärtet werde(in St. Cyr gab Mme. de Maintenon den Mädchen eine nach ſolchen Prinzipien geregelte ſpartaniſche Erziehung), daß er zur Aus⸗ dauer erzogen werde.(Dies gilt für alle Organe; ſo verwirft Prévoſt auch eine beſonders ausgewählte Kinderkoſt, auch der Magen kanner⸗ zogen werden). Endlich ſollen auch die Muskeln die nötige Uebung erfahren. Hierzu iſt der Sport da. Doch Sport iſt eigentlich nicht das richtige Wort. Dieſer ſei es Reiten, Fahren, Radfahren, Tennis uſw. bedeutet immer etwas Einſeitiges; das aber kann nicht der allgemeinen Körperpflege dienen. Das Ziel des Sportes iſt übrigens etwas ganz Anderes: Vervollkommnung in irgend einer Tätigkeit unter Vernachläſſigung der allgemeinen Pflege. Wir müſſen ihn alſo für die Jugenderziehung verwerfen. Die Kinder ſollen lernen, friſch und mutig ihre Glieder gebrauchen, aus ihrer jungen Kraft ſo viel als möglich herauszuholen. Laſſen wir ſie deshalb laufen, ſpringen, ſchwimmen, klettern uſw. Wert kann man hierbei legen auf das, was Prévoſt le sens du record nennt, d. i. die Idee, daß man immer wieder verſuchen kann, es beſſer als jeder andere, es heute beſſer als geſtern zu machen. Damit wird dieſe Seite der Er⸗ ziehung auch der Pflege des Geiſtes dienſtbar gemacht.

In dieſer letzteren Hinſicht alſo in der Geiſtespflege iſt jetzt im Leben des Kindes eine ganz bedeutſame Aenderung eingetreten. Bisher war die umgebende Welt, das offene Buch der Natur die Quelle der Erfahrung, der Lehrer, derjenige, der dieſe Kenntniſſe ver⸗ mittelte, nun tritt an deren beide Stelle das Buch; das Kind lernt leſen und ſchreiben; Pr. zeigt hier, wie auch diesanſchaulich gelehrt werden könne; Leſen und Schreiben wird von dem Kinde gleichzeitig gelernt. Das Buch iſt ein wichtiger Faktor in der Kindererziehung. Es hat einen großen Einfluß auf das Kind, es tritt in Konkurrenz mit dem Erzieher, ja